Euro, britisches Pfund: Erholung während des Urlaubshandels

Enrique Díaz-Álvarez27/Jul/2015Devisenmarkt

Letzte Woche kehrte wieder Ruhe auf den Devisenmärkten ein, während die Griechenland-Krise sich langsam aus den Schlagzeilen zurückzog und Zentralbanker sich mit ihren Kommunikationsaktivitäten weitestgehend in den überraschenden Märkten zurückhielten. Der Euro schüttelte ein paar enttäuschende Wirtschaftsdaten ab, während das britische Pfund seine früh erworbenen Einnahmen in der weiteren Woche nach schlechter ausfallenden Einzelhandelsumsätzen wieder verlor. Wir sahen wieder einmal eine dieser seltenen Wochen, in der das Pfund unterdurchschnittlich gegen den Euro und den Dollar abschnitt und um fast 2 Prozent gegen die Gemeinschaftswährung und ca. 0,5 Prozent gegen den Greenback fiel.

Abgesehen von den G10-Währungen bot auch der kontinuierliche Abwärtstrend der Rohstoffpreise beachtenswerte Finanzentwicklungen. Diese erreichten einen 13-jährigen Tiefpunkt ausgehend von der chinesischen Nachfrage für Rohstoffe, die einen Höchststand erreichte.

GBP

Obwohl die Devisenmärkte sehr auf die enttäuschenden Einzelhandelsumsatzzahlen reagierten, sind wir der Meinung, dass angesichts der Volatilität dieser die Meldungen der Protokolle aus der Juli-Sitzung der Bank of England von größerer Bedeutung war. Es wird klar, dass die zwei Mitglieder, die im Juni noch überlegten, dagegen zu stimmen, sich anders entschieden haben. Die Abstimmung fiel wieder 9-0 aus, was jedoch auf die Sorge „einiger Mitglieder“ über die Griechenland-Krise zurückzuführen war. Wir erwarten jedoch, dass drei der Dissidenten sich in der Versammlung im August für eine sofortige Zinserhöhung aussprechen werden. Die aggressiveren Protokolle unterstützen unsere Ansicht, dass die Zinserhöhungen im Februar nächsten Jahres beginnen werden und es den Pfund gegen die meisten Hauptwährungen außer den Dollar unterstützen wird.

EUR

Die Sorgen um Griechenland verblassen weiterhin auf den europäischen Märkten. Das griechische Parlament verabschiedete eine Reihe weiterer Maßnahmen, die von den Gläubigern als Vorbedingungen vor den Verhandlungsgesprächen über einen dritten Rettungsschirm festgelegt wurden. Die Meldungen der Wirtschaftsfront waren dagegen eher enttäuschend. Der wichtige Stimmungsindikator, Purchasing Managers Index (PMI), fiel um 0,5 in seiner zusammengesetzten Form von 54,2 auf 53,7. Diese Zahl stimmt weiterhin mit dem moderaten Wachstum überein. Es ist jedoch ein beunruhigendes Zeichen, dass ein derart gebeuteltes Wirtschaftssystem wie die Eurozone mit einer Menge an nicht genutzten Ressourcen nicht über die 2-Prozent-Marke hinauskommt, welches dieselbe Höhe wie das PMI darstellt. Der Euro erholte sich gegenüber dem US-Dollar und noch stärker gegenüber dem Pfund, jedoch bleibt die Gemeinschaftswährung gebunden an den Bereich 1,05-1,10, den sie seit der Einigung mit Griechenland hält.

USD

Letzte Woche erhielten wir hauptsächlich zweitrangige Berichte über die US-Wirtschaft. Die Zahlen jedoch waren ermutigend. Die neuen Inlandsverkäufe erzielten ein neues Rekordhoch für die derzeitige Entwicklung und die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen sind mit lediglich 255.000 auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzenten. Dieser massive Fall ist ein gutes Vorzeichen für den Arbeitsmarktbericht im Juli, der im August erscheinen wird und der die Grundlage unserer Erwartungen einer ersten Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) im September darstellt. Nächste Woche erhalten wir die etwas verspäteten BIP-Zahlen des zweiten Quartals und noch wichtiger, den Fed-Bericht der Juli-Sitzung. Wir erwarten, dass der Bericht einige Hinweise auf die Zinserhöhung im September liefern wird, die dem Dollar auf den Devisenmärkten einen Auftrieb geben wird.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.