Griechenland und Gläubiger erzielen Einigung im Schuldendrama

Enrique Díaz-Álvarez13/Jul/2015Devisenmarkt

Nach siebzehn Stunden langen Verhandlungen am Sonntag, die bis tief in die Nacht und bis zum nächsten Morgen andauerten, kam die griechische Regierung schließlich zu einer Einigung über den dritten Rettungsschirm der Gläubiger im Euroraum. Die führenden Politiker der Eurozone versammelten sich zu Verhandlungen in Brüssel und trafen in letzter Minute einen Schuldendeal mit Griechenland, der den Austritt Griechenlands aus der Eurozone verhindert.

Die Details sind noch unklar, jedoch erfuhren wir heute Morgen von einigen wichtigen Punkten. Entscheidend war, dass Gläubiger von Griechenland forderten, einige wesentliche Aspekte des Deals innerhalb der nächsten Tagen rechtlich umzusetzen. Es scheint zudem, dass der umstrittene Fonds öffentlicher griechischer Vermögenswerte dazu verwendet wird, um Griechenlands Banken zu rekapitalisieren. Wir erwarten die Erhöhung der Not-Liquiditätshilfen ELA (Emergency Liquidity Assistance) an Griechenlands Banken, sobald die griechische Regierung Maßnahmen beschließt, mit denen die Banken wieder eröffnen dürfen. Mit dieser Einigung sollte jedoch keine weitere Notwendigkeit für weitere Abhebungen bestehen. Die Bankeinlagen kommen wahrscheinlich sogar wieder zurück. Alles in allem bedeutet es, dass die Unterstützung Griechenland durch die europäische Union fortgeführt wird.

Am frühen Sonntag schien Ministerpräsident Tsipras den meisten Anforderungen der Gläubiger zuzustimmen. Der griechische Vorschlag, die anscheinend mit französischer Hilfe entworfen wurde, schien einer Kapitulation gleich zu kommen und die meisten Analysten erwarteten, dass es am Wochenende zu einer Einigung kommen würde. Das erschien jedoch zweifelhaft, nachdem die deutsche Regierung die Märkte mit einem Positionspapier schockierte, das Griechenland die Wahl zwischen den extremen Bedingungen oder einer Auszeit aus der Eurozone von mindestens fünf Jahren vorschlug. Die Bedingungen schienen so konzipiert zu sein, dass Sie nicht zu akzeptieren waren und beinhalteten unter anderem den sofortigen Transfer von Vermögenswerten in Höhe von 50 Milliarden Euro als Sicherheiten an einen deutschen Vermögensverwalter. Nach diesem Vorschlag von Finanzminister Schäuble folgten weitere verzweifelte Verhandlungen und es wurde endlich eine Einigung in den frühen Handelsstunden erzielt.

Wir erwarten keine großen Bewegungen des Euro, obwohl er diesen Morgen aufgrund der positiven Neuigkeiten leicht gestiegen ist. Die Märkte reagierten etwas positiver auf die Einigung in Griechenland als auf die Medien oder Analysten. Das bedeutet jedoch, dass die US-Notenbank an einer Zinserhöhung festhält und daher erwarten wir auf lange Sicht gesehen eine Abschwächung des Euro.

GBP

Obwohl die meisten Nachrichten durch die Griechenlandkrise überschattet wurden, gab es letzte Woche dennoch wieder wichtige Neuigkeiten aus dem Vereinigten Königreich. Der Finanzplan erhielt einige Änderungen auf makroökonomischer Ebene, wie faktische Steigerungen der Steuerbelastung von Vermietern mit hohem Einkommen, die Verordnung eines nationalen Existenzminimums in der Steuerordnung und ein Ende des “non-dom”-Status von Personen mit gewöhnlichem Aufenthalt aber ohne bürgerlich-rechtlichen Wohnsitz im UK, deren Einkommen im Ausland bisher nicht von dem Vereinigten Königreich versteuert wurde. Der Einfluss der Änderungen auf makroökonomischer Ebene war relativ gering und resultierte in zusätzlichen 0,2 Prozent des BIP in Ausgaben für 2016. Auch wichtig zu erwähnen ist die letzte Zinssitzung der Bank of England, die keine Änderung des Leitzinssatzes des Einkaufziels britischer Staatsanleihen hervorbrachte. Der Finanzplan und die Sitzung der Bank of England hatten beide keinen Einfluss auf den Devisenmarkt, wobei das britische Pfund einigen Schwankungen unterlag, bevor es die letzte Woche um 0,7 Prozent schwächer gegen den Dollar und um 1 Prozent schwächer gegen den Euro beendete.

EUR

Die Daten der Eurozone von letzter Woche bereiteten nur wenige Überraschungen und gingen mit dem BIP-Wachstum von rund 2 Prozent im zweiten Quartal einher. Die Industrieproduktion in Deutschland bewegte sich etwas unterhalb der Erwartungen mit einem Wachstum von 2,1 Prozent im Mai und bewegte sich durchschnittlich um 1,6 Prozent in diesem zweiten Quartal. Diese Schwäche wird durch die Stärke der Verkaufszahlen wieder relativiert. Wir werden eine bessere Vorstellung davon erhalten, wenn die Industrieproduktionszahlen der Eurozone nächste Woche veröffentlicht werden. Aufgrund der Verzögerung (die Mai-Zahlen sind bereits veröffentlicht worden) werden die Turbulenzen um Griechenland wahrscheinlich keine Auswirkungen auf diese zeigen.

USD

Der Bericht Job Openings and Labor Turnover Survey (JOLTS) des Bureau of Labor Statistics (BLS) stellt uns einige interessante Details zur Arbeitsmarktlage zur Verfügung. Der Mai-Bericht ging mit einem starkem Beschäftigungswachstum einher. Die Anzahl der Stellenangebote erhöhte sich um 20 Prozent der jährlichen Rate seit Dezember 2014 und befindet sich nun auf einem Zyklushoch von etwas über 0,6 Sellenangeboten pro Arbeitslosen. Diese kontinuierliche Verbesserung unterstützt Janet Yellens Ansicht, dass die Zinssätze sich in 2015 erhöhen werden, wobei die Protokolle der letzten Fed-Sitzung eine große Sorge um potentielle Nebenwirkungen der Griechenland-Krise aufzeigten.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.