Federal Reserve steht kurz vor der Erhöhung der Zinssätze

Enrique Díaz-Álvarez10/Dec/2015Devisenmarkt

Die US Zentralbank hielt an ihrer notgedrungenen Geldpolitik fest, seitdem der ehemalige Federal Reserve Chairman Ben Bernanke verkündet hatte, dass die Fed ihren Referenzzinssatz zum Höhepunkt der Finanzkrise im Dezember 2008 auf effektiv Null senken wird.

Allerdings erwarten Währungshändler nun sehnlichst die erste Zinserhöhung in den USA seit 2006, nachdem Janet Yellen, aktuelle Vorsitzende der Fed, den Bedarf „geduldig“ zu sein auf dem geldpolitischen Statement der Fed im März beseitigt hat.

Nun liegt der ganze Fokus der Währungsmärkte auf dem nächsten geldpolitischen Meeting der Fed am 16.Dezember um 20:00 Uhr. Es wird erwartet, dass die US Zentralbank den Referenzzinssatz zum ersten Mal seit neun Jahren erhöhen wird.

Bei der letzten Federal Open Market Committee (FOMC) Sitzung hatte die Federal Reserve die Entscheidung zur Erhöhung der Zinssätze im Oktober offen gelassen. Während politische Entscheidungsträger forderten, dass wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen im Ausland weiter beobachtet werden sollen, wurde das ehemalige Statement entfernt, das suggeriert, dass globale Entwicklungen das Wirtschaftswachstum zurückhalten könnten.

Zudem hat sich die Fed mit folgender Aussage ausdrücklich für eine mögliche Zinserhöhung im Dezember ausgesprochen: „Um zu bestimmen ob eine Erhöhung im nächsten Meeting angemessen ist, wird das Committee den erwarteten und erreichten Fortschritt zum Ziel einer maximalen Beschäftigung und einer Inflationsrate von 2% evaluieren.“ Für uns ist es klar, dass diese Konditionen bereits im letzten Monat zutrafen.

Die Wirtschaftsdaten seit dem letzten Federal Reserve Meeting, besonders die Daten zum Arbeitsmarkt, empfinden wir als äußerst positiv, um eine Erhöhung der Zinssätze zu garantieren. Die beiden jüngsten Nonfarm-Payroll Kennzahlen haben die Erwartungen übertroffen. Die Werte aus Oktober stiegen auf revidiert 298.000 Arbeitsplätze, das höchste Level des Jahres (Abbildung 1), während eine weitere solide Leistung im November zu einem Dreimonatsdurchschnitt von 220.000 Arbeitsplätzen führt. Die Arbeitslosenquote befindet sich auf einem Siebenjahrestief von 5,0%, während sich das durchschnittliche Ertragswachstum weiter bescheiden, aber auf dem höchsten Niveau seit Ende 2009 bewegt.

Abbildung 1: US Nonfarm Payrolls (2010-2015)
10.12 ABB1

Quelle: Thomson Reuters Datastream Datum: 07.12.2015

Außerdem bleibt das Wirtschaftswachstum stabil, trotz einem geringfügigen Rückgang auf 2,2% auf annualisierter Basis im dritten Quartal.  Durch die geringen Energiepreise bleibt die Kerninflationsrate gering, stieg allerdings im Oktober auf 1,9% (Abbildung 2) und damit in Richtung Ziel der Zentralbank, während Bedenken zum globalen Aktienmarkt scheinbar nachgelassen haben.

Abbildung 2: US Inflationsrate (2012-2015)

10.12 ABB2

Quelle: Thomson Reuters Datastream Datum: 07.12.2015

Seit dem letzten Meeting waren die Äußerungen politischer Entscheidungsträger eher aggressiv. Bei der Ansprache vor dem Kongress in Capitol Hill in der ersten Dezemberwoche hat Janet Yellen bereits suggeriert, dass die US Wirtschaft weiterhin stetiges Wachstum erfahren sollte und somit eine Erhöhung der Zinssätze verkraften kann.

Während die Erwartungen auf eine Zinserhöhung stärker werden, stieg der US Dollar im Dezember gegen alle Hauptwährungen auf seine stärkste Position seit zwölf Jahren (Abbildung 3) und wurde nun durch das enttäuschende Lockerungsprogramm der EZB ausgebremst.

Abbildung 3: US Dollar Index (Januar ‘15 – Dezember ‘15)

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Quelle: Thomson Reuters Datastream Datum: 04.12.2015

Unsere Erwartungen

Aufgrund der aggressiven Kommentare politischer Entscheidungsträger der Federal Reserve und durch beeindruckende Wirtschaftsdaten aus den USA sind wir sicher, dass die Fed im nächsten FOMC Meeting am 16.Dezember mit ihrem geldpolitischen Straffungszyklus beginnen wird. Auch wenn es möglicherweise mehr als drei Gegner dieser Entscheidung geben wird, erwarten wir eine Erhöhung von 0,25% und nachfolgend weitere graduelle und datenabhängige Zunahmen. Auch der Markt teilt diese Annahmen zweifellos und preist eine Zinserhöhung mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% ein, der höchste Stand des Jahres (wir denken allerdings, dass dies noch höher sein sollte).

Wie wir bereits das ganze Jahr vorhergesagt haben, sollte eine allmähliche Erhöhung der Zinssätze den US Dollar gegen alle anderen globalen Währungen stärken. Aufgrund der jüngsten Erweiterung der Lockerungsmaßnahmen der EZB sollte sich diese Aufwertung besonders gegen den Euro auswirken und zu einer allmählichen Stärkung des US Dollars gegen das britische Pfund führen.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.