Alles blickt auf die US-Notenbank und eine mögliche Zinsanhebung seit 2008

Enrique Díaz-Álvarez17/Sep/2015Devisenmarkt

Heute werden die Weltmärkte von der US-Notenbank (Fed) und der Zinsentscheidung der Zentralbank um 20:00 Uhr (CEST) nach einer 2-tägigen Sitzung dominiert. Marktpreise deuten darauf hin, dass der Zinssatz nicht erhöht wird und Analysten und Ökonomen auf der ganzen Welt sind geteilter Meinung. Wir hingegen erwarten weiterhin eine Anhebung des Leitzinssatzes, wobei die Entscheidung unter den Mitgliedern des Offenmarktausschusses (FOMC) sicherlich nicht einstimmig ausfallen wird.

Sollte eine Zinsanhebung stattfinden

Eine Erhöhung um einen viertel Prozentpunkt würde den US-Dollar gegenüber fast aller anderen Weltwährungen nachdrücklich aufwerten. Die Chance auf eine kleine Erhöhung von 0,125 Prozent darf unserer Meinung jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Sollte keine Zinsanhebung stattfinden

Sollte es keine Erhöhung geben, würde das den Dollar kurzfristig belasten, wobei das natürlich ebenfalls von den begleitenden Kommentaren der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen beeinflusst wird.

EUR

Eine schwache Inflation in der Eurozone, die wieder einmal mit 0,1 Prozent im August unter den Erwartungen lag, belastete den Euro gestern Morgen. Das Preiswachstum, das in den letzten sieben Monaten stur bei null blieb, erhöht den Druck auf die europäische Zentralbank (EZB), die quantitativen Lockerungsmaßnahmen zu verstärken, besonders nachdem Mario Draghi Anfang diesen Monats die Tür für diese Möglichkeit weiter offen ließ. Kommentare des Vize-Präsidenten Vitor Constancio am Mittwoch deuteten an, dass das existierende Programm relativ klein ist und nach Bedarf erhöht werden kann.

Die Inflationsrate in der Eurozone wird weiterhin von den sinkenden Ölpreisen beeinflusst und die Gesamtteuerung verläuft seitwärts. Die Kernrate der Inflation, abzüglich der Energiepreise, enttäuschte ebenfalls negativ und stieg lediglich um 0,9 Prozent auf Jahresbasis.

Die schwachen Inflationszahlen hatten eine Abschwächung des Euros gegenüber dem Pfund zur Folge, wobei ein später Anstieg die Gemeinschaftswährung gestern um 0,7 Prozent höher gegenüber dem US-Dollar enden ließ.

USD

Die US-Inflationsdaten waren kaum unterschiedlich zu den Daten der Eurozone und enttäuschten gestern mit einem Rückgang um 0,1 Prozent im August ebenfalls. Das Ausbleiben eines größeren Schocks bei den Zahlen des Verbraucherpreisindexes (CPI) wird die Zinsentscheidung des FOMC wahrscheinlich nicht beeinflussen, jedoch werden die Entscheidungsträger das sicherlich bei zukünftigen Sitzungen berücksichtigen.

Die Gesamtinflation blieb bei 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr , bedingt durch einen 4,1-prozentigen Rückgang der Benzinpreise, die ihren größten Verlust seit Februar verzeichneten. Anlass zur Sorge bot der Rückgang der Kerninflation, die von 1,9 Prozent auf 1,8 Prozent fiel. Der NAHB-Index des US-Immobilienmarktes stieg von 61 auf 62, was allerdings den Verlust des Dollars von 0,1 Prozent gegenüber den anderen Währungen nicht verhinderte.

Wie zuvor erwähnt, steht der Zinsentscheid der Fed heute Abend um 20:00 Uhr (CEST) im Mittelpunkt. Unabhängig von dem Ausgang der Entscheidung ist mit erhöhter Volatilität zu rechnen.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.