FOMC lässt Zinsen unverändert, US-Dollar beendete die letzte Woche jedoch ohne Verluste gegenüber dem Euro

Enrique Díaz-Álvarez21/Sep/2015Devisenmarkt

Alle Augen waren letzte Woche auf die Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) gerichtet. Die US-Notenbank ließ die Zinsen unverändert, wie die Märkte (nicht die Ökonomen und wir) zum Großteil erwartet hatten. Stellungnahmen zu dem Sitzungsprotokoll und zu der Pressekonferenz der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen waren gemischt, machten jedoch klar, dass die US-Notenbank die Finanzmärkte zum ersten Mal seit Jahren mit Sorge betrachteten und das war vielleicht der entscheidende Faktor zur Zurückhaltung bei der Entscheidung.

Die Reaktion der Devisenmärkte fiel überraschend aus. Nachdem der Euro aufgrund der Entscheidung stark angestiegen war, gab er Freitagabend alle seine Gewinne der Woche wieder ab und beendete die Woche fast unverändert gegenüber dem Dollar, während das britische Pfund einen leichten Anstieg verzeichnete. Die Schwellenländer-Währungen litten am Freitag hauptsächlich, erholten sich jedoch wie in den letzten Wochen von ihrem Tiefstand.

GBP

Der Arbeitsmarktbericht der International Labour Organization (ILO) deutete auf die sich weiter straffenden Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt hin. Der durchschnittliche Dreimonatssatz fiel auf 5,5 Prozent, während der einfache Monatssatz auf 5,4 Prozent fiel. Wichtiger war die Beschleunigung der realen Lohnentwicklung. Einschließlich Bonuszahlungen wuchs diese um fast 3 Prozent auf Jahresbasis und liegt somit fast 2 Prozent über der Kerninflation – eines der schnellsten Zuwächse überhaupt.

Obwohl die Fed-Entscheidung das Risiko einer Verzögerung bei der Zinsanhebungen der Bank of England erhöht hat, gehen wir aufgrund der positiven Entwicklungen des Arbeitsmarktes und des Wohnungsmarktes weiterhin von einer Zinsanhebung im Februar 2016 aus. Obwohl die Zinsmärkte von einer späteren Erhöhung überzeugt sind, reichten die positiven Nachrichten aus, um das Pfund gegenüber dem Euro und dem US-Dollar zu stärken.

EUR

Letzte Woche gab es in der Eurozone keine wichtigen Datenveröffentlichungen oder politischen Entscheidungen und die Märkte fokussierten sich zu Recht auf die FOMC. Die Nachrichten, die es gab, waren weitestgehend positiv. Die Industrieproduktion stieg im Juli um 0,6 Prozent und glich dadurch den Rückgang von 0,3 Prozent im Juni wieder aus, wobei der Index sich wieder auf einen 1,5-prozentigen Anstieg im dritten Quartal zubewegt. Die Nachrichten der Verbraucherseite (Einzelhandelsumsätze, Fahrzeugzulassung) fielen ebenfalls positiv aus und das dritte Quartal bewegt sich auf einen Anstieg von 1,5 Prozent zu.

Die FOMC-Entscheidung die Zinssätze nicht zu erhöhen, macht es wahrscheinlicher, dass die europäische Zentralbank (EZB) eine Erhöhung der Programme zur quantitativen Lockerung vor Ende des Jahres verkünden wird. Die Märkte scheinen das zu bestätigen, da sich die anfänglichen starken Kursgewinne des Euros nach der Fed-Entscheidung im Handelsgeschehen der nächsten 24 Stunden auflösten.

USD

Ökonomen rechneten mit einer 50/50 Chance, dass die FOMC die Zinsen anheben wird, obwohl nach Ansicht der Märkte lediglich eine 30-prozentige Aussicht auf eine Zinsanhebung bestand. Letztendlich entschied der Offenmarktauschuss sich dazu, die Zinsen bei 0,25 Prozent zu lassen, wobei lediglich ein Ausschussmitglied, Jeffrey Lacker, dafür stimmte, die Zinsen diesen Monat anzuheben. Das begleitende geldpolitische Statement war ebenfalls gemäßigt. Während die Fed einräumte, dass die Binnenwirtschaft gesund sei und sich gut entwickelt, führte sie auch an, dass weiterhin Risiken aus dem Ausland bestehen, die das Wachstum beeinflussen. Auslandsrisiken scheinen die Fed nun doch mehr zu beschäftigen, als wir erwartet hatten und scheint außerdem die Aktienmärkte genauer zu beobachten; etwas, das seit Jahren nicht passiert ist. Vorsitzende Janet Yellen wiederholte zudem die Notwendigkeit „einiger weiterer Verbesserungen“ auf dem Arbeitsmarkt und eines gestärkten Vertrauens darin, dass die Inflation ihr ursprüngliches Ziel wieder erreichen wird.

Entscheidend jedoch war das berüchtigte Streudiagramm der Fed, auf dem zu sehen ist, wann die Ausschussmitglieder Zinsanhebungen erwarten und das zeigt, dass dreizehn der siebzehn FOMC-Mitglieder immer noch eine Leitzinsanhebung für 2015 erwarten. Das bedeutet, dass eine Erhöhung der Zinsen in diesem Jahr noch möglich ist. Zusätzlich sehen wir durch die Tatsache, dass Janet Yellen betonte, dass die nächste Sitzung eine neue Entscheidung bringen kann und damit eine Zinserhöhung im nächsten Monat nicht ausschloss, eine 50/50 Chance, dass die US-Notenbank die Zinsen entweder im Oktober oder im Dezember anheben wird. Diese Prognose setzt voraus, dass es keine negativen Überraschungen wie den „Schwarzen Montag“ letzten Monat im Ausland oder an den Börsen zu verzeichnen gibt.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.