Talfahrt des Euros geht weiter während Aktivität seitens der EZB und US Fed im Dezember erwartet wird

Enrique Díaz-Álvarez23/Nov/2015Devisenmarkt

Der Euro führte seine Talfahrt vergangene Woche fort – inmitten von deutlichen Anzeichen gegenläufiger Aktivitäten zwischen der US Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank im kommenden Monat. Bezüglich der Wirtschaftsdaten steht die Stimmung in der Eurozone im Kontrast zu den positiven Daten aus den USA und aus Großbritannien.

Das Protokoll des Federal Open Market Committee (FOMC) Meetings vom Oktober, welches vergangenen Mittwoch publiziert wurde, führte zu einer temporären Entlastung der Gemeinschaftswährung. Investoren fokussierten sich eher auf die erwarteten, zukünftig schrittweise stattfindenden Zinserhöhungen, als auf die immer wahrscheinlicher werdende Zinserhöhung der Fed im kommenden Dezember.

Dieser relativ gemäßigte Teil der Fed hat zu einer sofortigen globalen Steigerung der Risikoaktiva geführt. Insbesondere Rohstoff- und Emerging Markets-Währungen erzielten nach starken Verlusten der letzten Wochen neue Kurszuwächse.

Nichtsdestotrotz konnte der Euro seine Gewinne nach dem FOMC Meeting nicht halten und verlor sogar erneut gegenüber dem US Dollar am Freitag, vor dem Hintergrund weiterer gemäßigter Kommentare von EZB Präsident Mario Draghi, gefolgt vom n britischen Pfund.

Interessant ist, dass das GBP/EUR Paar kontinuierlich in der Nähe von Höchstständen, die wir zuletzt während der Griechenlandkrise gesehen haben, handelt, während sich EUR/USD auf dem Tiefststand des Jahres befindet.

Emerging Markets Währungen schienen nach dem FOMC-Berichtvergangene Woche im neuen Glanz. Der brasilianische Real, der südafrikanische Rand und der Rubel legten über die Woche hinweg um 3% zu. Investoren beginnen die günstigen Kurse in diesen Währungen zu nutzenund gehen nun davon aus, dass jegliche Zinserhöhung in den USA schrittweise verlaufen wird.

Die wichtigsten Währungen im Überblick:

GBP

Die makroökonomischen Daten der letzten Woche hatten gemischte Folgen für die Geldpolitik und daher auch für das britische Pfund.

Zu Beginn der Woche wurde der Inflationsreport publiziert, welcher etwas höher als erwartet ausfiel, da die Kerninflationsrate annualisiert auf 1,1% anstieg. Dies sollte der Bank of England versichern, dass der Arbeitsmarkt das Level in Richtung Zielinflationsrate schiebt.

Nichtsdestotrotz, der schwächere Einzelhandelsumsatz im Oktober (die annualisierte Wachstumsrate, ausgenommen Treibstoff, fiel auf 3% von 5,7% im September) und die deutlich schwächer als erwarteten Zahlen zur öffentlichen Neuverschuldung verschlechterten das Umfeld des britischen Pfunds, sodass sich das Pfund Sterling gegenüber dem US Dollar, trotz seiner Entwicklungen gegenüber dem Euro, nur gering bewegte.

EUR

Vergangene Woche waren makroökonomische Nachrichten aus der Eurozone rar. Die Finanzmärkte schüttelten die generelle Schwäche aufgrund der Anschläge in Paris Anfang der Woche ab.

Daher fokussierten sich Investoren auf die Haltungen zwischen der EZB und der Fed. Die EZB verdeutlichte sehr stark, dass sie Maßnahmen im Dezember plane. Die Rede von Präsident Mario Draghi am vergangenen Freitag inklusive den Worten „do what it must“, um die Inflation zu ihrem Ziel zurückzuführen, trägt maßgeblich zu den Erwartungen der Anleger bei.

Über das Wochenende hinweg klangen weitere EZB Vertreter, wie z.B. Peter Praet und Benoit Coure, noch dringlicher und besorgt über das schwache Wachstum und die potentiellen deflationären Erwartungen in der Eurozone.

Dieser Ton innerhalb der EZB Kommunikation gab dem Euro einen weiteren negativen Schub am Freitag, sodass die Gemeinschaftswährung auch seine Gewinne nach dem FOMC-Meeting wieder abgegeben hat und am Ende der Woche ca. 0,5% gegenüber dem Greenback verloren hat.

USD

Da es in der letzten Woche keine kritischen Wirtschaftsdaten gab, haben sich die US Märkte auf die Veröffentlichung des FOMC Protokolls fokussiert.

Die Fed scheint sehr entschlossen darüber zu sein eine doppeldeutige Aussage an die Märkte zu melden – eine Zinserhöhung im Dezember ist demnach sehr wahrscheinlich, allerdings werden alle weiteren Zinserhöhungen eher langsam ansteigen. Dies trifft auch unsere Prognosen einer Zinserhöhung im kommenden Monat und darauffolgenden Erhöhungen von quartalsweise 0.25%.

Die Kommunikation der Fed Offiziellen führte klar zu Erfolgen, nachdem Investoren am Mittwoch die Preise der Vermögenswerte überall in die Höhe trieben. Obwohl Draghi’s Aussagen dazu geführt haben, dass der Euro weiter sinkt, hat der Dollar auf handelsgewichteter Basis die Woche so beendet wie er sie begonnen hat und alle Gewinne nach Veröffentlichung des FOMC Protokolls wieder abgegeben.

Erhalten Sie diese Marktupdates per E-Mail.

Print

Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.