Was wir 2016 am globalen Währungsmarkt erwarten können

Enrique Díaz-Álvarez07/Jan/2016Devisenmarkt

Der Währungsmarkt im Jahr 2015 war doch volatiler als viele vor 12 Monaten angenommen hatten. Die treibenden Themen des Jahres waren:

Die unerbittliche Stärkung des US Dollars durch die ersten Andeutungen und die Durchführung einer Erhöhung der Zinssätze durch die Federal Reserve.

Die deutliche Korrektur der Währungen in den Schwellenländern, angetrieben durch die Erhöhung der Zinssätze in den USA und den Einbruch der Rohstoffpreise.

Das Jahr begann mit der schockierenden Aufhebung der drei Jahre bestehenden Schweizer Franken-Euro-Bindung mit der Folge eines Währungsanstiegs von erstaunlichen 40% in nur einem Tag. Nicht lange danach hat der Präsident der EZB, Mario Draghi, die geplanten Lockerungsmaßnahmen verkündet, um die stockende Wirtschaft in der Eurozone wieder mit Leben zu füllen.

Im Frühlings dominierten Schlagzeilen zur Griechenlandkrise und Ängste zum Austritt Griechenlands aus der Eurozone, während die Parlamentswahlen in Großbritannien einen überraschend komfortablen Sieg für David Cameron’s konservative Partei zeigten.

Ölpreise folgten weiterhin einem deutlichen Abwärtstrend und fielen im Dezember auf ein 6-Jahrestief von unter $35 pro Barrel.

Währungen der Schwellenländer wurden umfassend und nahezu überall verkauft, verbunden mit der Erwartung einer US-Zinserhöhung und einer Konjunkturabschwächung in China. Einige, einschließlich der Russische Rubel, der Brasilianische Real und der Südafrikanische Rand fielen auf Rekordtiefststände in 2015.

Zu guter Letzt, nach viel Spekulation und großen Erwartungen, erhöhte die Fed in den USA im Dezember die Zinssätze zum ersten Mal seit fast einem Jahrzehnt.

Also was können wir 2016 am Währungsmarkt erwarten?

Die oberste Fragestellung für den FX Markt in 2016 ist, ob die oben genannten treibenden Trends (Wertsteigerung des US Dollars und der Rückgang der Währungen in Schwellenländern) weiterhin anhalten werden oder nicht.

Wir denken, dass der US Dollar weiter steigen wird, allerdings in einem allmählichen und langsamen Tempo. Die Abweichung in der Geldpolitik der Fed in den USA und der Politik aller anderen großen Zentralbanken in den G10 Staaten wird der US Währung Rückenwind geben und wir denken nicht, dass die Zinsmärkte ein aggressives Programm der Fed Erhöhungen ausreichend einpreisen.

Der Dezember “dot plot” der Fed suggeriert, dass politische Entscheidungsträger in den USA drei oder vier Mal im Jahr 2016 eine Zinserhöhung erwarten, etwa einmal pro Quartal oder äquivalent zu jeder anderen Sitzung. Dies wird für den US Dollar in diesem Jahr wahrscheinlich eine große Unterstützung sein und setzt die Währungen der Schwellenländer unter erhöhten Druck, besonders dann wenn die Rohstoffpreise weiterhin auf dem erwarteten gedämpften Niveau bleiben.

Im Kontrast dazu steht der Euro, der wohl durch die kürzliche Erweiterung der geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der EZB weiterhin unter Druck steht. Es ist nun wahrscheinlich, dass die EZB in diesem Jahr das quantitative Lockerungsprogramm erweitern wird, besonders wenn die Inflationsrate sich nicht in Richtung des 2%-Ziels bewegen sollte.

Zudem erwarten wir, dass sich das britische Pfund in der Mitte einpendeln wird, höher als der Euro, niedriger als der US Dollar, da die Bank of England wahrscheinlich der Fed folgen wird und die Zinssätze vermutlich im dritten Quartal des Jahres ebenfalls erhöhen wird.

Auf der politischen Seite werden die Präsidentschaftswahlen in den USA zum Ende des Jahres im Fokus stehen, während die EU Volksabstimmung in Großbritannien ein erhebliches Gesprächsthema sein wird und ein Abwärtsrisiko für das britische Pfund bedeuten könnte.

Im Bezug auf die Währungen der Schwellenländer denken wir, dass wir uns im Prozess einer Bodenbildung in den meisten Hauptwährungen wie dem Brasilianischen Real und dem Südafrikanischen Rand, etc. befinden.

Zum einen ist es schwierig zu glauben, dass Rohstoffe weiter abverkauft werden ohne eine globale Rezession, die wir natürlich nicht erwarten. Zum anderen stiegen die Gemeinschaftsschulden der Schwellenländer zwar erheblich an, allerdings größtenteils in der lokalen Währung, was das Problem für die lokalen Zentralbanken und Regierungen überschaubar macht.

Schlussendlich, nachdem wir manche dramatische Abverkäufe im letzten Jahr gesehen haben, befinden sich die meisten Währungen auf einem außergewöhnlich günstigen Niveau, das die Wettbewerbsfähigkeit verbessern wird und Handels- und Investitionsströme im Laufe des Jahres anziehen wird.

Die letzten 12 Monate waren sehr spannend und wir freuen uns schon auf ein aufregendes neues Jahr am Währungsmarkt.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.