Schwellenländer-Währungen fallen deutlich; Flucht von Anlegern aus risikoreichen Anlageprodukten

Enrique Díaz-Álvarez24/Aug/2015Devisenmarkt

Die Abwertung des Yuan und die im Allgemeinen schwach ausfallenden Konjunkturdaten aus China hinterließen letzte Woche Ihre Spuren auf den Märkten. Riskante Anlageprodukte einschließlich Wertpapiere, nichtstaatliche Anleihen und Schwellenländer-Währungen gerieten im Laufe der Woche unter Druck und viele beendeten die Woche mit Verlusten.

Erstaunlicherweise übernahm der Euro noch vor dem US-Dollar die Rolle als Fluchtwährung. Während der Dollar zwar gegenüber den Schwellenländer-Währungen gestiegen ist, büßte er fast 3 Prozent gegenüber der Gemeinschaftswährung ein.

Diese ungewöhnliche Entwicklung ist unserer Meinung nach ein Produkt des August-Devisenhandels und wir erwarten die Wiederaufnahme des Abwärtstrends des Euros, je näher wir der September-Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) kommen.

GBP

Letzte Woche erlebten wir einen erheblichen Inflationsanstieg im Vereinigten Königreich.

Die Gesamtinflation stieg leicht auf 0,1 Prozent im Jahresvergleich. Noch wichtiger war die deutliche Zunahme der Kerninflation von 0,8 Prozent auf 1,2 Prozent. Der Sprung der Kerninflation wurde durch die stärker schwankenden Komponenten getrieben. Wir werden gegebenenfalls eine leichte Entspannung in dem August-Bericht sehen. Die Inflation im Vereinigten Königreich kehrt jedoch mittelfristig zurück zu der Zielvorgabe des Geldpolitischen Ausschusses (MPC). Wir erwarten in den nächsten Monaten deshalb weitere Gegenstimmen in den MPC-Abstimmungen bezüglich der Einführung von Zinserhöhungen, was zu einer Zinserhöhung im Februar 2016 führen dürfte.

Die Ereignisse letzte Woche hatten keine Auswirkungen auf die Märkte, da diese sich auf den Verkauf risikoreicher Anlageprodukte konzentrierten. Das britische Pfund handelte fast im Gleichschritt mit dem US-Dollar und stieg gegenüber den Schwellenländer-Währungen, büßte jedoch erstaunlicherweise erheblich gegenüber der Gemeinschaftswährung ein.

EUR

Die Konjunkturdaten der Eurozone bleiben weiterhin enttäuschend.

Das BIP-Wachstum im zweiten Quartal wird auf eine Jahresbasis von nur 1,3 Prozent geschätzt, was einen erheblichen Unterschied zu den 2 Prozent darstellte, die einige Ökonomen (uns eingeschlossen) vor einigen Wochen erwartet hatten. Wir erfuhren nicht viel über diePrognosen der PMI-Geschäftsklimaindizes, die im August relativ konstant blieben und sich wie in der Vergangenheit bei einem konstanten 2-prozentigen Wachstum bewegten. Die Einkaufsmanagerindizes stellten sich in letzter Zeit jedoch als zu optimistisch heraus, da einige der Wachstumszahlen weit hinter den Prognosen zurückblieben.

Auch das hatte kaum Auswirkungen auf die Märkte, die eher von der Liquidation von Positionen als von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst wurden.

USD

Investoren richteten ihren Fokus hauptsächlich auf die Veröffentlichung der Sitzungsberichte der US-Notenbank (Fed) vom Juli und der Inflationszahlen von letzter Woche.

Alle Konjunkturdaten fielen unterschiedlich aus. Auf der einen Seite waren die Inflationszahlen niedriger als erwartet, da die Gesamt- und Kerninflationsrate diesen Monat um nur 0,1 Prozent gestiegen sind. Auf der anderen Seite suggerierten die Sitzungsprotokolle, dass die Fed einer ersten Zinserhöhung näher ist, wobei einige Unsicherheiten hinsichtlich des Zeitplans bestehen.

Der Offenmarktausschuss bleibt das Wachstum betreffend weiterhin zuversichtlich. Die Inflationsaussichten liegen aufgrund von fallenden Rohstoffpreisen und einem starken Dollar etwas niedriger. Wir glauben weiterhin an eine Zinserhöhung im September, allerdings wird die Entscheidung eng ausfallen.

Print

Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.