Warum die US-Notenbank die Zinsen unverändert lässt

Enrique Díaz-Álvarez18/Sep/2015Devisenmarkt

Das solide Wirtschaftswachstum hat sich von seinem wetterbedingten Rückgang im ersten Quartal erholt und eine anziehende Arbeitsmarktlage und die stabile Arbeitsplatzbeschaffung und niedrige Arbeitslosigkeit deuteten darauf hin, dass die Zeit für das monetäre Notfallprogramm bald beendet sein würde.

Die Entscheidung

Die Frage, ob die US-Notenbank (Fed) die Zinsen zum ersten Mal seit neun Jahren in ihrer September-Sitzung am Donnerstag anheben würde, spaltete Ökonomisten und Analysten.

Letztendlich entschied der Offenmarktausschuss (FOMC) sich dazu, die Zinsen nicht zu erhöhen und bei ihrem derzeitigen Stand von 0,25 Prozent zu belassen. Lediglich ein Ausschussmitglied, Jeffrey Lacker, stimmte dafür, die Zinsen diesen Monat anzuheben.

Wenig überraschend war der deutliche Rückgang des US-Dollars nach dieser Entscheidung, der um 1 Prozent gegenüber dem Euro (Abbildung 1) und um 0,7 Prozent gegenüber dem Pfund fiel und starke Verluste gegenüber den meisten Schwellenländer-Währungen erfuhr.

Abbildung 1: Intra-Day EUR/USD (17-09-2015)
EUR USD

Quelle: Thomson Reuters Datum: 18-09-2015

Warum das Wirtschaftswachstum nicht genug ist

Das begleitende geldpolitische Statement war ebenfalls gemäßigt. Während die Fed einräumte, dass die Binnenwirtschaft gesund sei und sich gut entwickele, führte sie auch an, dass weiterhin Risiken aus dem Ausland bestehen, die an der Wirtschaft zerren.

Auslandsrisiken scheinen die Fed nun doch mehr zu beschäftigen, als wir erwartet hatten und sie scheint die Aktien genauer zu beobachten.

Vorsitzende Janet Yellen wiederholte zudem die Notwendigkeit „einiger weiterer Verbesserungen“ auf dem Arbeitsmarkt und eines gestärkten Vertrauens darin, dass die Inflation ihr ursprüngliches Ziel wieder erreichen wird.

Zinserhöhung in nächster Zeit möglich

Entscheidend jedoch war das berüchtigte Streudiagramm der Fed, auf dem zu sehen ist, wann die Ausschussmitglieder Zinsanhebungen erwarten und das zeigt, dass dreizehn der siebzehn FOMC-Mitglieder immer noch eine Leitzinsanhebung für 2015 erwarten (Abbildung 2).

Das bedeutet, dass eine Erhöhung der Zinsen in diesem Jahr noch möglich ist.

Abbildung 2: September FOMC-Streudiagramm

FOMC Streudiagrann

Quelle: US-Notenbank Datum: 17-09-2015

Zusätzlich sehen wir durch die Tatsache, dass Janet Yellen betonte, dass die nächste Sitzung eine neue Entscheidung bringen kann und damit eine Zinserhöhung im nächsten Monat nicht ausschloss, eine 50/50 Chance, dass die US-Notenbank die Zinsen entweder im Oktober oder im Dezember anheben wird. Diese Prognose setzt voraus, dass es keine negativen Überraschungen wie den „Schwarzen Montag“ letzten Monat im Ausland oder an den Börsen zu verzeichnen gibt.

Eine Zinserhöhung in den USA dieses Jahr, ob in der Oktober- oder Dezember-Sitzung, würde den US-Dollar gegenüber den meisten Hauptwährungen bis in das Jahr 2016 hinein unterstützen.

Wir erwarten weiterhin eine geldpolitische Wende in der Eurozone durch die FOMC und die europäische Zentralbank, um den Euro gegenüber dem US-Dollar innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate abzuschwächen und erwarten eine langsame Stärkung des US-Dollars gegenüber dem britischen Pfund. Aufgrund des Ausbleibens einer Zinserhöhung im September revidieren wir unsere kurzfristigen Prognosen für den US-Dollar leicht nach unten und passen unsere Erwartungen für eine langfristige Wertsteigerung der Währung leicht nach hinten an.

Wir hoffen, dass diese Informationen interessant und nützlich für Sie sind. Wenn Sie eine Live-Kursnotierung erhalten oder Informationen über Fremdwährungstransaktionen erhalten möchten, können Sie uns gerne hier kontaktieren.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.