Euro-Rally geht weiter inmitten von starken Rohstoff Abverkäufen

Enrique Díaz-Álvarez14/Dec/2015Devisenmarkt

Vergangene Woche waren die Finanzmärkte der Welt erneut volatil. Unter den Hauptwährungen hielt die Short-Covering Rally im Euro an, während Konsensus Trades, die in Erwartung einer andauernden US Dollar Rally positioniert wurden, abgewickelt wurden.

Die Gemeinschaftswährung näherte sich dem Niveau von 1,10 gegen den US Dollar, jedoch begrenzte ein starker US Einzelhandelsbericht die wöchentlichen Gewinne auf ca. 1% im Einklang mit dem britischen Pfund, welches fast Punkt für Punkt mit dem Euro handelte.

Die Hauptaktivität fand vergangene Woche jedoch nicht in den G4 Währungen statt, sondern verlagerte sich auf die Rohstoffmärkte, angeführt von Ölpreisen mit mehrjährigen Tiefstständen. Rohstoffexportierende Währungen wie der Australische und Kanadische Dollar und die meisten Emerging Markets Währungen litten unter diesen Entwicklungen.

Besonderes Augenmerk gilt dem unglaublich volatilen Südafrikanischen Rand. Nachdem der orthodoxe Finanzminister entlassen wurde, verlor die Währung zwischenzeitlich bis zu 12%. Nachrichten über die Nominierung eines marktfreundlichen Ministers am späten Sonntagabend führte umgehend zu einer Rally von fast 6%. Diese wilden Bewegungen sind passende Erinnerungen an den Mehrwert des Verständnis und der Absicherung von Risiken in Währungsmärkten.

Die wichtigsten Währungen im Überblick:

GBP

Sekundärdaten aus der letzten Woche sorgten weitestgehend für positive Stimmung in Großbritannien. Allerdings war die Aufmerksamkeit zu Recht auf die Sitzung des Geldpolitischen Ausschusses am Donnerstag gerichtet.

Wie erwartet bleiben die Zinssätze nach dem 8-1 Voting unverändert. Die Protokolle haben im Wesentlichen die Nachrichten aus dem Inflationsbericht im November wiedergegeben. Die erweiterte Diskussion zum Lohnwachstum suggerierte, dass dies wahrscheinlich der wichtigste Faktor zur Bestimmung des Zeitpunktes einer Zinserhöhung durch die Bank of England ist. Die Lohndaten der kommenden Woche werden daher von zunehmender Bedeutung sein.

Bis dahin erwarten wir, dass das britische Pfund weiterhin dem Euro gegen den US Dollar folgen wird.

EUR

Der Euro führte seinen Anstieg vergangene Woche fort, beeinflusst von den Nachwirkungen von Mario Draghis enttäuschenden Ankündigungen.

Nichtsdestotrotz waren die meisten makroökonomische Daten enttäuschend. Deutschlands Industrieproduktion verfehlte die Erwartungen und stieg im Oktober um lediglich 0,6% und blieb somit 1,1% unter den durchschnittlichen Erwartungen im dritten Quartal. Dies ist das erste Indiz der Auswirkungen des Volkswagenskandals und der Schwäche im ökonomischen Wachstum der Emerging Markets mit den darauffolgenden massiven Einschnitten in Investitionsplänen von Rohstoffproduzenten, welche sich nicht positiv auf die Zukunft ausüben.

Wir erwarten weiterhin, dass der Euro seinen Abwärtstrend fortführen wird bis der Überhang an Shorts am Markt beseitigt ist.

USD

Einzelhandelsumsätze durchbrechen endlich die Schwäche und melden sich mit starken Novemberzahlen zurück. Obwohl die Headline Zahlen von den niedrigen Gaspreisen getroffen wurden, stieg der kritischere Kernindikator im Monat um 0,6%. Dies ist nahezu konsistent mit dem grundsätzlichen Wachstum im November mit realen Konsumausgaben bei annualisiert ca. 4%.

Alle Augen richten sich nun auf das Fed Meeting diese Woche. Ökonomen (inklusive uns) erwarten eine Zinserhöhung von 25 Basispunkten. Händler sind etwas weniger sicher, jedoch liegt die implizierte Wahrscheinlichkeit in Zinsfutures bei nahezu 80%. Noch wichtiger als dieser volldiskontierte Zinsanstieg der Fed wird sowohl die Rhetorik der Zentralbank als auch die Zahl der Andersgläubigen sein.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.