Mögliche QE Erweiterung der EZB setzt Euro unter Druck

Enrique Díaz-Álvarez01/Dez/2015Devisenmarkt

Am Donnerstag, den 3.Dezember, werden Entscheidungsträger der Europäischen Zentralbank (EZB) die Versammlung zur Geldpolitik des EZB-Rates einberufen. Präsident Mario Draghi wird voraussichtlich eine Erweiterung der existierenden geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen verkünden.

Hintergrund

Die EZB hat im Januar bekannt gegeben, dass sie damit anfangen wird Staatsanleihen zu einer monatlichen Rate von 60 Mrd. EUR zu kaufen, mit dem Bestreben die Inflationsrate zurück zum offiziellen Ziel von „nahe, aber unter 2%“ zu bringen. Allerdings bleibt die Inflationsrate knapp ein Jahr nach dieser Ankündigung nahe Null und die generelle Wirtschaftsleistung in der Eurozone ist eher enttäuschend, da die Lockerungsmaßnahmen bisher nicht die gewünschte Verbesserung gebracht haben.

Die Inflationsrate stagnierte und wurde im Oktober mit nur 0,1% reportiert, folgend von negativem oder nahezu gar keinem Preisanstieg in 12 Monaten (Abbildung 1). Noch schlimmer traf es die Herstellerpreise, die bei 3,1% im letzten Monat lagen und seit Mitte 2013 jeden Monat zurückgegangen sind. Das Wirtschaftswachstum hat sich im zweiten Halbjahr 2015 zwar verbessert, bleibt aber immer noch solide unter 2%.

Abbildung 1: Inflationsrate in der Eurozone (2011-2015)
Abb1

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Datum: 30.11.2015

Infolgedessen ergab sich in den letzten Monaten ein Zustrom gemäßigter Kommentare von Entscheidungsträgern der Eurozone. Bei der letzten Versammlung hat Mario Draghi gefordert, dass die Inflationsrate für einen „langfristigen Zeitraum“ gering bleiben soll, während das Level des existierenden Lockerungsprogrammes im nächsten Meeting erneut geprüft werden soll. Zudem schlägt Draghi vor, dass die Zentralbank „tut, was sie tun muss“, um den Preiszuwachs zu verstärken. Dabei bestätigt er auch, dass Maßnahmen wie eine Reduktion der Zinssätze auf Bankeinlagen tiefer ins Negative in Betracht gezogen werden.

Unsere Erwartungen

Die Markterwartungen tendieren zu einer aggressiven Lockerungspolitik der EZB und wir denken, dass der Rat Enttäuschungen aus dem Weg gehen wird. Wir erwarten die folgenden Ankündigungen:

  • Eine Erweiterung in Größe und Dauer des aktuellen quantitativen Lockerungsprogrammes. Die Anleihenkäufe werden von 60 Mrd. EUR auf 80 Mrd. EUR erhöht und das Programm wird bis Ende 2016 erweitert.
  • Erweiterung der potentiellen Anlageklassen innerhalb der EZB-Käufe einschließlich regionale Anleihen und Kommunalanleihen. So stellt die EZB sicher, dass genug verschiedene Anlageklassen gekauft werden können, da mehr und mehr Staatsanleihen zu geringe Renditen erzeugen um nach den eigenen Regeln der EZB gekauft werden zu können.
  • Eine Senkung des Einlagenzinssatzes von -0,2% auf -0,4%. Dänemark und die Schweiz haben bereits gezeigt, dass Zinssätze wesentlich unter Null verringert werden können ohne (bisher) einen Ansturm auf Bargeld zu verursachen, um zu vermeiden, dass Minusraten auf Bankeinlagen gezahlt werden.

Die erwartete Erweiterung der quantitativen Lockerungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank zeigt die noch stärkeren Abweichungen geldpolitischer Maßnahmen der EZB, der Federal Reserve in den USA und zu einem geringen Maße auch der Bank of England.

Auswirkungen auf den Währungsmarkt

Im starken Kontrast zur Eurozone steht die US Wirtschaft, die sich gerade sehr gut entwickelt. Das Wachstum ist stabil, der Arbeitsmarkt ist wohlbehalten und die Kerninflation zeigt Zeichen der Besserung. Die Geldpolitik der Fed geht daher auf die entgegengesetzte Richtung zu. Die US Zentralbank plant demnach zum ersten Mal in neun Jahren eine Erhöhung der Zinssätze am 16.Dezember im FOMC Meeting.

Währenddessen, abgesehen von den neusten gemäßigten Kommentaren der Bank of England, werden die Zinssätze wahrscheinlich im zweiten Halbjahr 2016 auch in Großbritannien steigen. Diese Divergenz hat den Wert des Euros gegenüber dem britischen Pfund im letzten Jahr, und zu einem größeren Umfang auch gegenüber dem US Dollar, gemindert (Abbildung 2).

Abbildung 2: Historische Entwicklung des EUR/USD & EUR/GBP (2011-2015)

Abb2

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Datum: 30.11.2015

Diese gegensätzliche Geldpolitik wird, unserer Ansicht nach, den Druck auf den Euro in den nächsten Monaten gegen nahezu jede Hauptwährung verstärken. Die Wertminderung wird wahrscheinlich gegen den US Dollar am massivsten sein und wir erwarten weiterhin im zweiten Halbjahr 2016 eine Parität zwischen Euro und USD.

 

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.