Pfund und Schwellenländer-Währungen steigen an; alle Augen auf EZB-Treffen am Donnerstag

Enrique Díaz-Álvarez18/Apr/2016Devisenmarkt

Die Märkte waren letzte Woche in einer entschieden optimistischen Stimmung. Die Rohstoffpreise stiegen angeführt vom Öl und so unterschiedliche Währungen wie dem südafrikanischen Rand, der brasilianische Real und das britische Pfund profitierten von dem Willen der Investoren, Risiken einzugehen und Vermögenswerte zu kaufen, die sich durch die große Unsicherheit im ersten Quartal verbilligt hatten. Es ist schwierig einen spezifischen Datenpunkt in der vergangenen Woche auszumachen, der die Währungskäufe antrieb, aber vielleicht waren die Wirtschaftsnachrichten aus China, die besser als erwartet ausfielen, der entscheidende Faktor.

Während diese Zeilen geschrieben werden, erhalten wir die Nachricht, dass die großen ölproduzierenden Länder sich in Doha nicht auf eine Produktionsdrosselung einigen konnten. Wir gehen nicht davon aus, dass dies große Auswirkungen auf den Handel mit Euro, US-Dollar und Britischen Pfund haben wird. Allerdings werden es Währungen, wie die vom Ölpreis abhängigen Australischen und Kanadischen Dollar oder auch Währungen der Schwellenländer, insbesondere durch die optimistischen Erwartungen für ihre entsprechende Erholung im Handel am Montag schwer haben. Jedoch meinen wir, dass die Währungsmärkte mittelfristig weiterhin durch zwei Faktoren angetrieben werden: die Politik der Zentralbanken und politische Entwicklungen. Unser Augenmerk ist nun auf das EZB-Treffen in dieser Woche gerichtet, wo wir zwar keine neuen Maßnahmen erwarten, aber Kommentare über die jüngste Stärke des Euro und die Auswirkungen dessen auf die Wirtschaft der Eurozone für möglich halten. Darüber hinaus beobachten wir natürlich den Ausgang weiterer Umfragen zum Brexit Referendum im Vereinigten Königreich. Hier konnte sich das Pfund leicht erholen, nachdem die Wahrscheinlichkeit für einen Brexit in der vergangenen Woche auf 25% gefallen war.

EUR

Die Gemeinschaftswährung zog sich in der vergangenen Woche von der Spitze der derzeitigen Bandbreite zurück und wurde von einem sehr schwachen Abschneiden der Industrieproduktion im Februar und gemäßigten Verlautbarungen von EZB-Vertretern, die ihre extreme geldpolitische Lockerungspolitik bestätigten, in Mitleidenschaft gezogen. 

In dieser Woche findet das April-Treffen der EZB statt. Es wird allgemein erwartet, dass die Zentralbank ihre Geldpolitik unverändert beibehält. Man wird sich auf die Erklärung und die Pressekonferenz nach dem Treffen konzentrieren. Die Märkte sind gespannt auf Draghis Antworten auf a) die stärkere Fokussierung auf finanzpolitische Lockerungen, auf welche übernationale Institutionen wie der IWF drängen und b) die Reaktion des Rats auf die jüngste Stärkung des Euros und ihre Auswirkungen auf die künftige Geldpolitik. Wir erwarten im Eurohandel am Donnerstag während und nach dem EZB-Treffen starke Schwankungen.

USD

Der Dollar performte in der vergangenen Woche durchwachsen. Er stieg zwar gegen die meisten europäischen Währungen, verlor aber gegen die meisten anderen an Boden, da sich die Finanzmärkte nun wieder etwas risikofreudiger zeigten. Die Umsatzzahlen des Einzelhandels waren etwas schwach, aber die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen sanken auf ein neues historisches Tief und ein echtes Rezessionsrisiko ist kaum zu erkennen, während der US-Arbeitsmarkt weiterhin keine großen Ausschläge erkennen lässt.
Der Kalender zeigt für die USA in dieser Woche ungewöhnlich wenige Aktivitäten an. Es stehen keine wichtigen Mitteilungen an und lediglich ein Mitglied des Offenmarktausschusses (FOMC) wird sich zu Fragen der Geldpolitik äußern. Der US-Dollar wird wahrscheinlich seine Bandbreite bis zum EZB-Treffen am Donnerstag halten.

GBP

Das Britische Pfund wurde durch den Verbraucherpreisindex getragen, der stärker ausfiel als erwartet und die jährliche Kerninflation auf 1,5% von 1,2% im Vormonat steigen ließ. Das Treffen der Bank of England brachte dann doch keine Überraschungen. Die Währungsmärkte ließen sich von der leicht gesunkenen Wahrscheinlichkeit eines Brexits in den jüngsten Meinungsumfragen leiten, die das Pfund gegen alle anderen europäischen Währungen und den US-Dollar steigen ließ.

Diese Woche könnten die Märkte eine Auszeit von der Fokussierung auf den Brexit nehmen, da der Arbeitsmarktbericht am Mittwoch veröffentlicht wird. Ein Aufwärtstrend der Jahreslöhne (erwartet wird ein Ergebnis von 2,2-2,3%) würde dazu führen, dass die Märkte mögliche Zinserhöhungen der Bank of England nun früher erwarten, die ja vor kurzem auf 2020 hinausgeschoben wurden. Das würde das Pfund unterstützen, welches zurzeit eher günstig gegen den US-Dollar gehandelt wird.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.