Rückblick: Volatilität - Diese Währungen haben 2015 am meisten Wert verloren

Enrique Díaz-Álvarez01/Feb/2016Devisenmarkt

Das Jahr 2015 war für Währungen aus Schwellenländern kein gutes. Die konjunkturelle Abschwächung Chinas, der Ölpreissturz, der im Dezember nun final drohende Zinsanstieg durch die Federal Reserve und ein Ausverkauf eben jener Währungen haben diese erheblich unter Druck gesetzt. Für internationale Unternehmen ist diese Volatilität ein erheblicher Risikofaktor: Während positive Währungseffekte die eigene Bilanz durchaus aufhübschen, können bei schlechtem Währungsmanagement schnell hohe Verluste in den Büchern stehen.

Wir haben die 10 volatilsten Währungen aus Schwellenländern in 2015 ermittelt (Werte vom 24.11.2015, Quelle: Bloomberg). Auffällig ist dabei: Gleich fünf Währungen davon kommen aus Südamerika. Mit Bulgarien ist aber auch ein direkter EURO-Nachbar dabei. Für Deutschland als Exportnation ist das natürlich besonders relevant.

Vor diesem Hintergrund führen wir das Exportvolumen mit den einzelnen Ländern auf (Daten für 2014, Quelle: destatis.de).

-Brasilianischer Real (BRL) -28,4% I Exportvolumen:  10,3 Milliarden Euro
-Kolumbianischer Peso -23% I Exportvolumen:  1,7 Milliarden Euro
-Türkische Lira (TRY) -18,75% I Exportvolumen:  19,2 Milliarden Euro
-Südafrikanischer Rand (ZAR) -18 I Exportvolumen:  8,3 Milliarden Euro
-Malaysischer Ringgit (MYR) -17,7% I Exportvolumen:  4,8 Milliarden Euro
-Ghanaische Cedi (GHS) – 16,1% I Exportvolumen:  0,26 Milliarden Euro
-Chilenischer Peso (CLP) -14,9% I Exportvolumen:  2,1 Milliarden Euro
-Bulgarischer Lev (BGN) -12,3% I Exportvolumen:  3,3 Milliarden Euro
-Argentinischer Peso (ARS) – 12,1% I Exportvolumen:  2,4 Milliarden Euro
-Peruanischer Nuevo Sol (PEN) -11,8% I Exportvolumen:  0,91 Milliarden Euro

Während der erhebliche Wertverlust von Brasilianischem Real und Türkischer Lira vor allem auf politische Unruhen zurückzuführen ist, haben der Ghanaische Cedi – aber auch der Russische Rubel – mit einem Vertrauensverlust bei Anlegern zu kämpfen. Der Malaysische Ringgit und der Südafrikanischer Rand sind sogar auf ein Allzeittief abgerutscht, was unmittelbar mit der Entscheidung der Bank of China zu tun hat, den Yuan im August abzuwerten. Wir gehen indes davon aus, dass sich einige dieser Währungen vom Kursschock schnell wieder erholen werden. Die kurzfristige Entwicklung der Währungen der Schwellenländer ist unserer Ansicht nach von zwei Faktoren abhängig:

Ihrer Anfälligkeit gegenüber einer Zinserhöhung in den USA und ob das Ausmaß der Währungsabwertung durch den jüngsten Ausverkauf ausreichend ist, um einerseits die Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten und andererseits die Verschlechterung der Handelsbedingungen auszugleichen.

Aus unserer Sicht war der jüngste Abfall von Schwellenländer-Währungen in den meisten Fällen übermäßig und ungerechtfertigt; verschlimmert noch durch regelrechte Panik und dem Verkauf von alten Positionen. Der Wert der meisten Schwellenländer-Währungen hat sich inzwischen normalisiert. Wir gehen von einer weiteren Verbesserung aufgrund der realen ökonomischen Grundlage der meisten Länder aus. Insbesondere für den brasilianischen Real und den südafrikanischen Rand wird eine weitere Erholung erwartet. Die türkische Lira hingegen bleibt aufgrund der anhaltend düsteren Konjunkturaussichten im Land anfällig.

Heiko Müller, Deutschland-Chef von Ebury, sagt: “Die Währungen der Schwellenländer sind leider nur ein Spielball im internationalen Handel. Gerade mittelständische Unternehmen, die jenen Währungseffekten besonders leiden, tun gut daran, sich gegen diese Risiken abzusichern.”

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.