Ankündigung weiterer Lockerungsmaßnahmen lässt Euro fallen

Enrique Díaz-Álvarez25/Jan/2016Devisenmarkt

Heute morgen hat der Euro wieder etwas zugelegt, nachdem er Ende der letzten Woche als Reaktion auf die jüngsten Pläne der EZB stark gefallen war. Am Donnerstag hatte sich Mario Draghi zu weiteren Lockerungsmaßnahmen geäussert.

Der EZB Präsident validierte unsere Erwartungen, dass Lockerungsmaßnahmen wahrscheinlich im ersten Halbjahr kommen werden, eventuell schon zur nächsten Sitzung im März.

Das führte zu einem Abwärtsdruck auf den Euro, der die Woche gegen alle Hauptwährungen außer den Schweizer Franken und den Japanischen Yen mit Einbußen abschließ. Kunden, die zum Beispiel in US Dollar handeln, nutzen den Euro Abverkauf nach der EZB Verkündung, um Euros zu verkaufen.

Insgesamt wirkten die globalen Finanzmärkte erleichtert auf Draghis Ankündigungen und Risikoanlagen, einschließlich Aktien, Rohstoffe und Emerging Markets Währungen, stiegen an.

Die wichtigsten Währungen im Überblick:

GBP

Das britische Pfund konnte sich endlich gegen den US Dollar stabilisieren. Allerdings lassen uns die gemäßigten Kommentare von der Bank of England, die erwartete Volatilität wegen des britischen Referendums zum EU Austritt und der fehlende Lohndruck unsere Erwartungen für eine BoE Zinserhöhung auf das vierte Quartal 2016 verschieben. Daher werden wir unsere Prognosen zum britischen Pfund gegen den US Dollar geringfügig nach unten revidieren.

Die Arbeitslosenquote in Großbritannien sinkt weiter auf 5,1% und ist nun auf dem niedrigsten Niveau seit 2005. Allerdings wurde der starke Arbeitsmarkt noch nicht auf den Lohndruck übertragen. Das wöchentliche Einkommen verringerte sich um 0,1% auf 1,9% auf annualierter Basis.

Der Chef der britischen Notenbank, Mark Carney, fokussierte sich in der letzten Woche mit seinen recht gemäßigten Kommentaren fast nur auf die Gründe von einer Zinserhöhung abzusehen. Außerdem betonte er weiterhin seine Bedenken zum Abwärtsrisiko durch die aktuelle Finanzvolatilität und zu dem fehlenden Lohndruck.

Es ist deutlich, dass die Acht-Mitglieder Mehrheit im geldpolitischen Ausschuss weiterhin für stabile Zinsen stimmen wird. Aufgrund dieser Faktoren haben wir unsere Erwartungen zu einer ersten Zinserhöhung der BoE auf das vierte Quartal 2016 verschoben.

EUR

Die möglichen weiteren Lockerungsmaßnahmen im März, die nun wahrscheinlich viel früher auftreten als vom Markt erwartet, führten zu einer Senkung des Euros gegen den US Dollar, auf das niedrigste Euro-Niveau seit zwei Wochen.

Zudem sagte Draghi, dass die Inflation wahrscheinlich weiterhin sehr niedrig bleiben und sich eventuell im negativen Bereich bewegen wird. Außerdem wies er auf Abwärtsrisiken aus dem Ausland hin, die seit der Sitzung im Dezember gestiegen sind.

Meldungen aus der Wirtschaft haben am Freitag mehr Druck auf den Euro aufgebaut. Die vorläufige Veröffentlichung der Umfragen zum entscheidenden Geschäftsklima des Einkaufsmanagerindexes haben im Januar für eine erhebliche Enttäuschung gesorgt. Der zusammengesetzte Index erschien fast einen vollen Punkt niedriger, auf 53,5. Das ist das niedrigste Niveau in fast einem Jahr. Es scheint als ob sich die aktuelle Marktvolatilität negativ auf die Erwartungen niederschlägt und wir rechnen nun damit, dass zur Sitzung der EZB im März weitere Lockerungsmaßnahmen verkündet werden.

Ein weiteres Fragezeichen für den Euro bleibt Spanien, wo noch immer keine neue Regierung geformt wurde. Investoren scheinen jedoch bisher nicht besorgt zu sein.

USD

Aus den USA gab es in der letzten Woche nur Inflationsdaten. Durch geringere Lebensmittelpreise fielen diese niedriger aus als erwartet. Allerdings ist die Kerninflation, die die volatilen Lebensmittel- und Energiekomponenten ausschließt und ein besserer Indikator zur Darstellung der tatsächlichen Inflation ist, um 0,1% auf solide 2,1% auf annualisierter Basis gestiegen. Das ist der höchste Stand seit 2012.

In dieser Woche steht das Federal Open Market Committee im Vordergrund. Allgemein wird erwartet, dass die Fed die aktuellen Zinssätze beibehält, allerdings wird der begleitende Bericht mehr Einblicke dazu geben zu welchem Grad die finanzielle Marktvolatilität die Intention der FOMC zur Erhöhung der Zinssätze um etwa 0,25% pro Quartal beeinflussen wird.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.