Das Pfund glänzt, der Dollar schwächelt: Marktreaktion auf die FOMC-Sitzung und Griechenland-Schlagzeilen

Enrique Díaz-Álvarez23/Jun/2015Devisenmarkt

Das britische Pfund drängte sich in einer Woche ins Rampenlicht, in der Anleger sich hauptsächlich auf die Finanzpolitik der US-Notenbank (Fed) und Aussichten auf eine Einigung mit Griechenland konzentrierten und erlebte mit einigem Abstand den deutlich besten Währungsaufschwung. Es stieg um 2 Prozent gegen den Dollar und um über 1 Prozent gegen den Euro vor dem Hintergrund schnell wachsender Löhne und den daraus resultierenden Preisanpassungen der Märkte vor dem Zeitplan der Zinserhöhungen der Bank of England. Der Euro ziemte sich aufgrund der zurückhaltenden Stellungnahme des Federal Open Market Committees (FOMC), jedoch verpasste er es, an Halt zu gewinnen und hinkte der unsicheren Perspektive auf eine Einigung zwischen den „Institutionen“ und der griechischen Regierung entgegen. Letzte Woche endete handelsgewichtet kaum verändert, mit der Ausnahme einer bescheidenen Rallye gegen den US-Dollar. Dieser verlor gegenüber allen G10-Währungen mit Ausnahme des Neuseeland-Dollars an Wert, welcher aufgrund schwacher Wachstumszahlen, die die Kürzung der Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) am 10. Juni rechtfertigten, eine erneut schwierige Woche durchlebte.

GBP

Unsere bereits langfristige Auffassung, dass die Bank of England im ersten Quartal 2016 Zinserhöhungen vornehmen wird, wurde durch starke makroökonomischer Informationen aus dem Vereinigten Königreich letzte Woche gestützt. Der wöchentlich durchschnittliche Wochenlohn wuchs auf das Jahr gesehen im Dreimonatszeitraum bis April um 2,7 Prozent. Im Gegensatz dazu fiel die gemessene Inflationsrate (ebenfalls letzte Woche) nicht gerade positiv aus und die Kerninflationsrate sank auf das Jahr gesehen auf knapp unter 1 Prozent. Die Protokolle der Bank of England erinnerten uns letzte Woche erneut daran, dass das Lohnwachstum eines von den Mitgliedern des Gelpolitischen Ausschusses (MPC) am sorgfältigsten beobachteten Indikatoren zu sein scheint. Die Daten der vergangenen Woche (zur Zeit der Erstellung Protokolle nicht verfügbar) sollten den MPC beruhigen und anfängliche Anzeichen von Lebendigkeit auf dem Immobilienmarkt sollten sicherlich dafür sorgen, dass er eine ruhige Hand zu bewahrt. Da die Zinsmärkte unsere Erwartungen für die Politik des Geldpolitischen Komitees der Bank of England (BoE) teilten, überraschte die starke Pfund-Rallye gegen die anderen G10-Währungen nicht.

EUR

Die hauptsächlich zweitrangigen Daten der Eurozone von letzter Woche wurden von den spannenden Schlagzeilen der Verhandlungen zwischen den „Institutionen“ und der linken griechischen Regierung vollständig überschattet. Alex Tsipras Regierung traf sich zu entscheidenden Gesprächen mit Kreditgebern am Montag zu einem Notfallgipfel in Brüssel, bei dem der griechische Ministerpräsident neue Reformvorschläge einreichte. Diese beinhalteten zwei der wesentlichen Verhandlungspunkte, Mehrwertsteuervergünstigungen und Rentenreformen. Während die Verhandlungen weniger als eine Stunde dauerten, nährte die Stellungnahme die Hoffnung, dass eine Einigung noch in dieser Woche erreicht werden könnte. Die Finanzminister der Eurozone werden sich am Donnerstag erneut treffen, um eine eventuelle Einigung der zwei Parteien zu erzielen. Die Zeit wird jedoch knapp. Das Vertrauen griechischer Kontoinhaber nimmt immer weiter ab und letzte Woche verließen das Banksystem um die 5 Milliarden Euro. Wir sind der Meinung, dass ein Versäumnis einer Einigung diese Woche zu einer Beschleunigung einer Einführung von Kapitalkontrollen in Griechenland nach sich ziehen könnte, wobei wir weiterhin daran glauben, dass eine Einigung erzielt werden kann und solche Maßnahmen nicht nötig sein werden.

USD

Alle Augen waren letzte Woche auf die Juni-Sitzung der Fed gerichtet. Zinssätze blieben, wie auch zuvor von Märkten und Marktstrategen einstimmig erwartet, unverändert. Meldungen der Stellungnahme und Sitzungsmaterialien glichen sich der März-Sitzung. Das FOMC senkte dieses Jahr ihre Wachstums- und Arbeitsmarkterwartungen, da ihre Prognosen sich lang- sowie kurzfristig kaum unterschieden. Die Inflationserwartungen waren nahezu gleichbleibend. Die Haupt-„Punkte“-Diagramme zeigte eine leichte Abwärtsrevision entgegen der erwarteten Fed Funds Rate zum Jaresende für 2016 und 2017. Jedoch blieb die Erwartung hinsichtlich des Endes dieses Jahres kritischerweise unverändert bei 0,625 Prozent, welches zwei Zinssätze voraussetzt. Wir sind der Meinung, dass diese jeweils in den September- und Dezember-Sitzungen stattfinden werden. Die Vorsitzende Helen Yellen äußerte sich in der Pressekonferenz jedoch vorsichtig zu einer Verbesserung des Arbeitsmarktes und legte sich nicht auf eine Bewegung im September fest. Diese Zurückhaltung und die Aussicht der Märkte von nur einer Zinserhebung führten zu einer handelsgewichteten Abwertung des Dollars von ungefähr 1 Prozent. Die mäßige Beschleunigung des Lohnwachstums und der Kerninflation (der 3-Monats-Satz liegt momentan bei einem jährlichen Zinssatz von 2,5 Prozent) sollten der Fed unserer Meinung nach einen ausreichenden Handlungsspielraum geben, so dass sie die zwei Zinsanhebungen einleiten können, die wir 2015 erwarten.

 

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.