Pfund profitiert von neuesten Brexit-Umfragen; US-Dollar steigt

Enrique Díaz-Álvarez25/Apr/2016Devisenmarkt

Letzte Woche waren die kräftige Rallye des britischen Pfunds gegenüber allen G10-Währungen und der starke Abverkauf des japanischen Yen die wichtigsten Entwicklungen auf den Währungsmärkten. Beide Währungen verzeichnen scheinbar eine Korrektur der übermäßigen Verkäufe bzw. Käufe der letzten paar Wochen, da die Brexit-Befürchtungen etwas zurückgehen und die japanischen Behörden immer deutlicher machen, dass die Stärke des Yen unerwünscht ist. In diesem Zusammenhang werden diese Woche zwei wichtige Zentralbanksitzungen entscheidend sein. Wir erwarten, dass die Bank of Japan neue aggressive Maßnahmen ankündigen wird. Sie dürfte entweder negative Zinsen für Bankenkredite einführen oder sogar Schritte in Richtung einer direkten Finanzierung der Staatsausgaben („Helikoptergeld“) unternehmen. Die Sitzung der Fed am Mittwoch ist genauso wichtig. Es wird zwar keine Zinserhöhung erwartet, aber die Erklärung wird eine entscheidende Grundlage für die Entwicklung des US-Dollars in den nächsten paar Wochen darstellen.

In der Schweiz erreicht die Schweizerische Nationalbank scheinbar ihr Ziel, den Franken vor einer Aufwertung gegenüber dem Euro zu schützen. Der ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen war letzte Woche eine positive Überraschung und ein frühes Anzeichen dafür, dass die Schweiz mit dem aktuellen Niveau des Franken leben kann. Wir gehen davon aus, dass sich der Schweizer Franken in absehbarer Zukunft in einer engen Handelsspanne rund um das aktuelle Niveau bewegen wird.

EUR

Nach der EZB-Sitzung im April bemühte sich Draghi, die Botschaft der vorherigen Sitzung beizubehalten: Die Wirtschaft der Eurozone ist weiterhin mit Abwärtsrisiken konfrontiert und die EZB konzentriert sich jetzt auf die Umsetzung der im März angekündigten Maßnahmen. Er machte keine bedeutende Aussage über den Euro oder die Währungsmärkte.

Wir gehen davon aus, dass der Euro in der nächsten Woche eine beträchtliche Volatilität aufweisen wird, da nach der Fed-Sitzung wichtige Inflations- und Wachstumszahlen für die gesamte Eurozone veröffentlicht werden.

USD

Für den US-Dollar war die Woche relativ gemischt. Aufgrund steigender Risikobereitschaft werteten die Währungen der meisten Schwellenländer gegenüber dem US-Dollar auf. Europäische Währungen und – auf recht spektakuläre Weise – der Yen verloren jedoch weiter an Boden.

Wie üblich wird die Fed-Sitzung diese Kalenderwoche dominieren. Wie bereits erwähnt, sind die Märkte recht entspannt und erwarten weder Maßnahmen noch eine verbindliche Erklärung. Wir stimmen dieser Markteinschätzung zu und gehen ebenfalls davon aus, dass der FOMC bis zur wichtigen Sitzung im Juni keine dramatischen Neuigkeiten verlautbaren wird. Die Entwicklung des US-Dollar wird vorläufig von Neuigkeiten aus anderen Teilen der Welt und von der Risikobereitschaft der globalen Finanzmärkte abhängen.

GBP

Wir weisen schon seit geraumer Zeit darauf hin, dass das Pfund insbesondere gegenüber dem Euro übertrieben stark abgestraft wurde. Grund dafür waren die überzogenen Ängste, dass das EU-Referendum zu einem Brexit und negativen Folgen führen könnte. Die kräftige Rallye der letzten Woche, bei der das Pfund gegenüber dem Euro um mehr als 2 % zulegte, könnte ein Anzeichen dafür sein, dass eine Korrektur der Pfund-Schwäche beginnt. Die Rallye war insbesondere deshalb bemerkenswert, weil die wichtigsten Wirtschaftsnachrichten der Woche, der ILO-Arbeitsbericht, nicht besonders positiv für das Pfund ausfielen. In dem Bericht wurde kein Aufwärtstrend bei den britischen Löhnen aufgezeigt und die Arbeitslosigkeit blieb bei 5,1 %.

Am Mittwoch wird die Schätzung für das BIP-Wachstum im ersten Quartal bekannt gegeben. Da die deutliche Abschwächung vom vorherigen Quartal bereits eingepreist wurde, könnten schon verhalten positive Zahlen den Ausschlag dafür geben, dass sich das Pfund weiterhin von seiner überzogenen Schwäche erholt.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.