Federal Reserve erhöht zum ersten Mal seit neun Jahren die Zinsen

Enrique Díaz-Álvarez17/Dec/2015Devisenmarkt

Am Mittwochabend hat die Federal Reserve endlich den beispiellosen, langen Zeitraum einer siebenjährigen Nullzinspolitik und die damit verbundene notgedrungene Geldpolitik beendet. Nach monatelanger Spekulation und Erwartung hat das Federal Open Market Commitee (FOMC) nun bekanntgegeben, dass der US Referenzzinssatz zum ersten Mal seit Juni 2006 erhöht wird.

Einstimmige Entscheidung für die Erhöhung

Der Zinssatz ist, wie wir erwartet haben, um 25 Basispunkte von 0,25% auf 0,50% gestiegen. Alle Mitglieder des Ausschusses haben einstimmig für eine Erhöhung gestimmt. Politische Entscheidungsträger sagten, dass es in diesem Jahr eine „erhebliche Verbesserung des Arbeitsmarktes“ gab und während sich die Inflation weiterhin unterhalb des Ziels bewegt, gibt es ein „angemessenes Vertrauen“, dass das Preiswachstum im Laufe der Zeit ansteigt. Allerdings wird auch erwartet, dass die Kerninflation niedrig bleibt und sich erst in 2018 zurück auf das 2%-Ziel bewegt.

Allmähliche, zukünftige Erhöhungen

Bezüglich zukünftiger Zinserhöhungen waren die Signale des Komitees eher gemischt. Das Statement suggerierte, dass die Entwicklung der Wirtschaftsbedingungen wahrscheinlich nur „allmähliche Erhöhungen garantieren“, allerdings war der „dot plot“ und die damit verbundenen Erwartungen der FOMC Mitglieder zu zukünftigen Zinserhöhungen seit September unverändert – und somit auch aggressiver als die Märkte bisher eingepreist hatten.

Diese Hervorhebung von allmählichen Zinserhöhungen belastete den US Dollar, obwohl die Währung mit Fortschreiten der US Börsensitzung stärker wurde, endete aber höher gegen den Euro (Abbildung 1) und das britische Pfund (Abbildung 2).

Entwicklung EUR/USD am 16.12.2015
17.12 ABB1

Quelle: Thomson Reuters Datum: 16.12.2015 Uhrzeit: 21:30

Entwicklung GBP/USD am 16.12.2015
17.12 ABB2

Quelle: Thomson Reuters Datum: 16.12.015 Uhrzeit: 21:30

Die Währungsmärkte haben die Entscheidung relativ gelassen hingenommen, auch wenn dies bei solchen Neuigkeiten nicht überraschend war.

US Wirtschaft auf dem richtigen Weg

Die erste Zinserhöhung der Federal Reserve seit Juni 2006 zeigt allerdings auch, dass die weltgrößte Wirtschaft wieder auf dem richtigen Weg ist, nachdem eine der schwerwiegendsten globalen Rezessionen der letzten Jahre überwunden ist. Arbeitsplatzschaffung und die Arbeitslosigkeit verbessern sich, das Wirtschaftswachstum ist stabil und die Inflationsrate scheint sich vorläufig wieder in die richtige Richtung zu bewegen.

Fokus auf 2016

Nun gilt die Aufmerksamkeit dem Jahr 2016. Der Schlüssel zu einer kurzfristigen Entwicklung des US Dollars wird wahrscheinlich vom Zeitpunkt und, noch wichtiger, vom Tempo der bevorstehenden Zinserhöhungen im nächsten Jahr angetrieben. Der „dot plot“ der Fed, der repräsentiert wo jedes einzelne FOMC Mitglied den Referenzzinssatz am Ende eines jeden Jahres sieht, war mehr oder weniger unverändert im Vergleich zur letzten Sitzung (Abbildung 3).

Abbildung 3: Dezember FOMC „Dot Plot“ Tabelle
17.12 ABB3

Quelle: Federal Reserve Datum: 16.12.2015

Eine durchschnittliche Berechnung der Erwartungen der politischen Entscheidungsträger für das kommende Jahr spricht dafür, dass der Ausschuss weiterhin einen Anstieg einmal pro Quartal erwartet, gleichwertig mit den Erwartungen aller anderen Sitzungen. Das stimmt auch mit unseren Erwartungen überein, obwohl dies nicht den aktuellen Erwartungen des Marktes entspricht, welcher lediglich zwei Erhöhungen im kommenden Jahr einpreist.

Die Zukunft des US Dollars

Wie wir bereits schon lange prognostiziert haben, sollte eine allmähliche Erhöhung der Zinssätze in den USA in 2016 zu einer Wertsteigerung des US Dollars gegen nahezu alle anderen Hauptwährungen im nächsten Jahr führen, trotz der relativ gedämpften Bewegung des US Dollars am Mittwochabend.

Aufgrund der entgegengesetzten Geldpolitik der EZB, wird der Wertzuwachs des US Dollars gegen den Euro besonders stark sein. Zudem erwarten wir im dritten Quartal 2016 höhere Zinssätze in Großbritannien und damit verbunden allmähliche Gewinne für den US Dollar gegen das britische Pfund.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.