Dollar fällt und Yen steigt nach Zentralbanksitzungen

Enrique Díaz-Álvarez03/Mai/2016Devisenmarkt

Die Federal Reserve und die Bank of Japan unternahmen in der letzten Woche keine weiteren Schritte. Doch die Reaktionen ihrer Währungen hätten nicht unterschiedlicher ausfallen können. Während der Yen gegenüber jeder Leitwährung zulegte, verlor der US-Dollar an Boden – nur der australische Dollar schnitt noch schlechter ab. Die Rally beim Yen lässt sich einfach durch enttäuschte Märkte erklären, die aggressives Handeln der Bank of Japan erwartet hatten. Demgegenüber ist die Schwäche des US-Dollars wahrscheinlich auf durchwachsene bis schwächere Konjunkturdaten aus den USA zurückzuführen. 

Unsere Kunden sind allgemein besorgt über die jüngste Volatilität, und unmittelbar vor der Sitzung der US-Notenbank kam es zu einem sprunghaften Anstieg von Sicherungsgeschäften, ähnlich wie vor jedem für die Finanzwelt bedeutenden Ereignis in den letzten Wochen.

Nach der Fed-Sitzung wird sich die gesamte Aufmerksamkeit nun den makroökonomischen Verlautbarungen zuwenden, von denen die Entscheidung über eine Zinserhöhung letztendlich abhängt. Anleger werden nach Bestätigung von Anhaltspunkten suchen, dass sich die Performancelücke zwischen den USA und der Euro-Zone schließt. Am Freitag wird der wichtigste gesamtwirtschaftliche Bericht in der Welt veröffentlicht: der US-Bericht über die Beschäftigtenzahl. Dieses Mal hat diese Veröffentlichung sogar noch größere Bedeutung, weil es sich hierbei um einen von nur zwei Berichten handelt, die vor der wichtigen Sitzung der US-Notenbank im kommenden Juni erscheinen.

Des Weiteren wartete Deutschland in der letzten Woche mit einer negativen Überraschung auf, denn sowohl die Kern- als auch die Gesamtinflation blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die jährliche Inflation ist in Deutschland wieder negativ und sank von 0,1% im März auf -0,3% im April. Diese Daten widersprechen damit direkt einigen Vorstandsmitgliedern der Bundesbank, die gegen die entschlossene geldpolitische Lockerung der EZB ankämpfen.

EUR

Trotz der ziemlich durchwachsenen Nachrichten über die Wirtschaft in der Euro-Zone setzte der Euro zu einer starken Rally gegenüber dem Dollar an. Im ersten Quartal ist das Wachstum deutlich besser als erwartet ausgefallen (0,6% nicht annualisiert gegenüber Konsenserwartungen von lediglich 0,4%). Doch das anständige Wachstum schlägt nicht auf die Inflation durch, die im April erneut auf -0,2% für das Jahr gesunken ist. Die Kernverbraucherpreise gaben deutlich von 0,3% auf 0,7% nach. Wir sollten nicht aus dem Auge verlieren, dass die Inflation die einzige makroökonomische Variable ist, für die die EZB ein Ziel aufstellt, und dass wir kein Nachlassen der geldpolitischen Lockerung erwarten sollten, bis sich ein Trend in Richtung EZB-Ziel fest etabliert.

Nachdem nun sowohl die EZB- als auch die wesentlichen makroökonomischen Daten des Monats veröffentlicht sind, werden möglicherweise politische Schlagzeilen den Euro antreiben. Wir haben Neuwahlen in Spanien nur drei Tage nach dem Referendum über den Brexit und ausserdem nicht das Gefühl, dass in Kürze ein Durchbruch bei der letzten Bewertung des Griechenland-Programms zu erwarten ist.

USD

Die Sitzung der Federal Reserve im April hat wenig dazu beigetragen, die Unsicherheiten über den Zeitpunkt von zukünftigen Zinserhöhungen zu zerstreuen. Erwartungsgemäß wurden die Zinsen nicht verändert und der Tonfall ließ allgemein mehr Zuversicht in die Beständigkeit der US-Wirtschaft erkennen. Die Fed ließ auch Hinweise auf Risiken durch globale Wirtschafts- und Finanzentwicklungen fallen und erwähnte die anhaltende Verbesserung an den US-Arbeitsmärkten und bei der Verbraucherstimmung.

Diese Verlautbarung lässt die Tür für eine Zinserhöhung im Juni offen, auch wenn dies von der weiteren globalen Finanzstabilität und soliden Arbeitsmarktberichten aus den USA abhängt.  Der nächste Bericht über die Beschäftigtenzahl am Freitag hat wieder einmal maßgebliche Bedeutung. Denn es wird lediglich einen weiteren Bericht geben, bevor die Fed entscheidet, ob sie die Zinsen im Juni erhöht – was sie nach unserer Einschätzung tun wird.

GBP

Die Unsicherheiten über das Brexit-Referendum am 23. Juni bestimmen nach wie vor die Finanznachrichten in Großbritannien. Inzwischen deuten einige Anzeichen darauf hin, dass diese Unsicherheiten auf die Realwirtschaft durchschlagen; das BIP-Wachstum ist von 0,6% im vierten Quartal 2015 leicht auf 0,4% (nicht annualisiert) im ersten Quartal zurückgegangen. 

Allerdings blicken BIP-Daten bekanntermaßen in die Vergangenheit. Wichtiger werden die Einkaufsmanagerindizes als Frühindikatoren für das Geschäftsklima sein, die am nächsten Donnerstag erscheinen. Nach unserer Einschätzung dürften sie etwas mehr Widerstandsfähigkeit als vom Konsens erwartet an den Tag legen. Das würde eine gute Unterstützung für die jüngste Rally beim Pfund Sterling bieten.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.