Richtungswechsel? Euro steigt und Dollar fällt

Enrique Díaz-Álvarez08/Feb/2016Devisenmarkt

Der US Dollar ist in der vergangenen Woche unter Druck geraten. Die Zweifel an einer Zinserhöhung in den USA im März und die Reduzierung bestehenden Dollar Long-Positionen haben zu einem erheblichen Abverkauf des Dollars gegen alle anderen Hauptwährungen und dem Mexikanischen Peso beigetragen.

Am Freitag hat der US Beschäftigungsbericht für eine Entlastung des Dollars gesorgt. Die Arbeitslosenquote ist weiter gesunken und das Lohnwachstum hat sich trotz Anspannung auf dem Arbeitsmarkt endlich wieder erholen können. Dennoch ist der Dollar in handelsgewichteter Sicht in der Woche um nahezu 1,4% zurückgegangen.

Bemerkenswert ist, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im März laut Marktmeinung nun nur noch bei 10% liegt. Unserer Ansicht nach ist dies angesichts des gesunden US Arbeitsmarktes, der für die Entscheidungsträger der Federal Reserve im Fokus steht, eine deutliche Fehlbewertung.

Der Anstieg des Euros war für viele Unternehmen eher überraschend, da erwartet wurde, dass der Abwärtstrend gegen den Dollar fortgeführt wird. Viele europäische Unternehmen haben sich dies durch die Absicherung ihrer Positionen und Dollar-Käufen zum Vorteil gemacht.

Die wichtigsten Währungen im Überblick:

EUR

Der Arbeitsmarkt in der Eurozone zeigt weiterhin solide Verbesserungen. Die Arbeitslosigkeit fiel im Dezember auf 10,4%. Auch wenn der Wert noch immer unzumutbar hoch ist, ist dies das niedrigste Niveau seit Ende 2011. Eine solide Arbeitsplatzschaffung in Spanien bleibt weiterhin mit 36.000 neuen Arbeitsplätzen ein Faktor, der im Hinblick auf die großen Volkswirtschaften in der Eurozone heraussticht.

Trotzdem reflektiert dies in absoluten Werten noch immer eine hohe Konjunkturflaute. Der Deflationsdruck wird wahrscheinlich in nächster Zeit nicht abklingen und die Inflationserwartungen nähern sich tatsächlich schon Rekordtiefen.

Wir denken, dass weitere Lockerungsmaßnahmen schon zu der EZB-Sitzung im März verkündet werden könnten. Zudem rechnen wir mit einer Senkung des Repo-Satzes weiter in den negativen Bereich und einer zusätzlichen Erweiterung des QE Programms.

Aufgrund dieser Prognosen wird es der Euro sehr schwer haben weiter über 1,10 US Dollar zu bleiben.

USD

Die Markterwartungen zur künftigen Entwicklung der Zinserhöhungen durch die Fed bleiben weiterhin der Haupttreiber hinter den globalen Bewegungen am Finanzmarkt.

In der letzten Woche waren diese Erwartungen unangetastet, bis der Beschäftigungsbericht aus Januar veröffentlicht wurde. Trotz einer leicht enttäuschenden Kerninflation, waren die Details sehr ermutigend. Die Arbeitslosigkeit sank auf ein 8-Jahrestief auf 4,9%. Damit wurde die psychologische Grenze von 5%, die die Fed als Vollbeschäftigung ansieht, gebrochen.

Zudem sind die Löhne im Januar um starke 0,5% gestiegen und wachsen nun auf das ganze Jahr betrachtet um 2,5%. Mit einer gemessenen Inflation, die sich in Richtung Null bewegt, bedeutet dies zum ersten Mal seit der Krise solide Lohnsteigerungen für US Arbeitnehmer.

Die Fed hat deutlich gemacht, dass sie nur auf Marktvolatilitäten reagieren wird, solange diese die inländischen Bedingungen der USA beeinflusst. Der Arbeitsmarktbericht ist ein Beweis dafür, dass die US Wirtschaft von Marktschwingungen relativ wenig beeinflusst wird.

Die Zinsmärkte deuten kaum auf eine Erhöhung in 2016 hin – dies ist für uns eine erhebliche Fehlbewertung. Daher sollte der Dollar seinen Aufwärtstrend wieder aufnehmen, sobald die Fehlbewertung korrigiert wird.

GBP

Die Bank of England sendet weiterhin gemäßigte Signale. Auf der MPC-Sitzung im Februar hat Ian McCafferty seine zuvor abweichende Meinung geändert und nun auch für unveränderte Zinssätze gestimmt. Damit war das Votum einstimmig. Zudem hat der Ausschuss auch die Erwartungen zum kurzfristigen Wachstum nach unten revidiert.

Unverändert bleibt die Erwartung, dass sich die Inflation bis zum Ende des Prognosehorizonts in 2018 über das 2%-Ziel entwickelt. Aus diesem Grund erwarten wir weiterhin eine Zinserhöhung zum Ende des Jahres 2016 und stimmen nicht mit dem Zinsmarkt überein, der bis 2018 keine Zinserhöhung einpreist.

Wir denken, dass der straffe Arbeitsmarkt die Unsicherheit über das Brexit Referendum wieder ausgleichen wird und dass das Wachstum in 2016 über 2% beibehält.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.