Mit welchen Schwierigkeiten werden deutsche Exporteure beim Außenhandel konfrontiert?

Daniela Hoffmann30/Jul/2015Import / Export

Deutschland ist eines der größten Exportländer der Welt. Laut Bundesamt für Statistik exportierte Deutschland in diesem Mai rund 95,9 Milliarden Euro in alle Welt. Wichtigster Handelspartner ist laut statistischen Bundesamt Frankreich mit 101,92 Milliarden Euro. Gefolgt von den USA (96,08), dem Vereinigten Königreich (84,14) und China (74,5). Im März diesen Jahres schaffte Deutschland dieses Jahr sogar einen Export-Rekord im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12,4 Prozent auf 107,5 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden im Mai mitteilte. Dies sei der höchste jemals gemessene Monatswert.
Wir möchten Ihnen in diesem Artikel gerne die Schritte vorstellen, die Sie beim Außenhandel mit Drittländern außerhalb der Europäischen Union beachten müssen, welche Exportrisiken auf Sie zukommen und wie Sie sich dagegen schützen können.

Nach dem deutschen Außenwirtschaftsgesetz herrscht ein freier Warenverkehr. Doch sind bei der Ausfuhr von Waren insbesondere mit Rücksicht auf die außenwirtschaftsrechtlichen Interessen handelspolitische Maßnahmen zu beachten.
Vor dem Export sollten Sie die folgenden Fragen klären:

Unter welchen Voraussetzungen darf ich eine Ware exportieren?

Lieferung

Bei einem Handelsgeschäft mit Drittländern fallen Kosten und Risiken beim Transport, der Versicherung und dem Zoll an, deren Aufteilung zwischen dem Exporteur und dem ausländischen Importeur vorab geregelt werden muss. Diese Lieferbedingungen werden häufig international standardisiert durch INCOTERMS 2010.

Welche Dokumente sind erforderlich?

Ausfuhranmeldung in ein Land außerhalb der EU

Seit Juli 2009 besteht eine Verpflichtung sich über die elektronische Ausfuhranmeldung Atlas anzumelden. Das System wird in der EU „Automated Export System” (AES) genannt. ATLAS ist das IT System des deutschen Zolls und bildet die Abkürzung für den Ausdruck „Automatisiertes Tarif- und Lokales Zoll-Abwicklungs-System“.

Beim Export von über 1.000 EUR in ein Land außerhalb der EU benötigen Sie eine Ausfuhranmeldung. Dieser Wert wird errechnet, indem man die Lieferbedingung „Ab Werk“ bzw. „EXW“ die Frachtkosten bis zur deutschen Grenze anteilig zum Rechnungsbetrag addiert.

Bei einem Warenwert von über 3.000 EUR ist das zweistufige Ausfuhrverfahren vorgeschrieben. Es findet dabei eine Vorabfertigung durch das örtlich zuständige Binnenzollamt statt. Beim einstufigen Ausfuhrverfahren ist dies erforderlich. Der Nachteil hierbei ist, dass die Abfertigung nur an einer deutschen EU-Grenzzollstelle stattfinden kann und diese in der Zollanmeldung angegeben wird und nicht geändert werden kann. Die IHK empfiehlt daher auch bei Warenwerten unter 3.000 Euro das zweistufige Ausfuhrverfahren, damit potentiell auftretende Probleme schon bei der lokalen Zollstelle geklärt werden können und nicht erst bei der oft in einem anderen EU-Land befindlichen Ausgangszollstelle. Bei der IAA Plus ist das einstufige Ausfuhrverfahren nur verwendbar, wenn die Ausgangszollstelle in Deutschland liegt. Die Internetanmeldung IAA Plus ist der kostenlose Zugang zum ATLAS-System, der von der Zollverwaltung zur Verfügung gestellt wird. Die IAA Plus kann sich insbesondere für Unternehmen mit weniger als zehn Ausfuhrsendungen im Monat eignen.

Bestehen Ausfuhrbeschränkungen?

Exportkontrollbestimmungen

Beim Export in Drittländer gibt es Beschränkungen im Rahmen des EU-Rechts und des deutschen Rechts. Diese 4 Exportkontrollbestimmungen könnten auf Sie zukommen:

  1. Die Ware (Handelt es sich um ein sogenanntes Dual-Use-Gut mit „doppeltem Verwendungszweck“, also um Waren, Software und Technologie, die für zivile und militärische Zwecke verwendet werden können?)
  2. Den Empfänger (Ist der Empfänger auf der EU-Sanktionsliste oder auf der deutschen Frühwarnliste enthalten?)
  3. Den Verwendungszweck (Handelt es sich um einen kritischen Verwendungszweck, der unter die sog. „catch-all“-Regelungen fällt?).
  4. Länderspezifische Embargobestimmungen (Gibt es Embargos oder Beschränkungen der Freiheit im Außenwirtschaftsverkehr?).

Sollte eine dieser Bestimmungen zutreffen, ist eine Ausfuhrgenehmigung beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle BAFA anzufordern.

