Euro-Rallye durch höhere Zinssätze im Euroraum

Enrique Díaz-Álvarez15/Jun/2015Devisenmarkt

Letzte Woche sahen wir einige ungewöhnliche Entwicklungen auf den Devisenmärkten. Während der US-Dollar sich gegen die meisten nichteuropäischen Währungen aufgrund starker ökonomischer Daten und angesichts der Chance für eine erste Zinserhebung der US-Notenbank erholte, schafften es der Euro und das britische Pfund den US-Dollar und somit die meisten wichtigen Währungen zu überholen. Der Grund für den starken Euro basiert zweifelsfrei auf dem aggressiven Verkauf europäischer Staatsanleihen, bei denen negative Zinsen in Vergessenheit geraten. Höhere Zinssätze für Anleihen unterstützen eine Währung, da sie Investitionsströme fördern. In Bezug auf das britische Pfund konnten eine Reihe an makroökonomischen Informationen unsere Ansicht bestärken, dass sich das Wachstum im zweiten Quartal wahrscheinlich auf 3 % erholen wird, was die Aussicht der Bank of England auf eine Zinserhöhung eröffnet und dem Pfund helfen würde, den Euro und den US-Dollar zu übertreffen.

GBP

Die wichtigsten ökonomischen Nachrichten aus Großbritannien kündigten einen frischen Preisanstieg auf dem Wohnungsmarkt an. Die Käufernachfrage stieg stark an, so wie das erwartende Wachstum der Hauspreise. Die Bank of England ist nicht sehr glücklich über die Anzeichen einer erneuten Welle von Spekulationen, die den britischen Wohnungsmark und speziell London betreffen und dass erheblich niedrige Zinssätze eine große Rolle dazu beitragen. Wir erwarten daher eine erste Zinssatzerhebung im ersten Quartal 2016. Da die Märkte diese Ansicht zunehmend teilen, stellen höhrere Zinssätze eine große Unterstützung für das Pfund dar.

EUR

Das Wirtschaftswachstum der Eurozone im ersten Quartal wurde zu einer eher bescheidenen Jahresrate von 1,5 Prozent bestätigt. Die wichtigere Information für die Gemeinschaftswährung ist jedoch der anhaltende Anstieg der Zinssätze. Die meisten Staatsanleihen der Eurozone sicherten sich die 1 Prozent  nach den Tiefständen im April. Auf kurzfristige Sicht hin unterstützen diese Bewegungen den Euro, da sie kurzfristige Finanzflüsse von weltweiten Investoren fördern, nach denen diese schon lange hungerten. Mittelfristig gesehen werden die höheren Zinssätze jedoch einen Gegenwind für den noch reifenden Aufschwung der Eurozonen erzeugen. Erwähnenswert ist auch der ungewöhnliche Schritt der Bundeskanlerin Angela Merkel, den starken Euro öffentlich zu kritisieren, wobei dies nur einen temporären Effekt auf die Devisenmärkte hatte und die Gemeinschaftswährung die Woche komfortabel über dem US-Dollar beendete.

Während die Verhandlungen mit Griechenland Negativmeldungen erzeugte, da das IWF-Team die Besprechungen vorzeitig verließ und nach Washington zurückkehrte, werden weiterhin letzte Versuche unternommen, eine Einigung zu erzielen. Der Finanzmarkt sieht dem griechischen Bankrott sichtbarerweise gelassen entgegen und konzentriert sich währenddessen auf höhere Renditen, die durch Staatsanleihen aus der Eurozone zur Verfügung stehen.

USD

Wir erhielten letzte Woche weitere Informationen über die wirtschaftliche Erholung der USA nach dem wetterbedingten Rückgang des ersten Quartals. Einzelhandelsumsätze im Mai stiegen stark an und die Kernrate stieg um 1,2 Prozent in diesem Monat, gestützt von starken Daten durch schwankende Autoverkäufe und höhere Gaspreise. Die Ex-Auto- und Gaszahlen jedoch sind 0,7 Prozent höher diesen Monat und reflektieren den Aufwärtstrend der steigenden Konsumausgaben. Die Ausgaben für den Einzenhandel stiegen in den letzten 3 Monaten um mehr als 7 Prozent der Jahreshöhe und verhalten sich somit konsistent zu der bemerkbaren Beschleunigung der Binnennachfrage der kommenden Monate. Die Augen sind nun auf die FOMC-Sitzung nächste Woche gerichtet und auf die Reaktion der US-Notenbank auf den unbestreitbaren Aufschwung des amerikanischen Wirtschaftswachstums sowie auf Andeutungen zu dem genauen Zeitpunkt einer Zinserhöhung.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.