Verspätete Zinsanhebung der US-Notenbank setzt Dollar unter Druck

Enrique Díaz-Álvarez12/Oct/2015Devisenmarkt

Unternehmen weltweit versuchen in der anhaltenden Dollar-Schwäche potentielle Chancen und Risiken zu erkennen. Die Ungewissheit darüber, ob die US-Notenbank (Fed) die Zinsen im Dezember erhöhen wird oder nicht, lässt viele USD-Käufer den Wechselkurs zu den aktuellen Kursen festlegen, um sich gegen diese Unsicherheit abzusichern. Sollte die Fed jedoch weiterhin unklare Botschaften über ihre Pläne äußern, könnten wir eine weitere Abschwächung des US-Dollars erleben.

Dass die Gemeinschaftswährung in Europa sich seit Juli erheblich stärken konnte, überrascht die Geschäftswelt, da die veröffentlichten Daten der Eurozone weiterhin schwach ausfallen. Alle Prognosen, interne und externe, deuten darauf hin, dass wir dieses Jahr einen weiteren Rückgang des Euros erleben werden.

Unsere Prognosen für einige der am meisten überverkauften Schwellenländer-Währungen, besonders in Bezug auf ZAR und IDR, sehen vielversprechend aus. Letzte Woche erlebten wir einen Anstieg aller Schwellenländer-Währungen; angefangen von 2 Prozent (ZAR) bis zu 7 Prozent (IDR). Diese Währungen waren überverkauft und boten eine einzigartige Gelegenheit, sich zu extrem niedrigen Preisen gegen Währungsschwankungen abzusichern.

Die wichtigsten Währungen im Detail

GBP

Die Nachrichten aus dem Vereinigten Königreich letzte Woche unterstützen keine Zinserhöhung durch die Bank of England im Februar.

Zum einen fiel der Einkaufsmanagerindex (EMI) um 2 Punkte auf 53,3 und deutete so auf eine vorsichtigere Investitionspolitik hin. Zum anderen sprach sich der geldpolitische Ausschuss (MPC) mit 8-1 Stimmen wieder einmal gegen eine Zinsanhebung aus. Der MPC nahm zudem die globalen und inländischen Wachstumsrisiken zur Kenntnis, sah sich dadurch jedoch nicht übermäßig besorgt.

Die Bank of England wird in den nächsten drei Monaten wahrscheinlich nicht von ihrer einstimmigen Meinung über gleichbleibende Zinsen abweichen. Wir revidieren daher unsere Erwartungen für eine Zinsanhebung auf das zweite Quartal 2016.

EUR

Die Frage, ob die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Maßnahmen zur quantitativen Lockerung als Antwort auf den weltweiten Konjunkturabschwung ausbauen wird, bleibt weiterhin das Hauptthema in der Eurozone.

Die Protokolle der September-Sitzung waren in dieser Hinsicht nicht sehr aufschlussreich. Es gab keine eindeutige Diskussion über eine Erhöhung der Lockerungsmaßnahmen, jedoch wurden die Wachstums- und Inflationsprognosen erheblich abgewertet und zwar beide um 0,2 Prozent auf Jahresbasis. Diese offensichtlich widersprüchliche Haltung ist beunruhigend, da es auf ein institutionelles Durcheinander hindeutet. Wir hoffen, dass die EZB in ihrem nächsten Meeting nicht nur ihre Phrase zu einer „Strukturreform“ wiederholen wird.

Laut der Länderberichte fielen die Industrieproduktionszahlen im August erneut. Die deutsche Produktion wurde durch die schwache Wachstumsdynamik der Schwellenländer besonders betroffen, da der Auftragseingang aus Ländern außerhalb der Eurozone im August nach einem starken Fall im Juli erneut zurückging, noch bevor die Auswirkungen des Volkswagen-Skandals bemerkbar waren.

Wir bleiben der Auffassung, dass sie EZB den Gegebenheiten ins Auge sehen muss und noch vor Ende dieses Jahres weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen ankündigen wird. Nach dem Anstieg des Euros letzte Woche ist das derzeitige Niveau sehr interessant für Kurssicherungen.

USD

Letzte Woche erlebten wir seit Monaten den größten Abschwung des US-Dollars. Der Dollar wurde gegenüber jeder anderen Hauptwährung abgewertet und fiel handelsgewichtet um 1,2 Prozent. Ansonsten gab es letzte Woche kaum maktoökonomische Nachrichten aus den USA.

Die Nachrichten, die wir erhielten, widersprachen jedoch der schwachen Meldung des September-Arbeitsmarktberichtes. Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Stellenangebote und Konjunkturumfragen blieben weiterhin auf einem starken Niveau. Wir sehen das als Bestätigung dafür, dass der schwache Arbeitsmarktbericht einen einmaligen Rückgang und keinen Trend darstellt.

Der August-Handelsbericht fiel schwach aus; das Handelsdefizit weitete sich von 41 Milliarden USD im Juli auf 48 Milliarden USD im August aus. Wir legen unsere Aufmerksamkeit nun auf den Bericht der Einzelhandelsumsätze, der den offenbar rückläufigen Trend bei der Schaffung von Arbeitsplätzen entweder bestätigen oder wiederlegen wird.

Alle größeren Wirtschaftsnachrichten nehmen derzeit eine wichtige Stellung ein, da die

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.