Janet Yellen deutet US-Zinsanhebung dieses Jahr an

Enrique Díaz-Álvarez25/Sep/2015Devisenmarkt

Die Vorsitzende der US-Notenbank, Janet Yellen, sorgte gestern für einen stärkeren US-Dollar, nachdem Sie sich positiv über eine Zinsanhebung in den USA 2015 äußerte. Die Haupt-Schlagzeilen jedoch lieferte die Norwegische Krone, die um über 2 Prozent fiel, nachdem die Norwegische Zentralbank, Norges Bank, ihren Zinssatz um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent senkte und andeutete, dass weitere Zinssenkungen auf der Tagesordnung stünden.

Ein Mitglied der Bank of England suggerierte, gegen eine Zinsanhebung stimmen zu werden, was eine Straffung der Geldpolitik im Vereinigten Königreich wahrscheinlich verzögern dürfte.

GBP

Den zurückhaltenden Kommentaren eines Mitglieds des Geldpolitischen Ausschusses und denen Janet Yellens folgte gestern eine Pfund-Abwertung von 0,3 Prozent gegenüber dem Dollar.

Hinsichtlich der Konjunkturdaten erreichten die Hypothekengenehmigungen im August das erste Hoch seit 18 Monaten mit einem Fünf-Jahres-Hoch des Netto-Finanzierungsüberschusses bevor die bisher niedrigen Zinssätze nächstes Jahr angehoben werden. Zustimmungen stiegen von 46.315 auf 46.473 – ein weiteres Indiz eines stärker werdenden Arbeitsmarktes.

Weitere Kommentare gab es gestern von dem Bank of England Mitglied Ben Broadbent. Broadbent deutete an, dass er im Gegensatz zu den meisten Mitgliedern des Geldpolitischen Ausschusses in den letzten Sitzungen nicht für eine Zinserhöhung im Vereinigten Königreich gestimmt hatte. Er bestätigte zwar, dass das Binnenwirtschaftswachstum ‚ziemlich stabil‘ sei, er jedoch nicht überrascht sei, dass die Finanzmärkte vor dem Hintergrund von Auslandsrisiken mit späteren Zinserhöhungen rechnen würden. Es sah so aus, als messe er dem UK-Arbeitsmarkt mehr Bedeutung für die Zentralbank zu, als dem Zeitpunkt einer Zinserhöhung in den USA. Diese Kommentare lassen anklingen, dass die Bank of England nicht unbedingt auf die Fed warten wird, bevor sie die Zinsen erhöht.

EUR

Die Gemeinschaftswährung kam nach den Statements von Mario Draghi, der andeutete, dass eine Erhöhung der quantitativen Lockerung nicht unmittelbar bevorstünde, gestern Morgen wieder in Schwung. Die Debatte um eine Zinserhöhung in den USA jedoch ließ den Euro um 0,2 Prozent gegenüber dem US-Dollar fallen.

Die letzte Runde der langfristigen Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) der europäischen Zentralbank (EZB) ließ eine erhöhte Forderung der Banken in der Eurozone nach zinsvergünstigten Darlehen erklingen. Die Banken boten 15,5 Mrd. € im August, eine Reduzierung im Vergleich zu den 73,8 Mrd. € aus dem Vormonat.

Das Vertrauen bei deutschen Verbrauchern ist aufgrund der Flüchtlingskrise und den Sorgen über die weltweite konjunkturelle Entwicklung eingedämpft. Der Verbrauchervertrauensindex der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK SE) sank von 9,9 letzten Monat auf 9,6 diesen Monat.

Im Gegensatz dazu stieg das Geschäftsklima und verbesserte sich monatlich in der größten Volkswirtschaft Europas. Gemäß des letzten Index des Institut für Wirtschaftsforschung Ifo stieg das Geschäftsklima von 108,4 auf 108,5 – dem höchsten Niveau seit Mai.

USD

Der US-Dollar erfuhr gestern Nacht nach den Kommentaren der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen einen leichten Aufschwung und ließ den US-Dollar-Index um 0,25 Prozent höher enden.

Alle Augen waren gestern Nacht auf Janet Yellen gerichtet, die bestätigte, dass eine Zinsanhebung in den USA dieses Jahr noch immer möglich sei. Die Fed-Vorsitzende behauptete, dass eine Zinserhöhung „zu einem späteren Zeitpunkt dieses Jahr“ angemessen sei. Yellens Vortrag in Massachusetts drehte sich hauptsächlich darum, dass die Konjunktur sich soweit erholt hätte, um den Inflationsdruck zurückzuerwarten. Die Straffung würde allmählich bis zur Normalisierung erfolgen.

Daten zeigten, dass der Verkauf von neuen Eigenheimen höher als erwartet ausfiel und im Vergleich zum letzten Monat um 5,7 Prozent auf 552.000 stieg. Die Zahlen für langlebige Güter verringerten sich zum ersten Mal seit drei Monaten im August um 2 Prozent und ließen weitere Zweifel an einer Zinserhöhung der US-Notenbank aufkommen. Der Auftragseingang ohne Transport blieb unverändert. Die Anträge auf Arbeitslosenhilfe deuteten weiterhin auf straffe Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt hin. Die Erstanträge lagen letzte Woche mit 267.000 unter der Prognose.

Der Rest der Welt

Die türkische Lira, der südafrikanische Rand, der mexikanische Peso und der brasilianische Real erreichten Tiefstände gegenüber dem US-Dollar. Die Erwartungen, dass die US-Notenbank die Zinssätze dieses Jahr doch noch anheben wird, hatten weitere Verkäufe vieler Schwellenländer-Währungen zur Folge.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.