Der US Arbeitsmarktbericht zeigt eine auseinanderstrebende Geldpolitik und lässt den Dollar rapide ansteigen

Enrique Díaz-Álvarez09/Nov/2015Devisenmarkt

Das Hauptereignis der vergangenen Woche war die Veröffentlichung des US Arbeitsmarktberichtes, welcher am Freitag ein Feuerwerk an den Währungsmärkten auslöste. Der sehr starke Report, der die Erwartungen erheblich übertroffen hat, erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung seitens der Federal Reserve im kommenden FOMC Meeting im Dezember. Dies entspricht auch unseren Erwartungen.

Nicht überraschend stieg der US Dollar am Freitag gegenüber sämtlichen Hauptwährungen mit Ausnahme des Brasilianischen Reals, der über die vergangene Woche hinweg mehr als 2% gegenüber dem US Dollar gewann. Es scheint, als ob man erste Abwicklungen nach den exzessiven Abverkäufen, die über die vergangenen Wochen stattgefunden haben, gesehen hat. Sollte die amerikanische Notenbank die Zinsen im Dezember erhöhen, ist es sehr wahrscheinlich, dass der US Dollar weiter an Wert gegenüber die globalen Hauptwährungen gewinnen wird.

Die Divergenz zur Geldmarktpolitik über dem Atlantik stand in einem starken Kontrast, insbesondere weil der US Arbeitsmarktbericht nach einem als überraschend stabilen einzustufenden Bank of England Statement, als auch nach enttäuschenden deutschen Industriedaten publiziert wurde.
Angesichts dieser Berichte und der Nachrichten aus den USA, könnte sich der britische Pfund mittelfristig schwächer als erwartet entwickeln.

Die wichtigsten Währungen im Überblick:

GBP

Das Meeting des währungspolitischen Ausschusses der Bank von England im November war überraschend.

Nach der unveränderten 8-1 Abstimmung sollen die Zinssätze unverändert bleiben, allerdings waren die begleitende Erklärung und die Projektionen dazu sehr zurückhaltend. Die Bank of England erwartet nun, dass die Inflation bis zum zweiten Halbjahr 2016 unter 1% bleibt und sieht weiterhin Abwärtsrisken für diesen Ausblick.

Weiterhin wurde das schwache, globale Wirtschaftsumfeld nicht weniger als vier Mal in der Erklärung genannt.
Die Stärke des Sterlings istein weiterer, die Inflation eindämmender Faktor. Dies ist signifikant, da globale Entwicklungen nun ein Schlüsselfaktor hinsichtlich des Zeitpunkts einer UK Zinserhöhung sein werden. Bisher hat sich der Geldpolitische Ausschuss hauptsächlich auf die inländische Nachfrage und den britischen Arbeitsmarkt fokussiert.
Es war keine Überraschung, dass das Pfund Sterling signifikant an Wert gegenüber sowohl dem Euro, als auch dem US Dollar nach der Ankündigung verlor. Nachdem der starke US Arbeitsmarktbericht am Freitag veröffentlicht wurde, verlor Sterling insbesondere gegenüber dem US Dollar weiter an Wert.
Wir verschieben unsere Erwartungen über eine Zinserhöhung der Bank of England in das dritte Quartal 2016 und adjustieren unsere Prognose über das Pfund Sterling moderat niedriger.

EUR

Jegliche Zweifel über die Ankündigung einer Erweiterung des monetären Stimulus der EZB in ihrem Dezember Meeting wurden nach der extrem schwachen Industrieproduktion von vergangener Woche beseitigt.
Die deutschen Zahlen im September fielendeutlich unter den Erwartungen aus. Sowohl die Industrieproduktion, als auch die Aufträge fielen um respektive 1,3% und 1,7%. Dies ist insbesondere besorgniserregend, da die Daten im September noch keine potentiell negativen Einflüsse aus dem Volkswagenskandal beinhalten.
Erneut eröffnet sich eine Lücke zwischen dem Geschäfts-PMI Umfragen, welche sich weiterhin konsistent auf Levels von 2% Wachstum bewegen, und den eher trostlosen realen Produktionsdaten.
Wir denken nicht, dass die EZB darauf warten wird bis sich dieser Zwiespalt von Selbst löst. Daher erwarten wir eine nennenswerte Erhöhung und Verlängerung der monatlichen Käufe von Staatsanleihen im kommenden Dezember Meeting. Dies sollte den Druck auf den Euro weiter aufrecht halten.

USD

Am Freitag wurde der sehr starke US Arbeitsmarktbericht veröffentlicht.

Die US Wirtschaft hat im Oktober 271.000 neue Arbeitsplätze generiert und somit weit über den durchschnittlichen Erwartungen von 180.000. Dadurch sank die Arbeitslosigkeit auf 5.0%, annähernd an die Definition der Fed einer Vollbeschäftigung.

Die Gehaltszahlen sollten Janet Yellen, Vorsitzende der Federal Reserve besonders entgegen kommen: Der Stundensatz stieg im vergangenen Monat um 0,4%, sodass der Anstieg annualisiert erneut bei 2,5% liegt.

Der amerikanische Arbeitsmarkt liefert aktuell beides, sowohl kontinuierlich neue Arbeitsplätze, als auch einen moderaten Wachstum der Reallöhne.
Wie wir bereits schon mehrmals erwartet haben, ist die US Wirtschaft nicht mehr in einem bedrohten Zustand. Daher sind notgedrungende geldpolitische Maẞnahmen auch nicht länger zugesichert und benötigt.

Durch die Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichtes am vergangenen Freitag steigen die Markterwartungen einer Zinserhöhung im Dezember von 30% auf 70%. Wir denken, dass die Wahrscheinlichkeit noch höher sein sollte und vorausgesetzt, dass wir keine globale Finanzkrise erleben, sind wir uns sicher, dass die Federal Reserve die Zinsen im Dezember anheben wird.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.