Dollar steigt nach US-Notenbank-Kommentar

Daniela Hoffmann28/Sep/2015Devisenmarkt

Die Märkte fokussierten sich mangels gesamtwirtschaftlicher Daten auf die Stellungnahmen der größten Zentralbanken der Welt.

Die Vorsitzende der US-Notenbank (Fed), Janet Yellen, überraschte die Märkte letzte Woche mit ihrem Kommentar zum Bericht der Vorwoche. Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, sendete gemischte Botschaften. Er gab an, dass die derzeitigen Risiken die EZB beunruhigten und die EZB die Währungsentwicklung genau beobachten werden, jedoch wäre es zu früh, die quantitativen Lockerungsmaßnahmen zu erhöhen. Der Euro gab daraufhin alle seine Gewinne ab, die er vor der FOMC-Sitzung erzielt hatte und liegt im Moment unter dem Niveau, auf dem er vor der Sitzung lag. Das britische Pfund fiel aufgrund von zurückhaltenden Aussagen des Geldpolitischen Ausschusses (MPC) gegenüber allen G10-Währungen mit Ausnahme der norwegischen Krone.

GBP

In der letzten Woche gab es nicht viele makroökonomische Daten. Die Devisenmärkte fokussierten sich hauptsächlich auf die Kommentare der MPC-Mitglieder Broadbent und Cunliffe, die jedoch zurückhaltend und nicht sehr aufschlussreich waren.

Wir bleiben der Ansicht, dass es eine Zinsanhebung im Februar geben wird, warten jedoch das Ergebnis der Abstimmung im November ab. Wir gehen davon aus, dass es weitere Befürworter geben wird, die für eine sofortige Zinsanhebung sein werden. Sollte die Anzahl der Befürworter unverändert bleiben, werden wir unsere Prognose anpassen und die Erwartungen an eine Zinserhöhung verschieben. Dies wird ebenfalls Einfluss auf unsere Pfund-Prognosen gegenüber den G10-Währungen haben.

EUR

Die Frühindikatoren der Eurozone blieben im September nahezu unverändert.

Die wichtigsten Stimmungsindikatoren des Purchasing Managers Index (PMI) verzeichnete einen leichten Rückgang und bleibt auf einem Niveau, das historisch gesehen mit einem 2-prozentigen Wirtschaftswachstum einhergeht – obwohl der PMI das tatsächliche Wachstum in letzter Zeit überschätzt hatte. Der Volkswagen Abgas-Skandal stellt eine Gefahr für die deutsche Wirtschaft dar: Die Autoindustrie bildet fast ein Fünftel des deutschen Exports, sodass jegliche Einbußen von Marktanteilen sich in der deutschen Wirtschaft bemerkbar machen.

Auf politischer Ebene eröffneten die katalanischen Regionalwahlen die Herbstsaison mit politischen Risiken für die Gemeinschaftswährung. Katalanische Separatisten erhielten keine 50 Prozent der Stimmen, werden jedoch dank eines Ungleichgewichtes im Wahlsystem die absolute Mehrheit im regionalen Parlament einnehmen. Für die Separatisten reicht das Ergebnis aus, um eine Unabhängigkeitserklärung zu erlassen.

Wir denken, dass die politischen Risiken die ökonomischen Risiken in der Eurozone in nächster Zukunft übersteigen werden.

USD

Die Berichte aus den USA letzte Woche waren im Wesentlichen positiv.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wurde im zweiten Quartal erneut auf 3,9 Prozent nach oben revidiert. Die Wohnungsmarktindikatoren blieben stabil und die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen bewegten sich weiterhin auf dem tiefsten Stand seit Jahrzenten. Die Anzahl an Dollar-positiven Nachrichten wurden durch die Rede der Fed-Vorsitzenden Yellen am 24. September noch weiter unterstützt. Sie erklärte ausdrücklich, dass die Mehrheit der Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) eine Zinsanhebung noch vor Ende des Jahres während der Oktober- oder Dezember-Sitzung erwarten.

Wir glauben weiterhin an eine Zinserhöhung im Oktober oder Dezember und gehen von einer 50-50 Chance für jede Sitzung und damit einer Stärkung des Dollars gegenüber den größten G10-Währungen aus.

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Verfasst von Daniela Hoffmann

German Marketing Executive bei Ebury. Magister Artium in Amerikanistik, Germanistik und Rechtswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.