Eine volatile Woche endet ohne größere Veränderungen von Euro und Pfund

Enrique Díaz-Álvarez02/Sep/2015Devisenmarkt

Letzte Woche erlebten die Finanzmärkte eine außergewöhnlich volatile Woche. Die Nervosität begann am späten Sonntag, nachdem weitere negative Daten in Bezug auf die chinesische Wirtschaft in Verbindung mit Anzeichen, dass die Regierung sich (vernünftigerweise) aus der Unterstützung des Aktienkursniveaus zurückgezogen hat, die chinesischen Aktien trafen. Unserer Meinung nach folgte daraufhin ein klassischer Fall eines Deleveraging-Prozesses. Beliebte Investment- und Tradingpositionen wurden in dem typischerweise illiquiden Augusthandel abgewickelt und vergrößerten die Marktbewegungen. Bei den Währungen sahen wir eine Euro-Aufwertung, nachdem Aktien und Schwellenländer-Währungen Anfang letzter Woche abgestürzt waren, da sogenannte „Carry Trades“, die die sehr niedrigen Zinssätze in der Eurozone ausnutzen, um die Gemeinschaftswährung zu verkaufen und Währungen von Ländern mit höheren Zinssätzen zu kaufen, abgewickelt wurden.

Mitte der Woche war der Ausverkauf beendet und risikoreiche Anlagewerte stiegen deutlich an, so dass die Aktien der meisten Börsen die letzte Woche positiv beendeten und der Euro wieder zurück unter den Anfangskurs von letzter Woche fiel. Die starken BIP-Daten aus den USA und weitere Zinssenkungen aus China stärkten die Bullenmärkte und es scheint möglich, dass die Bewegungen letzte Woche nichts weiter als eine Sommerböe darstellten – obwohl die chinesische Wachstumsschwäche sich dämpfend auf das weltweite Wirtschaftwachstum in 2016 auswirken wird.

Diese ereignisreiche Woche endete mit einer jährlichen Versammlung der Notenbanker in Jackson Hole, Wyoming. Die Botschaft insbesondere von der US-Notenbank (Fed) und der Bank of England lautete, dass die Währungshüter größtenteils über die Marktvolatilität und den moderaten Fall der Aktienkurse hinwegsehen, wenn es um die Entscheidung über Zinserhöhungen geht.

GBP

Ein gemäßigter Ausblick an der Datenfront, jedoch nicht so im Marktgeschehen. Die erste Revision der BIP-Zahlen des zweiten Quartals ließen die Zahlen unverändert bei gesunden 2,8 Prozent auf Jahresbasis. Wir erwarten gespannt die PMI-Zahlen nächste Woche, um zu erfahren, wie das dritte Quartal sich verhalten wird.

Wichtiger für die zukünftige Entwicklung des Pfunds waren Governor Carneys Ausführungen auf dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole, Wyoming. Carney schien deutlich unbeeindruckt von den wilden Marktbewegungen. Er erklärte, dass die Entwicklungen in China voraussichtlich nichts an der Leitzinsentwicklung ändern würden. Das unterstützt unsere Ansicht, dass die Zinssätze im Vereinigten Königreich im Februar 2016 angehoben werden und das britische Pfund wahrscheinlich gegenüber dem Euro aufgewertet werden wird, dessen Kurs im Moment eine andere Richtung einschlägt.

EUR

Die meisten zweitrangigen Indikatoren aus der Eurozone blieben einheitlich bei einem Wachstum von bescheidenen 1.5%-2%, was in letzter Zeit die Norm darstellte. Die hilfreichsten Nachrichten stellten die deutliche Beschleunigung der Bankkreditvergabe im Juli dar, die das schnellste Wachstum seit 4 Jahren erlebte. Im Großen und Ganzen zeigte die europäische Wirtschaft sich bisher von der Wachstumsschwäche Chinas oder der Marktvolatilität unberührt – alle diese Indikatoren reagieren recht spät und wir müssen auf die PMI-Vertrauensindizes warten, um diese Widerstandsfähigkeit bestätigen zu können.

Die Gemeinschaftswährung wurde, wie oben bereits erwähnt, hauptsächlich durch eine mangelnde Liquidität und Liquidation von alten Handelspositionen getrieben, die die extrem niedrigen Zinsen in der Eurozone ausnutzten, um „Carry Trades“ gegen andere, höherrentierende Währungen, insbesondere Schwellenländer-Währungen, auszuführen. Da diese Marktpositionen größtenteils eingestellt wurden, erwarten wir, dass die Gemeinschaftswährung ihren Abwärtstrend gegenüber dem Dollar fortführt.

USD

Die USA stellte uns wesentlich besser als erwartete Nachrichten in der letzten Woche bereit. Das BIP im zweiten Quartal wurde deutlich von 2,3 Prozent auf 3,7 Prozent nach oben revidiert. Neuere Daten zu Auftragseingängen von Gebrauchsgütern im Juli passten sich ebenfalls an den leichten Anstieg des US-Wirtschaftswachstums an. Die verschiedenen Richtungen von Volatilität an den Märkten und den tatsächlichen Wirtschaftsdaten, lassen eine Zinserhebung der Fed im September eine knappe Entscheidung werden. Das wurde von dem Präsidenten der New Yorker Federal Reserve Bank William Dudley und dem stellvertretenden Vorsitzenden Stanley Fischer besonders hervorgehoben, die unterschiedliche Ansichten in ihren Ansprachen vertraten. Dudley führte aus, dass die Gründe für eine Zinserhebung nun „weniger überzeugend“ seien, während Fischer andeutete, dass die Inflation bald wieder in die Nähe des Ziels der Fed rücken würde. Obwohl die Unsicherheit wieder gewachsen ist und die Abstimmung nicht einstimmig ausfallen wird, bleiben wir der Meinung, dass die Zinssätze Ende dieses Monats in den USA angehoben werden.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.