Euro fällt, nachdem EZB Präsident Draghi weitere QE Maßnahmen im Dezember ankündigt

Enrique Díaz-Álvarez26/Oct/2015Devisenmarkt

Wie wir bereits seit einiger Zeit vermutet hatten, hat die EZB am Donnerstag eine Ausweitung des Programms zur quantitativen Lockerung angedeutet. Der Euro fiel in Reaktion auf die Nachricht bis in den späten Handelsschluss in New York.

Der Euro fiel auf den tiefsten Stand seit dem Sommer und liegt nun mehr im Einklang mit unseren eigenen Vorhersagen und dem von Bloomberg.

Unter der Annahme, dass sowohl der Umfang, als auch der Zeitraum des QE-Programms im Dezember bekanntgegeben werden, erwarten die meisten Marktteilnehmer weiteren Druck auf den Euro.

Die Verluste in der Gemeinschaftswährung sorgten dafür, dass alle anderen europäischen Währungen die Woche zwischen 2.5% und 3.5% tiefer beendeten. Das Britische Pfund konnte sich etwas besser behaupten und verlor lediglich 1% gegenüber dem US Dollar. Im Vergleich zum Euro konnte das Paar sogar einen Teil der Verluste wieder aufholen.

Sowohl Sterling, als auch USD hatten eine recht starke Woche in Bezug auf veröffentlichte Daten und speziell für den USD sollte dies ausreichen, um den benötigten Impuls für die Mitglieder des FOMC zu liefern, um die Leitzinsen kurzfristig anzuheben. Ein solcher Schritt würde zur Stärke des US Dollars gegenüber sämtlichen anderen Währungen führen.

Die Ankündigung der EZB in der letzten Woche verdeutlicht die Unterschiede in der Geldpolitik jenseits des Atlantiks und wir erwarten eine Fortführung des Abwärtstrends im Euro gegenüber den meisten großen Währungen.

Die wichtigsten Währungen im Detail:

GBP

In der letzten Woche überraschten die Einzelhandelsumsätze im September, mit einem Anstieg in Höhe von 1.9%. Das annualisierte Wachstum sollte nun im Bereich von 6-7% liegen. Rückgängige Arbeitslosenzahlen und ein gesundes Lohnwachstum sorgen für mehr Verbrauchervertrauen und -ausgaben.

Einzelhandelsumsätze sind recht volatil und anfällig für Revisionen, allerdings unterstützen die Zahlen unsere Einschätzung eines gesunden Wirtschaftswachstums von 2-3% und entgegen der aktuellen Marktmeinung einen ersten Zinsschritt der Bank of England im zweiten Quartal in 2016.

EUR

Wir haben seit einiger Zeit über den dringenden Handlungsbedarf der Währungshüter der Eurozone gesprochen.

Die Inflation ist weiterhin negativ und verfehlt seit Anfang 2013 das Ziel der EZB von „knapp 2 Prozent“. Selbst die eignen Prognosen der EZB, die in der Vergangenheit recht optimistisch waren, sprechen nun davon, dass die Inflationsrate nicht früher als 2018 auf Zielkurs zurückkehrt.

Am Donnerstag adressierte die EZB endgültig die Inflationsproblematik und andere Risiken und verwies auf die Sitzung im Dezember, auf der eine Ausweitung des seit März 2015 bestehenden QE-Programms, sowie eine eventuelle Senkung des Zinssatzes anstehen könnte.

Es ist beachtenswert, dass die Ankündigung in einer Woche kam, in der die wirtschaftlichen Daten moderat positiv ausfielen. Der wichtigste Indikator für das Unternehmensvertrauen, der Einkaufsmanagerindex stieg leicht im Oktober. Ein Zeichen, dass die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China bisher noch keinen Einfluss auf die Eurozone hatte.

Die Kreditvergabe der Banken verbessert sich langsam, da das QE-Programm nun erste positive Auswirkungen auf die Realwirtschaft hat. Dennoch ist es schwer zu sehen, dass der Euro nachhaltig gegenüber anderen wichtigen Währungen zulegt, da die EZB weitere geldpolitische Impulse in die Märkte pumpen wird.

USD

Wir sahen sehr starke Daten aus dem US-Immobilienmarkt in der vergangenen Woche. Sowohl  Baubeginne, als auch der Frühindikator der gewährten neuen Baugenehmigungen scheinen im dritten Quartal 2015 sehr stark gestiegen zu sein.

Das Bild für das BIP-Wachstum im dritten Quartal in den USA beginnt sich auch zu klären. Die Binnennachfrage wächst über 3% auf annualisierter Basis, wird allerdings von einem währungsbedingt negativ beeinflussten Handel und einem gewissen Maß an Bestandskorrektur nach unten gezogen. Insgesamt erwarten wir, dass die Zahl sich nahe des Trends von 2% stabilisiert.

Diese moderat positive Performance, kombiniert mit einer von uns erwarteten Rückkehr der neu geschaffenen Arbeitsplätze auf 200.000 pro Monat sollte ausreichen, um eine Mehrheit der FOMC-Mitglieder für eine Anhebung der Leitzinsen im Dezember zu erreichen.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.