Yuan-Abwertung schockiert Investoren; G10-Währungen zeigen sich unbeeindruckt

Enrique Díaz-Álvarez17/Aug/2015Devisenmarkt

Letzte Woche wurde der üblicherweise ruhige August-Handel durch die Nachrichten aus China schlagartig getroffen. Die chinesische Regierung wertete den Yuan-Kurs um fast 2 Prozent gegenüber dem Dollar ab und verursachte die stärkste Bewegung seit mehr als 10 Jahren. Eine weitere Abwertung folgte am nächsten Tag, so dass der Yuan letzte Woche fast 3 Prozent schwächer gegenüber dem US-Dollar beendete.

Das waren zwar wesentliche Nachrichten, jedoch wirkte sich die Volatilität nicht auf die anderen G10-Währungen aus, die eine weitere Woche schwachen Handels erlebten. Wie gewöhnlich waren die im August unterbesetzten Trading-Desks nicht bereit, größere Positionen einzugehenund es gab keine sonstigen Nachrichten, die für größere Marktbewegungen gesorgt hätten. Die gelassene Reaktion der Märkte ist unserer Meinung nach berechtigt.

Der Schritt der chinesischen Regierung war im Zuge der anhaltenden Aufwertung, die der Yuan gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelskonkurrenten Chinas erfahren hat, ebenfalls verständlich. Der Yuan war im letzten Jahr dem Aufwärtstrends des US-Dollars gefolgt. Die aktuelle Abwertung des Yuan revidiert lediglich 25 Prozent der Aufwertung des letzten Jahres.

Unter den weiteren Währungen stieg die Schwedische Krone um 2 Prozent gegenüber den meisten Währungen, nachdem der Inflationsbericht im Juli einen stärker als erwarteten Anstieg verzeichnete.

GBP

Die Nachrichten drehten sich letzte Woche hauptsächlich um den gemischten Arbeitsmarktbericht aus dem Vereinigten Königreich.

Die Arbeitslosigkeit lag in den letzten drei Monaten unverändert bei 5,6 Prozent. Die Arbeitslosenrate im Juni bei 5,46 Prozent und das Lohnwachstum blieb mit 2,8 Prozent auf einem konsistent hohen Niveau. Die Lohnerhöhungen bewegten sich 2 Prozent über der Kerninflationsrate. Dem Monetary Policy Committee (MPC) sollte dies signalisieren, dass die Wirtschaft nicht weit von einer Vollbeschäftigung entfernt ist.

Eine weitere Erhöhung der Löhne auf über 2,5 Prozent sollte auch bei einer nur leichteren Senkung der Arbeitslosenquote genug sein, um eine erste Zinserhöhung im Februar 2016 zu garantieren.

EUR

Letzte Woche erhielten wir wieder einmal zahlreiche enttäuschende Konjunkturdaten aus der Eurozone.

Das BIP-Wachstum hielt sich im zweiten Quartal auf einem bescheidenen Niveau von 1,25 Prozent auf Jahresbasis. Besonders enttäuschend ist das Unvermögen der Eurozone eine 2-prozentige Wachstumsrate länger als ein Quartal zu halten, obwohl die europäischen Wirtschaft mehrere positive Entwicklungen in den letzten Monate verzeichnete. Eine starke Währungsabwertung, erheblich niedrigere Ölpreise und ein aggressives Programm zur quantitativen Lockerung, die die Zinssätze in der gesamten Eurozone senkten, sind positive Entwicklungen. Dennoch tritt das Wirtschaftswachstum weiterhin auf der Stelle und auch von der vorläufigen Verbesserung der Beschäftigungssituation im letzten Jahr ist nichts mehr zu erkennen.

Die Vorhersagen der europäischen Zentralbank, dass die Wirtschaft wieder wachsen und die Inflationsrate steigen werde, erachten wir als zu optimistisch; die Abwertung des Yuan unterstützt diese Ansicht ebenfalls nicht. Nächstes Jahr erwarten wir einen weiteren Abwärtstrend der Gemeinschaftswährung als den einzig verbleibenden Impulsgeber für die europäische Wirtschaft.

USD

Der Einzelhandelsumsatz bildete in der Vergangenheit die Schwachstelle inmitten grundsätzlich starker US-Konjunkturdaten.

Der veröffentlichte Bericht der vergangenen Woche schwächte diese Bedenken ab. Die Umsätze stiegen im Juli um 0,6 Prozent und wurden um plus 0,5 Prozent gegenüber den letzten zwei Monaten nach oben revidiert. Diese Überraschung und die starken Zahlen, die wir aus dem Fahrzeugverkauf und dem Wohnungsmarkt gehesen haben, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die erste Schätzung des Wachstums im zweiten Quartal (bisher 2,3 Prozent) nach oben korrigiert wird.

Wir erwarten weiterhin positive Konjunkturdaten, die die Befürchtungen des Offenmarktausschusses (FOMC) einer unverhältnismäßigen Aufwertung des US-Dollars nicht bestätigen und bleiben trotz der Abwertung des Yuans letzte Woche weiterhin von einer Zinserhöhung im September überzeugt.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.