Finanzmärkte erwarten Anhebung der US-Leitzinsen im Dezember

Enrique Díaz-Álvarez03/Nov/2015Devisenmarkt

Der Eintritt einer US-Zinserhöhung  im kommenden Dezember ist nach dem letzten FED-Statement wahrscheinlicher denn je. Während die Raten im Offenmarktausschuss (FOMC-Meeting) im Oktober noch unberührt blieben, wurde eine Erhöhung der Zinsen im Dezember wie erwartet von den Arbeitsmarktdaten abhängig gemacht. Laut Bloomberg’s Wahrscheinlichkeitsmodell der Zinssätze tritt die Erhöhung der Zinsen mit dem kommenden Offenmarktausschuss mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50% ein.

Die Währungsmärkte reagierten und werteten den US-Dollar im Vergleich zu den großen Währungspaaren auf. Allerdings war dieser Aufschwung nicht von Dauer und zum Ende der Woche notierte der US Dollar gegenüber dem Euro unverändert. Es ist darüber hinaus festzustellen, dass viele USD-Käufer mit Blick auf die mögliche USD-Stärkung dazu tendierten, wenigstens einen Teil Ihres Exposures abzusichern.

Das britische Pfund wurde signifikant gestärkt und übertraf den US-Dollar und die anderen großen Währungen mit Ausnahme des kanadischen Dollars. Der Euro liegt nun wieder näher an den aktuellen Vorhersagen, so dass alle Augen nun auf das Meeting der Bank of England am kommenden Donnerstag gerichtet sind. Hier wird sich entscheiden, ob abgesehen von Ian McCafferty weitere Mitglieder für eine Anhebung der Zinsen stimmen werden.

Der Euro wurde weiter unter Druck gesetzt, als bekannt wurde, dass eine Ausweitung der geldpolitischen Lockerungen notwendig sein könnte, um das Wachstum in der Eurozone zu forcieren. Der neue QE-Umfang könnten Anfang Dezember bekannt gegeben werden. EUR-Verkäufer werden bereits vor der Bekanntgabe neuer Stimulus aktiv.

Die wichtigsten Währungen im Überblick:

GBP

Die Stärke des britischen Pfund kam aufgrund der Abwesenheit von starken UK-Marktdaten in der vergangenen Woche eher überraschend.

Das BIP des dritten Quartals fiel geringer aus als erwartet und betrug auf Jahresbasis lediglich 2% im Vergleich zu den erwarteten 2,5%. Das Baugewerbe verzeichnete einen starken Rückgang, das Produktionsgewerbe entwickelte sich leicht negativ und der Service-Output stieg leicht an, wenn auch geringer als es erwartet war.

Alle Augen sind nun wieder auf das Meeting der Bank of England am kommenden Donnerstag gerichtet, in dem der neueste Inflationsbericht veröffentlicht wird. Wie nah die Bank of England an einer Erhöhung der Zinsen steht, wird im Wesentlichen davon abhängen, ob oder wie viele Stimmen zusätzlich zu der von Ian McCafferty sich für eine Zinserhöhung aussprechen.

Ebenfalls wird der Ton des Inflationsberichts und die Frage, inwiefern globale Risiken im Vergleich zum Bericht im August berücksichtigt und erwähnt werden, sehr wichtig sein. Egal wie hoch die Inflationsrate sein wird, gehen wir davon aus, dass nach dem Donnerstag-Meeting der Zeitplan der Bank of England für die Erhöhung der Zinsen besser einschätzbar wird.

EUR

Während die Wirtschaft der Eurozone weiterhin mittelfristig mit Unsicherheit zu kämpfen hat, haben sich diese in den Wirtschaftsdaten noch nicht gezeigt.

Der IFO- und der EC-Stimmungs-Index verzeichneten jeweils einen soliden Anstieg. Aus dem Bericht zu Einzelhandelsumsätzen geht ein leichter Anstieg der Verbraucherausgaben auf ca. 3% im 3. Quartal und eine erhöhte Kern-Inflation um 1% hervor, die allerdings immer noch weit von den Zielen der EZB entfernt sind.

Diese Zahlen spiegeln zwar die abgeschwächte Entwicklung an den Emerging Markets und die Volkswagen-Krise noch nicht wieder, sie malen aber ein ermutigendes Bild der europäischen Wirtschaft im Oktober.

Die Währungshändler stimmten dem zu, so dass der Euro die Woche trotz des letzten FED-Meetings wieder auf Höhe mit dem US-Dollar abschloss.

USD

Die Federal Reserve überraschte die Märkte mit Ihrem letzten Statement.

Die FED erwähnte explizit die Möglichkeit einer Zinsanhebung im Dezember. Es wird die Frage sein, ob die Anpassung mit Rücksicht auf die jeweils erwarteten und realisierte Ziele der Vollbeschäftigung und der Inflation von 2% durchführbar ist.

Weiterhin wurde der Hinweis, dass die Volatilität an den Finanzmärkten einen negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben könnte, komplett weggelassen. Ein Zeichen, dass die Fed weniger besorgt um die internationalen Finanzmärkte ist.

Die Fed scheint die schwachen BIP Zahlen zu vernachlässigen. Die Inlandsnachfrage, die um 3% auf Jahresbasis wächst, wurde durch eine temporäre Berichtigung der Lagerbestände auf 1.5% nach unten korrigiert.

Die Zinsmärkte preisen mittlerweile eine 50%ige Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung im Dezember ein, ein Anstieg von 30% vor dem Meeting. Der Unterschied zwischen der Geldpolitik in Europa und den USA sollte mittelfristig weiteren Druck auf den Euro bedeuten.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.