Euro steigt nachdem Draghi's Lockerungsmaßnahmen für die Eurozone die Märkte enttäuschen

Enrique Díaz-Álvarez07/Dec/2015Devisenmarkt

Die Europäische Zentralbank hat die enormen Erwartungen des Marktes im Dezember-Meeting der letzten Woche nicht erfüllt. Neben erheblichen Lockerungsmaßnahmen, inklusive einer Senkung des Einlagenzinssatzes und einer Verlängerung der Laufzeit des Ankaufprogramms, entsprach es weiterhin nicht den Erwartungen der Investoren, welche eine konsistent gemäßigte Kommunikation von EZB Präsident Mario Draghi erwarteten.

Des Weiteren unterstreicht die Enttäuschung die starke Position der Bundesbank innerhalb des EZB Rats. Sie ist weiterhin in der Lage eine effektive Opposition gegen weitere Lockerungen der EZB zu bilden.

Das Resultat war ein massiver Anstieg in den Währungsmärkten da Short-Positionen gegen die Gemeinschaftswährung in einem Markt mit geringer Liquidität aufgelöst wurden, sodass der Euro gegenüber dem US Dollar und das britische Pfund stark aufwertete. Auflösungen von Positionen setzte die Aktien- und Staatsanleihemärkte ebenfalls stark unter Druck, sodass beide Assetklassen die Woche signifikant schwächer beendeten.

Die starken Beschäftigungszahlen in den USA, welche mehr oder weniger eine Zinserhöhung seitens der Federal Reserve im Laufe des Monats garantieren, halfen dem Dollar nicht wirklich, sodass er die Woche gegenüber sämtlichen Hauptwährungen schwächer beendete.

Die wichtigsten Währungen im Überblick:

GBP

In der letzten Woche gab es wenige Neuigkeiten aus Großbritannien.

Der Einkaufsmanagerindex war mit einem Anstieg von 54.9 auf 55.9, insbesondere im Dienstleistungssektor sehr stark. Dies gibt Sicherheit darüber, dass sich die moderate Schwäche der BIP Zahlen im dritten Quartal nicht auf das Jahresende ausgeweitet hat und wir weiterhin mit einem BIP Wachstum von 2-3% rechnen können.

Dies hatte allerdings keinen Einfluss auf die Währungsmärkte, die völlig von den EZB Erwartungen beeinflusst wurden. Das britische Pfund verhielt sich weiterhin wie eine „Dollar light“ Währung und verlor ebenso wie der US Dollar gegenüber allen G10 Währungen außer dem Japanischen Yen an Wert.

EUR

Die Erwartungen zum EZB-Meeting waren so hoch, dass eine Enttäuschung des Marktes wohl zwangsläufig folgen musste.

Letztendlich wurde der Einlagenzinssatz nur um 0,1% auf -0,3% reduziert und das Ankaufprogramm für Anleihen wurde von September 2016 auf März 2017 verlängert. Dies beinhaltet zusätzliche Anleihenkäufe von 360 Mrd. EUR. Außerdem wurden die zum potentiellen Ankauf zur Verfügung stehenden Anleihen um regionale und kommunale Anleihen erweitert.

Allerdings wurde der Betrag von 60 Mrd. EUR für monatliche Ankäufe nicht erhöht und während sich die Zinssätze geringfügig weiter in den negativen Bereich bewegten, wurde kein ernsthafter Versuch unternommen, die Toleranz der Anleihenmärkte für negative Zinssaätze zu testen.

Wir finden, dass diese Maßnahmen sinnvoll sind, auch wenn die Markterwartungen höher waren. Allerdings zeigt die Bereitschaft der EZB die Märkte zu enttäuschen auch, dass die Bundesbank mehr Einfluss hat als erwartet wurde. Dies ist eine beunruhigende Entwicklung und der massive Anstieg des Euros nach dem Meeting wurde wohl von Präsident Draghi nicht begrüßt.

Eine zentrale Auswirkung eines schwächeren Euros wäre eine Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit von Exporten in der Eurozone und eine Inflationsrate, die sich dem Ziel von 2% nähert. Wir lassen unser Ziel von 1.05 für EURUSD zum Jahresende unverändert und erwarten, dass ein Großteil der Gewinne der letzten Woche in den nächsten Wochen zurück gegeben wird wenn Short-Positionen im Euro liquidiert werden und der Markt keine sicheren Wettmöglichkeiten mehr bietet. Daher denken wir, dass die Ereignisse der letzten Woche und die Bewegung des Euros eine gute Möglichkeit für Importeure in der Eurozone sein könnten.

USD

Am Freitag wurde ein weiterer, solider Payroll-Bericht aus den USA veröffentlicht.

Die US Wirtschaft generierte 211.000 neue Arbeitsplätze im November und die Ergebnisse des letzten Monats wurden nach oben korrigiert was zu einem Dreimonatsdurchschnitt von nahezu 220.000 Stellen führt. Die Arbeitslosenquote bleibt unverändert auf 5%, allerdings ist dies größtenteils auf eine Erhöhung der Erwerbsbeteiliungsquote von 0,1% zurückzuführen, die den Anstieg der Arbeitsplätze aufrüttelt. Der Durchschnittslohn hat sich in den letzten drei Monaten auf annualisiert 2,4% erhöht, oberhalb der Kern- und Gesamtinflation.

Das EZB-Meeting am vergangenen Donnerstag hat dem US Arbeitsmarktbericht vom Freitag die ganze Aufmerksamkeit genommen, aber die ermutigende Anzahl von Arbeitsplätzen bestätigt unsere Erwartungen einer Zinserhöhung der Federal Reserve Bank im Dezember. Daher erwarten wir, nach der Korrektur im Anschluss an Draghi’s Ankündigungen, dass der Dollar sich von den Verlusten bis zur bevorstehenden Zinserhöhung erholen wird.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.