Die Euro schwächelt, während Griechenland sich allmählich aus den Schlagzeilen zurückzieht

Enrique Díaz-Álvarez20/Jul/2015Devisenmarkt

Die Devisenmärkte verhielten sich letzte Woche wieder einmal entgegen aller Erwartungen.

Griechenland erzielte eine Not-Einigung mit seinen Gläubigern und willigte in die meisten Forderungen ein. Einige der drastischsten Maßnahmen wurden Mittwoch mit überwiegender Mehrheit im griechischen Parlament angenommen. Das alles konnte die Gemeinschaftswährung jedoch nicht unterstützen.

Einige kampflustige Kommentare der Vorsitzenden der US-Notenbank Yellen, sowie des Govenors der Bank of England Carney und des Mitglieds des geldpolitischen Ausschusses Miles widersprachen dem Engagement der EZB sein Programm der quantitativen Lockerung vollständig durchzuführen. Durch die Griechenland-Krise unbeeinflusst lag die sich weitende Kluft der Währungspolitiken jenseits des Atlantiks und verstärkt jenseits des Kanals im Fokus der Märkte und ließ den Euro um über 2 Prozent gegen den Dollar und das Pfund fallen.

Neben der Hauptwährungen war vor allem die Schwäche des Neuseeland-Dollars auffällig, da die Währung negativ auf die fallenden Milchpreise reagierte, welches das Hauptexportgut des Landes darstellt.

GBP

Unsere Erwartungen auf eine erste Zinsanhebung der Bank of England im ersten Quartal 2016 wurde letzte Woche stark von niemand anderem als dem Governor Carney gestützt.

Herr Carney verkündete vor dem Lenkungsausschuss des Finanzministeriums, dass „der Zeitpunkt an dem die Zinsen angehoben werde“ näher rückte. Sehr starke Lohnwachstumsdaten, die von dem geldpolitischen Ausschuss als die kritische Variable bezeichnet wurde, anhand derer der Zeitpunkt der ersten Zinsanhebung bemessen werden könne, unterstützte Carneys Ansicht. Die Löhne inklusive Bonus stiegen um 3,2 Prozent auf das Jahr gesehen und waren um einiges höher als die 2,7 Prozent im April. Das bezeichnet ein äußerst solides Lohnwachstum von über 2 Prozent über der Kerninflationsrate.

Während Griechenland sich immer weiter aus den Schlagzeilen zurückzieht, sind wir uns unserer Prognose auf eine Zinserhöhung sicher und geben Februar 2016 als den wahrscheinlichsten Zeitpunkt für ein Treffen des geldpolitischen Ausschusses an, um die Zinsen anzuheben. Mit dieser Ansicht haben wir unsere Prognose für das Pfund etwas höher gegen die meisten G10-Währungen angesetzt.

EUR

Nach einem Gesprächs-Marathon konnten sich Griechenland und dessen Gläubiger Montagmorgen letztendlich noch einigen.

Die Gläubiger forcierten eine Reihe drastischer Maßnahmen, indem sie einem unvorbereiteten Griechenland mit dem Austritt aus dem Euro drohten, bevor die Gespräche für einen dritten Rettungsplan wiederaufgenommen wurden. Die Maßnahmen wurden ordnungsgemäß genehmigt und der Fokus liegt nun auf Griechenlands Vermögen, das Bankensystem wieder in Gang zu bringen. Der Präsident der EZB Mario Draghi ließ einige wenige positive Anmerkungen erklingen und erlaubte eine leichte Steigerung der Notfall-Liquiditätshilfen an griechische Banken. Er deute zudem an, dass weitere Hilfen folgen würden und die griechischen Staatsanleihen sich zum Kauf eigneten, sobald die erste Programmprüfung abgeschlossen sei.

Zu den Schlagzeilen Griechenlands wurde die Eurozone durch einige schwache Daten getroffen, die die positiven Nachrichten der letzten Zeit in den Schatten stellten. Die Industrieproduktion fiel um 0,4 Prozent im Mai und fiel im zweiten Quartal um fast 1 Prozent gegenüber des ersten Quartals. Die Kerninflationsrate fiel um 0,1 Prozent auf 0,8 Prozent und ließ andeuten, dass die Erwartungen der EZB auf einen rapiden Anstieg auf 2 Prozent wahrscheinlich etwas zu optimistisch sind.

Die Märkte sind im Moment ausschließlich auf die Unterschiede der Währungspolitik fokussiert und der Weg des geringsten Widerstands für den Euro führt abwärts.

USD

In den USA erlebten wir letzte Woche eine negative Überraschung der Einzelhandelsumsätze von Juni.

Der nominale Einzelhandelsumsatz sank um 0,3 Prozent, entgegen den Erwartungen eines Anstiegs der Zahlen. Der Kernumsatz, exklusive Gas- und Autokäufen, sank um 0,1 Prozent. Die April-Rate wurde ebenfalls nach unten korrigiert. Die Einzelhandelsumsätze gehören zu den meist schwankenden und zur Korrektur neigenden ökonomischen Daten in den USA und wir möchten uns die Zahlen von Juli ansehen, bevor wir weitere Schlüsse ziehen.

Die Währungsmärkte vertraten eine ähnlich optimistische Haltung und fokussierten sich hauptsächlich auf die Kommentare der Vorsitzenden Yellen, die ihren Standpunkt bekräftigte, dass die Zinssätze in den USA noch dieses Jahr angehoben werden. Der Dollar notierte daraufhin fester als die anderen G10-Währungen.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.