Schwacher US-Arbeitsmarktbericht schließt Fed-Zinsanhebung im Oktober aus

Daniela Hoffmann05/Oct/2015Devisenmarkt

Investoren richteten ihre Aufmerksamkeit letzte Woche auf den kritischen Arbeitsmarktbericht für September aus den USA und die daraus folgenden Konsequenzen für die US-Notenbank und eine Zinsanhebung. Der Bericht war enttäuschend, da neu geschaffenen Stellen im letzten Monaten von den 200.000 -250.000, an die wir uns gewöhnt hatten, auf ein Niveau von unter 200.000 in den letzten vier Monaten gesunken ist. Die Devisenmärkte reagierten ungewöhnlich auf diese Enttäuschung. Nach einem anfänglichen Dollarausverkauf, erholte sich der Dollar jedoch von anfänglichen Verlusten und stieg gegenüber den wichtigsten europäischen Währungen und konnte auf Wochensicht sogar einen Gewinn verzeichnen.

Wir glauben, dass der schwache Arbeitsmarktbericht eine Erhöhung der Zinsen um Oktober ausschließt. Allerdings werden noch zwei weitere Arbeitsmarktberichte vor der Dezember-Entscheidung veröffentlicht und wir erwarten in beiden Berichten eine Rückkehr des Arbeitsmarktes zu einem Niveau von über 200.000, das dem Offenmarktausschuss (FOMC) genügen wird, um die für 2016 prognostizierte Zinserhöhung noch vor Ende dieses Jahres auszuführen.

GBP

Es gab letzte Woche stabile Zahlen aus dem Dienstleistungssektor im Vereinigten Königreich. Der Dienstleistungssektor wuchs um mehr als 3 Prozent in den drei Monaten bis Juli. Dieser Optimismus wurde zum Teil durch den Rückgang des Einkaufsmanagerindexes im August beeinträchtigt, führt jedoch weiterhin zu einem erwarteten Wachstum im dritten Quartal von 2,5 – 3 Prozent. Diese stabile Leistung, eine rasche Entspannung des Arbeitsmarktes und stabil wachsende Löhne sollten ausreichen, um eine erste Zinsanhebung der Bank of England im Februar 2016 zu rechtfertigen. Das muss jedoch auch in der Sitzung der Bank of England nächste Woche durch weitere Stimmen für eine unmittelbare Erhöhung bestätigt werden.

EUR

Die wichtigsten Eurozonen-Daten der letzten Woche unterstützten diejenigen, die eine Erweiterung der Programme zur quantitativen Lockerung der europäischen Zentralbank (EZB) erwarten. Die Inflation bewegte sich aufgrund von niedrigeren Energiepreisen wieder im negativen Bereich. Der gesamte konjunkturdämpfende Druck kann jedoch nicht nur niedrigen Rohstoffpreisen zugeschrieben werden – die Kerninflation bewegt sich ebenfalls unter 1 Prozent. Arbeitslosigkeit bleibt weiterhin auf einem hohen Niveau von 11 Prozent und der Aufschwung verlangsamte sich auf knappe 0,5 Prozent im Monat. Die Kombination aus Wirtschaftsflaute und einem sehr schwachen US-Arbeitsmarktbericht ließ den Euro etwas schwächer gegenüber dem US-Dollar enden.

USD

Der Arbeitsmarktbericht für September war eine erhebliche Enttäuschung. Die neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft sanken auf 142.000 und Prognosen der vorangegangen zwei Monate mussten nach unten revidiert werden. Die Arbeitslosigkeit blieb unverändert bei 5,1 Prozent, fiel kurzzeitig jedoch von 5,11 Prozent auf 5,05 Prozent. Das Lohnwachstum verlangsamte sich ebenfalls deutlich und blieb mit einem 2,2-prozentigen Wachstum aufs Jahr gesehen fast unverändert. Auch die Erwerbsbeteiligung erreichte einen neuen Tiefpunkt.

Der Bericht stellte einen Rückschlag für den Offenmarktausschuss dar und schließt die Möglichkeit einer Zinsanhebung im Oktober aus. Wir bleiben jedoch der Meinung, dass der Zinssatz in der Dezember-Sitzung angehoben wird. Ausschlaggebend dafür sind jedoch die nächsten beiden Arbeitsmarktberichte, die noch vor dieser Sitzung veröffentlicht werden. Wir glauben, dass der Rückgang der Arbeitsplatzbeschaffung nicht mit den anderen positiven Indikatoren aus der US-Wirtschaft einhergeht und erwarten eine Erholung der Daten auf das Niveau der letzten 12 Monate von 200.000 – 250.000. Unsere Prognose über eine weitere Aufwertung des US Dollars hat weiter Bestand.

Print

Verfasst von Daniela Hoffmann

German Marketing Executive bei Ebury. Magister Artium in Amerikanistik, Germanistik und Rechtswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.