Aktien und Rohstoffe erholen sich, drohender Brexit drückt aufs Pfund

Enrique Díaz-Álvarez22/Feb/2016Devisenmarkt

Aktien- und Rohstoffmärkte stiegen in der letzten Woche, als die günstigen Preise Investoren anlockten und die Märkte weitere Lockerungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan einpreisten.

Das Hauptereignis der vergangenen Woche war das Abkommen zwischen David Cameron und der Europäischen Union, die Großbritannien in eine „besondere Lage” versetzt. Das Datum des Referendums steht nun fest – es wurde auf den 23. Juni gelegt.

Das britische Pfund beendete die Woche am Freitag mit einem starken Anstieg. Allerdings gingen die Kursgewinne heute Morgen wieder verloren, als der einflussreiche Londoner Bürgermeister, Boris Johnson, verkündet hat, dass er für den Austritt aus der EU kämpfen wird.

Die meisten Schwellenländer-Währungen profitierten in der vergangenen Woche von risikofreudigeren Investoren und besserten so ihr kürzlich sehr niedriges Niveau etwas auf. Hierbei fielen besonders der südafrikanische Rand und der mexikanische Peso, der durch eine überraschende Zinserhöhung der Zentralbank Banxico anstieg, auf.

Die wichtigsten Währungen im Überblick:

EUR

Wirtschaftsdaten waren letzte Woche rar in der Eurozone.

Die einzige nennenswerte Veröffentlichung war der ZEW-Indikator zu den Erwartungen der Anleger, der häufig Wachstum anzeigt. Allerdings waren die Nachrichten nicht sehr beruhigend, da die Werte zum zweiten mal in Folge gesunken sind.

Wenn diese pessimistischen Neuigkeiten auch in der Stimmung der PMI-Indikatoren in dieser Woche widergespiegelt werden, wird dies massiven Druck auf die EZB ausüben im März aggressiver zu agieren.

Daher ist die aktuelle Situation für eine kommende Euro-Stärke nicht förderlich.

GBP

Auch wenn sich der Markt auf die Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU konzentrierte, gab es noch weitere interessante Neuigkeiten aus der Wirtschaft.

Es werden mehr und mehr Arbeitsplätze geschaffen, allerdings hat sich der Lohndruck dadurch noch nicht wirklich erhöht. Die Beschäftigung im Dezember stieg stark an, mit 28.000 Stellen, und die Arbeitslosenquote blieb mit 5.1% auf dem geringsten Niveau seit 2005. Allerdings sanken die durchschnittlichen Wochenverdienste mit 0,2% auf 1,9%. Auch die Kerninflation nahm im Januar um 0,2% ab und ist auf einem Niveau von 1,2%.

Ohne Inflationsdruck hat die Bank of England einen größeren Handlungsspielraum, um eine mögliche Zinserhöhung bis auf Ende des Jahres 2016 zu verzögern. Allerdings denken wir, dass die Zinsmärkte nach aktuellem Stand falsch eingepreist sind, da sie bis 2019 noch keine Erhöhung widerspiegeln.

Das britische Pfund hat die makroökonischen Daten größtenteils ignoriert, während sich Händler weiterhin auf den möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU fokussiert haben. Momentan liegt ein Verbleiben in der EU im Stimmungsbarometer noch vorn, aber die Brexit-Befürworter haben mit Boris Johnsons Unterstützung Aufschwung bekommen und dies wird kurzfristig zu einem Abwärtsdruck auf das britische Pfund führen.

USD

Die US Wirtschaft hält noch immer gegen die globale Abschwächung und den deflationären Druck stand.

Wir haben eine erhebliche, überraschende Aufwärtsentwicklung der Inflation im Januar beobachtet. Der Kernindikator, der volatile Nahrungsmittel und Energiekomponenten ausschließt, stieg auf 2,2% auf annualisierter Basis – viel stärker als erwartet. Dieser Indikator ist nun innerhalb des langfristigen Ziels der Federal Reserve und scheint das starke Lohnniveau aus dem letzten Arbeitsmarktbericht im Januar zu validieren.

Diese soliden Inflationswerte stimmen nicht mit der derzeitigen Markterwartung überein, die noch nicht einmal eine volle Zinserhöhung in diesem Jahr einpreist. Wir denken, dass diese Erwartungen korrigiert werden, sodass der Dollar in den nächsten Quartalen allmählich steigen wird.

Erhalten Sie diese Marktupdates per E-Mail.

Print

Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.