Mit welchen Risiken muss ich rechnen?

Transferrisiko/Konvertierungsrisiko

Das Transferrisiko bezeichnet das Risiko, das bei grenzüberschreitenden Finanzgeschäften auftreten kann und zwar wenn die Forderung eines inländischen Gläubigers an einen ausländischen Schuldner trotz Zahlungswilligkeit aufgrund von staatlichen Eingriffen nicht möglich ist wie z.B. Überweisungs-Sperren im Land des Warenabnehmers.

Das Konvertierungsrisiko bezeichnet das Risiko, dass die Umwechslung in die Währung des Exporteurs durch eine eingeschränkte oder abgeschaffte Konvertibilität nicht möglich ist .

Währungsrisiken/Wechselkursrisiken

Währungsrisiken bezeichnen die Unsicherheit über künftige Wechselkursentwicklungen und die Möglichkeit auf Verluste aufgrund von nachteiligen Wechselkursschwankungen. Der grenzüberschreitende Handel birgt jedoch hohe Wechselkursrisiken, die sich nachteilig auf Ihr Geschäftsergebnis auswirken können. Die zu vereinbarende Zahlungsmodalität bei Auslandstransaktionen ist im Allgemeinen ein Kompromiss zwischen dem Käufer und dem Lieferanten und hängt von der jeweiligen Branche, der Marktsituation und der Bonität des Kunden ab.

Warenabnahmerisiko

Das Warenabnahmerisiko umfasst das Risiko, dass der Käufer  die Ware nicht annimmt, z.B. wegen dessen Zahlungsunfähigkeit oder wegen dessen Lossagung vom Kaufvertrag bzw. dessen Verstoß gegen den Kaufvertrag (während der Liefer-/Versandphase eines Exportgeschäfts). Der Exporteur kann bei widerrechtlicher Nichtabnahme bestellter Waren entstehende Schadensersatzforderung an den Importeur stellen, auch als Surrogatsforderung bezeichnet.

Delkredererisiko

Das Delkredererisiko bezeichnet die Gefahr, dass der Käufer den im Kaufvertrag begründeten Zahlungsanspruch des Verkäufers ganz oder teilweise nicht oder nicht fristgerecht erfüllt. Neben der Hauptforderung bezieht sich das Delkredererisiko des Lieferanten auch auf eventuelle Schadensersatzforderungen und sonstige Nebenforderungen, die z.B. Verzugszinsen, Vertragsstrafen umfassen können.
Forde­rung bezogenen Risiken verstanden, die einem Gläubiger entstehen.

Wie kann ich mich gegen diese Risiken schützen?

UN-Kaufrecht

Das UN-Kaufrecht (CISG-UNK) ist ein Übereinkommen der Vereinten Nation zur Regelung des internationalen Warenverkehrs Das UN-Kaufrecht enthält Regelungen  für internationale Kaufverträge und bietet somit eine einheitliche Regelung im internationalen Warenverkehr. Es gilt häufig auch ohne besondere Vereinbarung und kann eine gemeinsame Basis für die Vertragspartner bilden.

Ein engagierter Finanzdienstleister

Unternehmen mit Außenhandelsaktivität oder Gesellschaften bedienen sich verschiedenster Hedging-Strategien, um sich gegen potentielle Verluste abzusichern. Ein Finanzdienstleister mit dem nötigen Fachwissen kann Ihnen bei Ihrem Handel und Auslandstransaktionen helfen, diese Strategien zu entwickeln, um sich gegen Währungsrisiken abzusichern wie z.B. Kassageschäfte, Window/Fixed Forwards, Market-Order, Non-Deliverable Forwards (NDFs, Terminkontrakte ohne Lieferung) und Kreditbedingungen. Gegen das Warenabnahmerisiko können Exporteure sich im Vorfeld durch eine entsprechende Zahlungssicherung schützen wie z.B. Vorauskassa, Kreditversicherung, Forfaitierung, Dokumentenakkreditiv oder Dokumenten-Inkasso. Dafür steht Ihnen Ihr Finanzdienstleister zur Seite, der Sie dabei unterstützt, den Interessenkonflikt zwischen Exporteur und Importeur zu regeln und starke, profitable Beziehungen herzustellen. Wichtig ist, dass dieser Ihnen günstige Kreditkonditionen vergibt und dem Importeur beschleunigte, regresslose Barzahlungen zur Verfügung stellt.

Erfahren Sie mehr darüber, wenn Sie hier klicken.

 

Wir hoffen, der Artikel hat viele Ihrer Fragen beantwortet. Sollten Sie dennoch weitere Fragen haben, dann steht Ihnen einer unserer Devisenexperten gerne unter +49 (0) 69 1200 66 920 zur Verfügung oder senden Sie uns eine E-Mail an info@ebury.de.

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Verfasst von Daniela Hoffmann

German Marketing Executive bei Ebury. Magister Artium in Amerikanistik, Germanistik und Rechtswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.