Das britische Pfund erholt sich, während Fed und Bank of England in den Vordergrund rücken

Enrique Díaz-Álvarez03/Aug/2015Devisenmarkt

Der Fokus der Devisenmärkte liegt auf dem Moment der Preisfestsetzung und dem genauen Zeitpunkt von Zinserhöhungen durch die US-Notenbank und die Bank of England. Letzte Woche stand der Offenmarktausschuss (FOMC) im Vordergrund. Der Ausschuss deutete an,  dass er „eine weitere Verbesserung des Arbeitsmarktes“ erwarte und die Erwartungen sind unserer Meinung nach nicht zu hoch angelegt. Unserer Ansicht nach bedeutet es, dass das Ausbleiben unangenehmer Überraschungen in der Veröffentlichung der nächsten Arbeitsmarktdaten bereits genügt, um die erste Zinserhöhung im September, wie von uns auch erwartet, auszuführen. Die Entscheidung über Zinserhöhungen der Bank of England stehen ebenfalls kurz bevor und daraufhin erlebten der US-Dollar und das Pfund letzte Woche einen Aufschwung gegenüber den anderen Hauptwährungen, besonders gegenüber den europäischen Währungen.

Alle Augen sind nun auf den ereignisreichen Donnerstag gerichtet. Die Bank of England verkündet dann ihre Entscheidung bezüglich Zinserhöhungen und wird zudem zum ersten Mal die Sitzungsprotokolle und den vierteljährlichen Inflationsbericht zusammen veröffentlichen. Das Pfund wird ohne Zweifel eine volatile Woche erleben; wir halten Sie auf dem Laufenden.

GBP

Letzte Woche ereignete sich ein weiteres Ereignis, das die Bank of England in Richtung Zinserhöhungen leiten könnte. Das BIP-Wachstum im zweiten Quartal lag nach ersten Schätzungen bei gesunden 2,8 Prozent auf das Jahr umgerechnet. Das bezeichnet eine erhebliche Verbesserung von den 1,6 Prozent im ersten Quartal.

Die Bank of England wird diesen Donnerstag ihren erwarteten Zeitplan für Zinserhöhungen zusammen mit den Sitzungsprotokollen und dem vierteljährlichen Inflationsbericht preisgeben. Während die meisten sich einig sind, dass die Zinsen unverändert bleiben, liegt der Schlüssel dazu in der Anzahl der Andersgläubigen, die sich für eine sofortige Erhöhung aussprechen werden. Wir erwarten drei oder vier davon. Drei Gegenstimmen würden das Monetary Policy Committee (MPC) auf den Kurs einer Zinserhöhung im Februar lenken. Vier Stimmen jedoch würden die Märkte unter Schock setzen und zu einer starken Pfund-Rallye führen und hätte außerdem zur Folge, dass wir unsere Pfund-Prognosen und Erwartungen für eine Zinserhöhung der Bank of England überholen müssten. Bleiben Sie auf dem Laufenden!

EUR

Griechenland zieht sich weiterhin aus den Schlagzeilen zurück und es scheint, als hätte die Krise sich nur kurzfristig auf das Selbstbewusstsein der Eurozone ausgewirkt. Der Purchasing Composite Index (PMI) zur Messung des Geschäftsklimas, der letzte Woche veröffentlicht worden ist, sank um etwa 0,5 auf 53,7 und bleibt konsistent mit dem Wachstum von 1,5 – 2 Prozent. Etwas bedenklicher waren die Daten des schwachen Arbeitsmarkts der Eurozone. Schwache Daten aus Italien bedeuten, dass die Arbeitslosigkeit im Juni bei einem hohen Stand von 11,1 Prozent verharrte. Die bescheidende Erholung des italienischen Arbeitsmarkts verschwand in den letzten Monaten im Nichts und stellt ein Besorgnis erregendes Zeichen für ganz Europa dar. Die makroökonomischen Neuigkeiten treten durch die Geldpolitikentwicklungen in den Hintergrund und der Euro verschlechterte sich gegen das britische Pfund und den US-Dollar, während die Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhungen bei der Fed und der Bank of England stieg.

USD

Das Hauptereignis für den Dollar bildete letzte Woche die FOMC-Sitzung von Juli und deren Protokolle. Wir sind der Meinung, dass das durch die FOMC vorgelegte Ziel der Erreichung von Zinserhöhungen im September keine Hürde darstellt. Es stehen zwei weitere Arbeitsmarktberichte zwischen der aktuellen und der September-Sitzung aus und sollte die Beschäftigungszahlen nicht plötzlich stark fallen und einen Stand unter 150.000 erreichen werden wir mit einer Zinserhöhung rechnen können. Die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen liegen konsistent bei unter 300.000 und wir sind davon überzeugt, dass die Zahl der neuen Beschäftigten bei über 200.000 liegen werden und daher eine Erhöhung eintreten wird.

Zu der FOMC-Ankündigung gab es letzte Woche unterschiedliche makroökonomische Nachrichten aus den USA. Das BIP-Wachstum in dem zweiten Quartal lag bei 2,3 Prozent und die Zahl im ersten Quartal wurde erheblich von -0,2 Prozent auf +0,6 Prozent nach oben revidiert. Auf der anderen Seite erfuhr die US-Lohnentwicklung (Employment Cost Index, ECI) das kleinste Wachstum seit Jahrzenten, nur 0,2 Prozent für das zweite Quartal. Es ist schwer zu sagen, in wie weit dies die Fed beeinflussen wird, jedoch sind wir der Ansicht, dass die Haupt-Beschäftigtenzahlen und die monatlichen Gehaltszahlen im Moment schwerer ins Gewicht fallen und erwarten weiterhin eine Zinserhöhung im September.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.