Euro könnte nach EZB-Entscheidung schwächer tendieren

Enrique Díaz-Álvarez19/Oct/2015Devisenmarkt

Der Euro geriet in der letzten Woche unter Druck, nachdem ein Mitglied der EZB eine Ausweitung der quantitativen Lockerung zur Stimulation des Wirtschaftswachstums in der Eurozone vorschlug. Wir gehen davon aus, dass eine Ausweitung den Euro erneut auf die bisherigen Tiefstände aus dem Sommer dieses Jahres drücken sollte. Eine willkommene Nachricht für exportlastige Unternehmen und erneute Sorgen für Euro-Verkäufer.

Bis Donnerstag profitierte der Euro und erreichte das höchste Niveau seit der starken Marktbewegungen aus August. Am Donnerstagmorgen überraschte dann EZB-Mitglied Ewald Nowotny mit seinem Kommentar, dass sowohl die Kern, als auch die tatsächliche Inflation (offensichtlich) unter dem Ziel der EZB zurückblieb und daher weitere geldpolitische Stimuli notwendig seien.

Der Euro fiel daraufhin von den bisherigen Höchstkursen und geriet am Nachmittag aufgrund positiver Nachrichten aus den USA weiter unter Druck.

Zum Wochenausgang beendeten die meisten G10 Währungen den Handel, wo sie begonnen hatten. Große Ausnahmen waren der Australische und der Neuseeland Dollar, die beide ein recht ungewöhnliches Verhalten zeigten und in entgegengesetzte Richtungen liefen (Kiwi hoch, Aussie runter). Grund dafür war die Liquidation von Long-Positionen im Australischen Dollar in einem recht illiquiden Umfeld.

Angst vor einer sich abkühlenden US-Konjunktur gepaart mit enttäuschenden Einzelhandelsumsätzen sorgten für einen schwachen US Dollar zum Wochenanfang. Händler hinterfragen vermehrt, ob die schwachen Daten zu einer Änderung der geplanten Zinserhöhung der Fed führen.

Aufgrund der geringen Arbeitslosenzahlen gehen viele Analysten von einem starken Arbeitsmarktbericht im nächsten Monat aus. Durch die zunehmende Unsicherheit über den genauen Zeitpunkt einer Zinserhöhung gewinnen diese Datenveröffentlichungen zunehmend an Bedeutung.

Die wichtigsten Währungen im Detail

GBP

Die Datenveröffentlichungen aus Großbritannien in der letzten Woche sorgten für Futter für die eher gemäßigten Mitglieder der Bank of England.

Inflation und Lohnzuwachs fielen beide schlechter als erwartet aus. Die Kerninflation stieg gerade mal um 1 Prozent auf Jahresbasis und wöchentliche Einkommen ohne Bonuszahlungen um 2.8% und damit geringer als im Vormonat mit 2.9%. Diese Daten sorgen dafür, dass eine Zinserhöhung im ersten Quartal 2016 nahezu ausgeschlossen werden kann.

Unserer Einschätzung nach ist die aktuelle Erwartung am Markt extrem moderat. Wir erwarten, dass die Gehaltserhöhungen sich an einen strafferen Arbeitsmarkt anpassen werden und somit die Zuwächse über die nächsten Monate eher im Bereich von 3.5% liegen werden. Dies würde eine Zinserhöhung im zweiten Quartal rechtfertigen und für Unterstützung in Sterling gegenüber dem Euro sorgen.

EUR

Alle Augen sind auf die Sitzung der EZB am kommenden Donnerstag gerichtet

Nach der enttäuschenden Industrieproduktion in der letzten Woche (-0.5% im August) und mit einer Inflationsrate von 0% im September erwarten wir von der EZB eine Bestätigung der Risiken für das Wirtschaftswachstum der Eurozone.

Allerdings erwarten wir keine Ausweitung der Maßnahmen zur quantitativen Lockerung der Geldpolitik, die institutionelle Trägheit der EZB reagiert mit extremer Verzögerung, aber zumindest eine klare Stellungnahme von Präsident Draghi, sowie die Ankündigung weiterer Maßnahmen, sollte die aktuelle Schwäche anhalten. Dies sollte für weiteren Druck auf den Euro über die kommenden Wochen sorgen.

USD

Letzte Woche zeigte weitere uneinheitliche bis negative US Wirtschaftsdaten.

Die Einzelhandelsumsätze im September fielen überraschend schwach aus, selbst wenn die Effekte geringerer Ölpreise berücksichtigt werden. Die Kernrate fiel um 0,1% auf Jahresbasis, allerdings ist der Dreimonatsdurchschnitt weiterhin über 2%.

Allerdings gab es positive Nachrichten von den jüngsten Inflationszahlen, die aufgrund von Mieterhöhungen um 0.2% für den Monat anstieg und damit nun nahe des Ziels der Fed von 1,9% auf Jahresbasis liegt.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung fielen auf einen neuen Tiefstand und deuten auf einen starken Arbeitsmarktbericht in der ersten Novemberwoche hin. Ein entscheidender Faktor für eine Zinserhöhung im Dezember, wie von uns erwartet, oder eine Verschiebung auf 2016.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.