Unternehmen sorgen sich um das britische Pfund auf Rekordtief

Enrique Díaz-Álvarez18/Jan/2016Devisenmarkt

Das britische Pfund verzeichnete in der letzten Woche starke Verluste gegen den Euro und den US Dollar. Gegen den US Dollar nähert sich das Pfund nun jahrzehntelangen Tiefstständen, die 2009 während der Finanzkrise auftraten. Folglich steigt die Nervösität unter Unternehmen hinsichtlich des starken Abverkaufs des britischen Pfunds. Allerdings halten wir das aktuelle Niveau der Währung für günstig im Bezug auf das recht positive Fundament der britischen Wirtschaft und den vorhandenen Bloomberg Prognosen. Zudem bewegt sich der EUR/USD Kurs innerhalb einer engen Handelsspanne.

Das neue Jahr hat für die Finanzmärkte und Risikoanlagen generell nicht gut begonnen, während die Stabilisierung des Yuans zu Beginn der Woche und die allgemein positiven Neuigkeiten aus China ignoriert wurden. Aktien verzeichneten den historisch schlechtesten Start ins Jahr mit Verlusten der bedeutenden Indizes im zweistelligen Prozentbereich in den ersten zwei Wochen. Seit der letzten Woche werden auch die G10 Währungen davon beeinflusst, die anfangs noch belastbar schienen.

Emerging Markets Währungen und G10 Währungen von rohstoffexportierenden Staaten erreichen weiterhin neue Tiefen während die Rohstoffpreise weiter sinken. Uns beeindruckt, wie gelassen unsere Kunden den Abverkauf sehen. Sowohl das allgemeine Gefühl als auch der Geldfluss, den wir wahrnehmen, zeigen, dass Unternehmen von diesem geringen Levels profitieren und sich für den zukünftigen Gebrauch von Emerging Market Währungen absichern.

Die wichtigsten Währungen im Überblick:

GBP

Die wichtigsten Neuigkeiten aus Großbritannien in der letzten Woche kamen von der Sitzung der Bank of England. Nach sechs Monaten in Folge hat sich der Einzelgänger der Bank of England, Ian McCafferty, erneut für eine sofortige Zinserhöhung ausgesprochen und widerlegte damit die Erwartungen eines 9-0 Votings inmitten des globalen wirtschaftlichen Gegenwinds.

Außerdem war der begleitende Bericht trotz kleiner Änderungen im letzten Monat weniger gemäßigt als vom Markt erwartet wurde. Ein Kernsatz ist, dass „sich die Daten zur internationalen Aktivität seit dem Inflationsbericht aus November weiter entwickelt haben wie erwartet”. Dies suggeriert, dass die Bank of England die aktuelle Marktvolatilität spielerisch meistern kann und von den laufenden Unruhen am Finanzmarkt in China eher unbeeindruckt ist.

Politische Entscheidungsträger suggerierten, dass der neuste Sturz der Ölpreise eine gute und langfristige Unterstützung für Ausgaben in Großbritannien sei, während die aktuelle Wertminderung des britischen Pfunds zu einem gewissen Grad positiv auf die Inflation wirken könnte. Diese Kommentare sind ein Hinweis darauf, dass eine Zinserhöhung 2016 noch möglich ist, solange die Lohndaten nicht wesentlich abschwächen und die sich Finanzmärkte erholen.

Basierend auf dieser Grundlage sehen wir das aktuelle Niveau des britischen Pfunds gegen den US Dollar und den Euro als eine gute Kaufmöglichkeit.

EUR

Im Kontrast zu den Neuigkeiten der Bank of England suggerierten die neusten Protokolle der EZB-Sitzung, dass “einige EZB-Entscheider” Druck ausübten die Zinsen zu senken und die quantitativen Lockerungen stärker zu erweitern als vom Rat entschieden wurde. Die kürzliche Volatilität an den Finanzmärkten festigt diese Annahmen. Daher erwarten wir weitere geldpolitische Ankurbelungen im ersten Halbjahr diesen Jahres, die den Euro gegenüber dem US Dollar auf Parität bringen sollten.

Die europäische Wirtschaft hat die Unruhen am Markt bisher gelassen hingenommen, allerdings würden jegliche Abschwächungen des Geschäftsklimas der Einkaufsmanagerindizes, das in der nächsten Woche veröffentlicht wird, massiven Druck auf die EZB ausüben bald zu handeln.

USD

Die Hauptnachricht der Woche war die Veröffentlichung der bekanntermaßen volatilen Einzelhandelsumsätze aus Dezember. Die Kerndaten waren schwach und trugen zur Marktnervösität bei, durch die die US Aktien auf Talfahrt geschickt wurden. Allerdings waren die Details ermutigender. Die November Daten wurden von 0,2% auf 0,4% revidiert. Der annualisierte Zuwachs in den Einzelhandelsumsätzen liegt inflationsbereinigt mit 3,9% auf einem gesunden Level, wobei Automobil & Treibstoff als schwächelnde Sektoren ausgenommen sind.

Wir halten weiterhin die Zahlen zur Arbeitsplatzschaffung für wichtiger als jeden anderen Indikator und erwarten, dass die US Wirtschaft Wachstumsraten im Bereich von 2-3% für 2016 verzeichnet, solange der Arbeitsmarkt weiterhin mit monatlich mehr als 200.000 neuen Arbeitsplätzen wächst.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.