Dollar fällt drei Monate in Folge nach enttäuschenden US-Daten

Enrique Díaz-Álvarez18/May/2015Devisenmarkt

Der Verkauf des Dollars beschleunigte sich nach der überraschenden Bekanntgabe gegensätzlicher US-Daten vergangene Woche. Die meisten Konjunkturdaten überraschten negativ mit der erstaunlichen Ausnahme der Arbeitsmarktindikatoren.

Die Zinsmärkte jedoch erwarten weiterhin keine Leitzinsanhebung durch die amerikanische Notenbank (FED). Zusammen mit dem weiterhin hohen Überhang von alten Euro-Shorts führt diese Ansicht zu einer starken Gegenbewegung der meisten Hauptwährungen zum Dollar, der besonders stark gegenüber den europäischen Währungen hervortritt.

Da der Überhang sich weiterhin zurückbildet (die Positionierungsberichte von letzter Woche deuten darauf hin) erwarten wir, dass der Dollar sich innerhalb der nächsten Wochen stabilisieren wird.

GBP

Den Höhepunkt des Pfund-Sterling-Handels von letzter Woche bezeichnete der im Mai von der Bank of England herausgegebene Inflationsreport. Die Ergebnisse sind unterschiedlich. Die Inflationsrate wird den Rest des Jahres voraussichtlich gegen Null tendieren, möglicherweise sogar ins Negative rutschen, sollten die Ölpreise weiterhin das Preiswachstum dämpfen. Es gibt jedoch kaum Aussichten auf eine verlängerte Deflationsperiode.

Die Voraussagen der Zentralbank werden immer düsterer hinsichtlich einer Steigerung der Produktivität des Vereinigten Königreichs, die in den letzten Jahren aufgrund einer unverhältnismäßigen Zunahme von Arbeitsplätzen mit geringer Produktivität eher verhalten blieb. Die sinkende Produktivität scheint die treibende Kraft der negativen Wachstumsprognosen der Zentralbank zu sein, wobei die Inflationsaussichten im Gegensatz dazu positiv ausfallen.

Zudem gab es einige wenige Anzeichen dafür, dass der Geldpolitische Ausschuss (MPC) mit den aktuellen Markterwartungen unzufrieden war, was zur Folge hätte, dass der erste Zinsanstieg erst im Laufe des Jahres 2016 wahrscheinlich würde. Der Arbeitsmarktbericht jedoch, der ein paar Stunden vorher herausgegeben wurde, sorgte für eine positive Stimmung. Er bestätigte die leichte Erhöhung der Löhne, die wir seit 2013 beobachten und die bereits auf über 1 Prozent über die Inflationsrate gestiegen sind. Hinsichtlich dieses Trends sind wir der Meinung, dass es unwahrscheinlich ist, dass der Leitzinssatz nächstes Jahr auf dem derzeitigen, niedrigen Level bleiben wird.

EUR

Das BIP-Wachstum von 1,6 Prozent im ersten Quartal war etwas enttäuschend im Vergleich zu den 2 Prozent, die der Marktkonsens (und wir selbst) erwarteten. Diese negative Überraschung ist hauptsächlich auf den Abschwung des Jahreswachstums in Deutschland auf nur 1,1 Prozent zurückzuführen, das von einem großen Rückgang an Nettoexporten heruntergezogen wurde. Im Gegensatz dazu zeigten Italien, Frankreich und (besonders) Spanien ein moderates Wachstum, insbesondere eines beschleunigten Wachstumsanstiegs von 3,6 Prozent in Spanien.

Wir möchten uns die PMIs, die diese Woche veröffentlicht werden, genauer ansehen, um herauszufinden, ob der Wachstumsrückgang nur ein statistisches Artefakt ist oder es Grund zur Sorge gibt – wir vermuten Ersteres, wobei höhere Ölpreise eine ernstzunehmende Sorge für das zweite Quartal darstellen.

USD

Beim Blick in den im April veröfffentlichten Einzelhandelsindex erwarteten wir einen Aufschwung der Konsumausgaben, nach dem diese in den Wintermonaten rückgängig waren. Dieser war nicht zu finden.

Das Basis- und Kerneinzelhandelsgeschäft blieb im letzten Monat unverändert. Obwohl die Konsumausgaben sich weitgehend erholt haben, erstaunt uns diese schwache Leistung besonders, da die Beschäftigungszahlen und die Arbeitnehmerlöhne in letzter Zeit gestiegen sind. Die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen zeigen in diesem Zyklus weiterhin Tiefstände und der Bericht der neu geschaffenen Arbeitsplätze von letzter Woche fiel ebenfalls positiv aus.

Wir sind zwar der Meinung, dass sich die gegensätzlichen Daten des Arbeitsmarktberichtes und der Konsumausgabenindikatoren ausgleichen werden, jedoch rechnen wir nicht damit, dass eine Leitzinserhebung durch die FED von Juni bis Juli erfolgen wird.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.