Der Euro fällt weiter: Griechenland sagt „Nein“ und ein Ausstieg aus der Gemeinschaftswährung wird wahrscheinlicher

Enrique Díaz-Álvarez06/Jul/2015Devisenmarkt

Die Devisenmärkte und insbesondere die europäischen Währungen wurden letzte Woche wieder einmal stark von den Griechenland-Schlagzeilen und dem Referendum beherrscht. Das Ergebnis des Referendums war ein „Nein“ und somit stimmten sie gegen die Bedingungen der Gläubiger. Dabei stärkten sie die politische Stellung des Ministerpräsidenten Tsipras. Das Ergebnis des Referendums erhöht die Chancen auf einen Austritt Griechenlands aus dem Euro. Unserer Meinung nach liegen die Chancen bei 60 %.

Griechenlands Erhalt des Euros ist nun gänzlich davon abhängig, ob die EZB das Rettungsseil der griechischen Banken aufrechterhalten wird. Das Einstellen der Notfall-Liquiditätshilfen durch die EZB würde die Schließung der Banken bis zu der Einführung einer neuen Währung bedeuten. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass sie den Kreditrahmen auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben und den Stillstand wahren, bis die nächsten Gespräche (hoffentlich) beginnen. Den drastischen Schritt die Notfallhilfen für die griechischen Banken komplett abzustellen, würde eine Zwei-Drittel-Mehrheit des Rats erfordern, was wir als unwahrscheinlich erachten; wir sehen einen Zwiespalt zwischen der unnachgiebigen Haltung Deutschlands und dem eher versöhnlichen Standpunktes Frankreichs, der die größte Hoffnung auf eine Einigung bietet. Die Zeit läuft jedoch davon, da eine moderne Wirtschaft nicht ohne Banken funktionieren kann und der Druck auf Griechenland mit jedem Tag wächst, einen geldpolitischen Ersatz für den Euro zu schaffen, den die Banken nicht mehr aushändigen können.

Alle Augen sind Montagmorgen auf die französisch-deutschen Gespräche und auf den Krisengipfel der europäischen Regierungschefs am Dienstag gerichtet. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.

GBP

Der im Vergleich zum ersten Quartal leichte Aufwärtstrend der BIP-Zahlen, die auf das Jahr gesehen auf 1,6 Prozent gestiegen sind, stellten die wesentlichen Neuigkeiten dar. Die Wachstumszahlen von 2014 sind ebenfalls gestiegen. Die relative Stärke des britischen Wachstums verhalf dem Pfund, dem Sturm der letzten Woche standzuhalten und fiel nur leicht um 1 Prozent gegen den Dollar, während er um einen ähnlichen Wert gegen den Euro gestiegen ist.

EUR

Die Arbeitslosenzahlen in der Eurozone sanken weiterhin rapide, wenn auch von einem sehr hohen Niveau ausgehend. Diese guten Neuigkeiten sind eine der Schlüsselfaktoren zu einem leichten Anstieg des Einzelhandelsumsatzes, der im Mai bereits gestiegen war. Diese Zahlen gehen einher mit einem konsistenten Wachstum von etwa 2 Prozent, wobei die finanziellen Folgen der Griechenland-Krise in den Zahlen noch nicht sichtbar waren.

USD

Der monatliche US-Arbeitsmarktbericht, dem gewöhnlicherweise Devisenhändler ihre Aufmerksamkeit schenken, wurde von den Schagzeilen der Griechenland-Krise überschattet. Wir erhielten jedoch einen weiteren soliden Bericht. Im Juni wurden 233.000 Arbeitsplätze neu geschaffen. Die einzelnen Faktoren fielen jedoch unterschiedlich aus. Wir sahen einen starken Fall der Arbeitslosenzahlen auf 5,3 Prozent auf der einen Seite. Auf der anderen Seite verlangsamte sich das Lohnwachstum erheblich auf das Jahr gesehen von 2,7 Prozent auf 2,0 Prozent. Ohne die Griechenland-Krise hätten wir gedacht, dass dieser Bericht die Chancen auf eine Zinserhöhung der Fed im September steigern würde.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.