Dollar-Verkäufe inmitten von Marktunsicherheiten durch FOMC-Entscheidung diese Woche

Enrique Díaz-Álvarez14/Sep/2015Devisenmarkt

Der Fokus der Devisenhändler lag letzte Woche hauptsächlich auf der Bank of England. Weder die Sitzungsprotokolle noch die erwartete Abstimmung von 8-1 für einen unveränderten Zinssatz enthielten neue Informationen und das britische Pfund wurde dem Euro folgend gegenüber den meisten Währungen höher gehandelt. Die Rallye wurde durch verstärkte Marktunsicherheiten aufgrund der Fed-Sitzung über eine Zinsanhebung diese Woche, sowie einem nach oben revidierten Eurozonenwachstum in den letzten Quartalen angetrieben. Alle Augen sind nun auf die Entscheidung des Federal Open Market Committees (FOMC) gerichtet. Wir erwarten weiterhin eine Zinsanhebung, wobei wir zugeben müssen, dass die Abstimmung knapp ausfallen wird, da es einige Gegenstimmen geben wird.

Es gab Anzeichen einer Stabilisierung der Schwellenländer, da die meisten Währungen sich diese Woche von ihren Tiefständen erholt hatten. Insbesondere verweisen wir auf die starke Erholung des rohstoffneutralen Südafrikanischen Rand.

GBP

Aus den Sitzungsprotokollen des Offenmarktausschusses (MPC) der Bank of England vom letzten Donnerstag geht ein gemäßigter Ton hervor.

Wie zu erwarten war, stimmte die Bank of England 8-1 dafür, die Zinssätze bei 0,5 Prozent zu halten. In einem Schlüsselparagraphen des Sitzungsprotokolls wurde festgestellt, dass „weltweite Entwicklungen im Moment nicht ausreichend erscheinen, die wirtschaftlichen Aussichten wesentlich zu ändern.“ Das MPC sieht die jüngsten Marktschwankungen recht gelassen. In den Sitzungsprotokollen wurde zudem festgestellt, dass „einige“ Mitglieder in Übereinstimmung mit dem Rest des MPC weiterhin ein „Aufwärtsrisiko“ in der Inflation sehen.

Das deutet darauf hin, dass wir wahrscheinlich bereits nächsten Monat mit weiteren Stimmen für unmittelbare Zinsanhebungen rechnen können. So lange die Aussichten sich weltweit nicht wesentlich verschlechtern, glauben wir, dass eine erste Erhöhung im Februar 2016 stattfinden wird.

EUR

Letzte Woche erhielten wir einige positive Nachrichten über das Wirtschaftswachstum. Das BIP-Wachstum wurde in den letzten 4 Quartalen von 1,4 Prozent auf 1,8 Prozent in der ersten Hälfte des Jahres nach oben revidiert. Die Zahlen liegen nun näher an der Obergrenze von 2 Prozent, die die Wirtschaft in der Eurozone nicht zu überschreiten vermag.

Damit verlagert sich der Fokus wieder einmal auf das politische Geschehen. Die Wahlen in Griechenland werden wahrscheinlich nicht noch einmal für Marktvolatilität sorgen, da die Stimmen für eine Einigung eine starke Präsenz im Parlament einnehmen werden und die einzige Unsicherheit darin liegt, welche Partei die Umsetzung des Abkommens leiten wird. Bedenklicher sind die Nachrichten aus Spanien, deren katalanische Regionalwahlen Ende des Monats wahrscheinlich in einer Mehrheit der separatistischen Koalition enden werden, während der Rest der politischen Parteien schwächelt und geteilter Meinung ist. Wir glauben, dass die Märkte sich gegenüber dem Risiko einer ernsthaften institutionellen Instabilität der viertgrößten europäischen Wirtschaft etwas zu gleichgültig verhalten.

USD

Die zweitrangigen Berichte der letzten Woche bestätigten unsere Auffassung, dass die US-Wirtschaft in einem gesunden Tempo weiter wächst und sich sogar über seinem Potential bewegt.

Der Bericht der Job Openings and Labor Turnover Survey (JOLTS) zu Einstellungen, Entlassungen und freiwilligen Aufgaben des Arbeitsverhältnisses fiel grundsätzlich positiv aus. Die meisten Hauptmesswerte des Arbeitsmarktes erreichten wieder ein Niveau von vor der Krise. Die Wohnungsmarktindikatoren deuten ebenfalls auf einen Aufwärtstrend hin.

Diese Sachlage bietet unserer Meinung nach keinen Grund für Notfall-Rahmenbedingungen der US-Geldpolitik und daher erwarten wir diese Woche in der FOMC-Sitzung eine Zinsanhebung. Die Entscheidung wird jedoch knapp ausfallen. Das Thema spaltet Marktstrategen fast zu 50 Prozent und die Zinsmärkte rechnen mit einer 28-prozentigen Chance einer Erhöhung der Zinssätze, was wir für zu niedrig halten. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Kontaktieren Sie uns, um weitere Informationen zu erhalten.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.