Euro steigt nach enttäuschenden Lockerungsmaßnahmen der EZB

Enrique Díaz-Álvarez03/Dec/2015Devisenmarkt

Der Euro wurde in die Höhe getrieben nachdem die EZB im letzten geldpolitischen Meeting am Donnerstag nahezu keine Erwartungen erfüllt hat und die vom Markt erwartete Erweiterung des quantitativen Lockerungsprogrammes gescheitert ist.

Die Financial Times hat bereits vor der offiziellen Ankündigung zu den Zinssätzen suggeriert, dass diese unverändert bleiben. Dies hat sich allerdings kurze Zeit später als falsch erwiesen, als die EZB um 13:45 Uhr verkündet hat, dass der Einlagenzinssatz von -0,2% auf -0,3% gesenkt wird – eine bescheidenere Senkung als die 0,2%, die vom Markt erwartet wurden. Dadurch wurde der Euro stärker und erreichte sein stärkstes Level seit zwei Wochen.

Entgegen jeglicher Erwartungen zur Erweiterung des Lockerungsprogrammes stieg der Euro noch höher nachdem Draghi verkündete, dass die monatlichen EZB-Käufe verschiedener Anlageklassen bei 60 Mrd. EUR bleiben. Das quantitative Lockerungsprogramm wird stattdessen nicht wie zuvor geplant bis September 2016 laufen, sondern wird bis März 2017 verlängert – ein Nettozuwachs von 360 Mrd. EUR. Der Einfluss der Bundesbank auf die EZB wurde deutlich unterschätzt.

Das Programm zeigt Zeichen von Flexibilität, denn die technischen Details werden „im Frühjahr“ überprüft.

Die Erweiterung der geldpolitischen Maßnahmen wurde inmitten von enttäuschenden, schwachen Wirtschaftsleistungen in der Eurozone bekannt gegeben, in der das offizielle Ziel einer Inflationsrate von „nahe, aber unter 2%“ angestrebt wird. Die Inflationsrate wurde im November mit nur 
0,1% registriert, folgend von negativem oder nahezu gar keinem Preisanstieg in mehr als 12 Monaten (Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Inflationsrate in der Eurozone (2011-2015)
ABB1 3.12

Quelle: Thomson Reuters Datastream Datum: 03/12/2015

Die Märkte waren von der Ankündigung eher enttäuscht, da eine stärkere Senkung des Einlagenzinssatzes und eine Erhöhung der monatlichen Anleihenkäufe eingepreist waren. Die darauffolgende Euro-Aufwertung war signifikant, mit über 2% gegen den US Dollar, das stärkste Level in einem Monat, und um 1,75% gegen das britische Pfund (Abbildung 2).

Abbildung 2: Entwicklung innerhalb des Tages EUR/USD 3.12.2015
ABB2 3.12

Quelle: Thomson Reuters Datastream Datum: 03/12/2015

 

Abgesehen von der fehlenden Erweiterung der quantitativen Lockerung macht die heutige Ankündigung trotzdem die zunehmenden Abweichungen der Geldpolitik der EZB und der Federal Reserve in den USA deutlich, die wahrscheinlich am 16.Dezember die Zinssätze erhöhen wird.

Aufgrund dessen lassen wir unsere Prognosen unverändert und erwarten, dass EUR/USD zum Jahresende bei einem Level von 1,05 stehen, bevor im zweiten Halbjahr 2016 eine Parität erreicht wird.

Zudem erwarten wir weiterhin, dass sich der Euro gegen das britische Pfund langfristig und schrittweise abschwächt.

 

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.