Pfund Sterling positiv gegenüber Emerging Markets Währungen während Rohstoffpreise neue Tiefststände erreichten

Enrique Díaz-Álvarez16/Nov/2015Devisenmarkt

Die Hintergründe dazu waren starke Arbeitsmarktdaten, welche ein gemischtes Bild vom UK Arbeitsmarkt darstellen und weitere Fragen über den Zeitpunkt einer Zinserhöhung der Bank of England aufwerfen.

Da es in der letzten Woche keine signifikanten geldpolitischen und wirtschaftlichen Datenveröffentlichungen gab, haben sich die G10 Währungsmärkte eher ruhig verhalten. Trotzdem gab es einige weinige Marktentwicklungen, die UK- und europäische Unternehmen nicht außer Acht lassen sollten.

Der Euro fiel auf ein Siebenmonatstief gegenüber dem US Dollar, da weitere schwache Wirtschaftsdaten die Erwartungen von zusätzlichen monetären Stimulus seitens der Europäischen Zentralbank im kommenden Monat verstärkt haben. Dies sollte unserer Ansicht nach den Druck auf die Währung langfristig aufrecht halten.

Schwache chinesische Daten und ein genereller risiko-averser Trend führten weltweit zu Abstürzen in Aktien- und Rohstoffmärkten, während einige Emerging Markets Währungen ihre Verlustserie fortsetzten. Dies pushte den US Dollar zu mehrjährigen handelsgewichteten Höchstständen.

Die wichtigsten Währungen im Überblick:

GBP

Das Hauptaugenmerk der letzten Woche lag auf der Veröffentlichung des UK Arbeitsmarktberichtes. Die Daten waren zwar nicht eindeutig, allerdings fokussierten sich die Währungsmärkte auf die positiven Komponenten und das britische Pfund notierte stärker.

Die Arbeitslosenquote fiel erneut, auf 5,2%, während im September eine solide Anzahl neuer Arbeitsplätze geschaffen wurde. Dennoch sank das annualisierte Gehaltswachstum von 3,2% auf 2,8%. Dies ist zwar weiterhin deutlich über der Kerninflationsrate, jedoch stellt die Verminderung des Gehaltswachstums, gekoppelt mit fehlendem Druck auf den Importpreis aufgrund des starken Pfund Sterlings, bestenfalls einen dezenten Inflationsdruck dar.

Die Bank of England könnte diese Daten nutzen, um die Zinserhöhung hinauszuzögern. Volatile, globale Finanzmärkte stellen eine neue Sorgenquelle für die Bank of England dar, sodass wir vor dem Sommer 2016 keine Zinserhöhung erwarten. Die Zinsmärkte preisen aktuell sogar eine weitaus spätere Zinserhöhung ein.

EUR

Der kontinuierliche Strom von enttäuschenden Wirtschaftsdaten aus der Eurozone vergangene Woche besiegelt unserer Ansicht nach eine Ankündigung noch expansiverer Geldpolitik seitens der EZB im Dezember.

Das BIP der Eurozone stieg im dritten Quartal annualisiert um lediglich 1,2% und somit unter der bereits sehr moderaten Erwartung von 1,6%. Schwächen in der deutschen Produktion, die noch nicht von den Nachwirkungen des Volkswagenskandals betroffen ist, bietet keine guten Voraussetzungen für das letzte Quartal des Jahres.

Zudem bildet die Koalition aus linksliberalen Parteien in Portugal eine Front, welche sich von der europäischen Sparpolitik distanzieren will.

Wir sehen keinen Ausweg für die Eurozone mit Ausnahme der kontinuierlichen Abwertung ihrer Währung, und korrigieren unsere Erwartungen für den Euro weiter nach unten. Im Frühjahr 2016 erwarten wir nun eine Parität zum US Dollar.

USD

Der US Dollar Index erreichte zu Beginn der letzten Woche seine stärkste Position seit April, während Investoren trotz der gemischten Wirtschaftsdaten weiterhin von einer Zinserhöhung seitens der Federal Reserve im kommenden Dezember ausgehen.

Die US Einzelhandelsumsätze im Oktober waren schwächer als erwartet und stiegen lediglich um 0,1% gegenüber dem Vormonat und um 0,2% wenn Fahrzeug- und Treibstoffkomponente herausgerechnet werden. Diesen leicht enttäuschenden Daten standen allerdings ein verbessertes Konsumklima und Inventardaten gegenüber.

Insgesamt passten die Daten aber zu der zu erwartenden Gesamtsituation der USA: Stetiges Wachstum im Bereich von 2-3%, kontinuierliche Arbeitsplatzschaffung und ausreichende Unterstützung für die Fed zur Erhöhung der Zinssätze im Dezember. Wir gehen auch davon aus, dass die Fed weiterhin die Zinsen quartalsweise um etwa 0,25% erhöhen wird.

Dies sollte zu einer allmählichen Aufwertung des US Dollars gegenüber der meisten G10 Währungen führen.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.