Euro fällt nach US-Inflationsdaten, aggressive Notenbank

Enrique Díaz-Álvarez26/May/2015Devisenmarkt

Der Euro erlebte seine schlimmste Woche seit Jahren und fiel über 3 Prozent zum Dollar und 1,5 Prozent zum britischen Pfund. Die Kluft zwischen der Geldpolitik jenseits des Atlantiks war wieder einmal die treibende Kraft bei der Schwächung des Euros, da die Daten der US-Notenbank immer weiter in Richtung einer ersten Erhöhung der Zinssätze diesen Sommer oder Herbst deuteten. Im Gegensatz dazu ließ die EZB verläuten, dass die quantitative Lockerung im Euroraum stark zunehmen werde und Ankäufe von Anleihen in den nächsten Monaten steigen würden. Die Gemeinschaftswährung wurde von griechischer Seite nicht entlastet, da Griechenland davor warnte, die im Juni fälligen Zahlungen an den IWF nicht zu entrichten, bis eine Vereinbarung mit den Kreditgebern erzielt worden sei.

GBP

Die Konjunkturnachrichten der letzten Woche aus Großbritannien waren gemischt. Die im April gemessene Inflationsrate erreichte einen negativen Stand. Die Kernrate, ohne die stark volatilen Nahrungsmittel und Energien, fiel überraschenderweise von 0,2 Prozent auf 0,8 Prozent und erreichten ein neues Tief. Der Rückgang der Kerninflationsrate ist ein Zeichen dafür, dass die Währungsstabilität allmählich niedrigere Preise importierter Güter durchblicken lässt. Die rückläufige Inflation wurde von der Bank of England erwartet und sollte somit wenig Einfluss auf den Zeitplan der Leitzinserhöhungen haben. Zudem sind die Einzelhandelsumsätze im April überraschend stark ausgefallen und stiegen 1,2 im Monatsvergleich, was bestätigte, dass die Konsumausgaben um mehr als reale 3 Prozent gestiegen sind. Die positiven Daten halfen dem britischen Pfund dabei, seinen Aufwärtstrend gegenüber dem Euro fortzusetzen, jedoch konnte das Pfund nicht mit dem massiven Dollar-Aufschwung mithalten und GBP/USD fiel unter die 1,55 Marke.

EUR

Außer der kämpferischen Kommentare der US-Notenbank und der EZB hinsichtlich verstärkter Käufe von Staatsanleihen traf die Gemeinschaftswährung zudem eine Welle negativer ökonomischer Daten. Die Basis-Einkaufsmanagerindizes (PMI) zum Geschäftsklima erlitten im Mai einen Rückschlag, indem der zusammengesetzte Index um einen halben Punkt auf 53,4 fiel. Der Rückgang ist nicht dramatisch, bestätigt jedoch, dass der Aufwärtstrend unterbrochen wurde und deutet zudem an, dass die Wirtschaft im Euroraum sich schwer tun wird, das langsame (und wahrscheinlich unzureichende) Wachstumsniveau zu heben. Die endgültigen Inflationsraten für April wurden auf exakt 0,0 Prozent bestätigt, wobei die sich weitende Lücke zwischen Kernländern und den Eurorandländern, die in einer konjunkturdämfenden Falle festsitzen, mehr Sorge bereitete.

Zusätzlich zu der grieschischen Pattsituation erhielt die Gemeinschaftswährung zudem negative politische Nachrichten aus Spanien. Bei den Regionalwahlen in Spanien erzielte die neue Linkspartei Podemos am Sonntag Erfolg in Madrid und Barcelona und wird künftig bei der Regierungsbildung eine Schlüsselrolle spielen. Es wird verstärkt deutlich, dass die verbreitete Geduld in den Randländern der EU, die unter einer volksfeindlichen Sparpolitik und durch Troika inspierierten Reformen leiden, langsam ausläuft und dass die Bemühungen der Eurogruppe, die Griechen als Ausnahme darzustellen, langsam unglaubwürdig erscheinen. Es scheint wenig zu geben, dass den sich fortsetzenden Euro-Abschwung noch aufhalten kann, besonders nachdem der International Monetary Market (IMM) Commitment of Traders Report andeutete, dass der Überhang an Long-Positionen des US-Dollars weitgehend beseitigt wurde.

USD

Die makroökonomischen Daten der USA boten der US-Notenbank eine Fülle an Munition, die bereits verstärkt baldige Leitzinserhöhungen fordert. Während die Inflationsrate im April lediglich 0,1 Prozent aufführte, stach die Basisrate, ohne volatile Nahrungsmittel und Energien, mit einer größer als erwarteten. monatlichen Rate in Höhe von 0,3 Prozent hervor. Die alle drei Monate jährlich gemessene Kerninflationsrate hat sich innerhalb von fünf Monaten von kaum 1 Prozent auf 2,6 Prozent erhöht. Weitere Indizien dafür, dass die Ratenhöhe in den USA sich normalisieren muss, kamen von dem Arbeitsmarkt. Die wöchentlichen Zahlen der erstmaligen Bewerber von Arbeitslosengeldes, die durch seine häufige Messung wahrscheinlich einer der besten Indikator für Gesundheit des Arbeitsmarkts darstellen, verkünden fast jede Woche kontinuierlich einen neuen Rückgang. Der Vier-Wochen-Durchschnitt ist mit 266.000 der tiefste seit den 1907er Jahre. Der Wohnungsmarkt bestätigte den Wirtschaftsaufstieg der USA aus der Winterflaute. Im Großen und Ganzen unterstützen die Zahlen unsere Auffassung einer ersten Leitzinserhöhung dieses Jahr im Juli, die den US-Dollar weiterhin stärken wird.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.