Dollar erholt sich trotz magerer US-Daten

Enrique Díaz-Álvarez09/May/2016Devisenmarkt

Die Währungen der G10-Länder koppelten sich in der vergangenen Woche in gewisser Weise von den gesamtwirtschaftlichen Fundamentaldaten ab. Dies zeigte sich vor allem am Freitag, als der US-Dollar einen schwächer als erwartet ausgefallenen Bericht über die Beschäftigtenzahl abschütteln und sich tatsächlich einen wöchentlichen Gewinn gegenüber den meisten europäischen Währungen erkämpfen konnte. Parallel legte er im Verhältnis zu Schwellenländer- und Rohstoffwährungen allerdings noch viel deutlicher zu.

In Ermangelung sonstiger bedeutender makroökonomischer Neuigkeiten wird der Devisenhandel diese Woche bis hin zum Bericht der Bank of England für den Monat Mai möglicherweise volatil verlaufen. Da keine Maßnahmen zu erwarten sind, werden Anleger das Protokoll der Sitzung und den Inflationsbericht genau unter die Lupe nehmen.

Sorgen bereiten unserem Kundenstamm nach wie vor zwei Dinge: Auf der einen Seite die Frage, wie lange sich der aktuelle Kursbereich von EUR/USD halten wird sowie auf der anderen Seite die Herausforderung, sich ein genaues Bild von den Veränderungen zu machen, die ein Ja für den Brexit beim Referendum in Großbritannien herbeiführen würde. Großes Interesse konnten wir am Ankauf von Schweizer Franken gegenüber dem Euro bei einem Kurs von über 1,10 beobachten. Hintergrund war die Einschätzung, dass die Februar-Höchststände von 1,1150 für dieses Währungspaar Bestand haben.

EUR

Die wichtigsten Neuigkeiten in der Euro-Zone waren in der letzten Woche die relativ negativen Prognosen der Europäischen Kommission am Montag, die der beginnenden Euro-Rally ein Ende setzten und die Währung für den Rest der Woche auf Talfahrt schickten.

Diese Woche wird am Donnerstag die Industrieproduktion in der Euro-Zone in den Mittelpunkt rücken, gefolgt von der ersten Korrektur des BIP-Wachstums für das erste Quartal am Freitag. Nach unserer Erwartung werden beide Daten für ein moderates, aber nachhaltiges Wachstum in der Euro-Zone sprechen. In diesem Fall wird der Euro-Handel überwiegend auf wirtschaftliche und politische Nachrichten aus den USA und aus Großbritannien sowie das Treffen der Euro-Gruppe am Montag reagieren, bei dem das Griechenland-Programm bewertet wird. Ähnlich wie in Großbritannien erwarten wir, dass politische Risiken erste Auswirkungen auf den Euro-Handel zeigen, jetzt wo an geldpolitischen sowie wirtschaftlichen Fronten relative Ruhe eingekehrt ist.

USD

Ein schwächelnder Arbeitsmarktbericht in den USA hinterließ einen bitteren Nachgeschmack nach einer Woche mit überwiegend positiven wirtschaftlichen Nachrichten. Während die Zahl der neu geschaffenen Stellen enttäuschte, enthielt der Bericht aber auch Erfreuliches: Die Lohnzuwächse haben sich auf 2,5% für das Jahr erholt.

Die Frage ist nun, wie sich der Arbeitsmarktbericht für April auf die Prognosen der US-Notenbank auswirkt. Das heißt, ob sich die FOMC-Mitglieder eher auf die leicht abgeschwächte Beschäftigungsentwicklung oder aber auf die positiveren Nachrichten über Lohnsteigerungen konzentrieren werden. Die FOMC-Mitglieder Evans, Mester, Rosengren und George werden diese Woche Reden halten. Für die Kommunikation aufseiten der US-Notenbank ist das ungewöhnlich aktiv. Diese Woche werden wir ein deutlich klareres Bild bekommen, wie in den USA die Chancen für eine Zinserhöhung im Juni stehen und in welche Richtung sich der US-Dollar kurzfristig bewegen wird.

GBP

Angesichts der enttäuschenden Nachrichten, die in der letzten Woche in Großbritannien publiziert wurden, ist die Widerstandsfähigkeit des Pfund Sterling bemerkenswert. Die wichtigen PMI als Frühindikatoren für das Geschäftsklima überraschten allesamt durch ihren Rückgang. Dabei fiel der Composite PMI um ganze 1,4 Punkte auf 51,9 Punkte. Das ist der niedrigste Wert in der 3 Jahre alten Reihe. Trotz dieses klaren Anzeichens, dass die Stimmung in den Unternehmen in erheblicher Weise durch die Unsicherheiten über das Referendum in Mitleidenschaft gezogen wird, schloss das Pfund Sterling mit einem Minus von nur knapp 0,5% im Verhältnis zum Euro.

Diese Stabilität ist ein Beleg dafür, dass gesamtwirtschaftliche Nachrichten für Bewegungen des Pfund Sterling an Bedeutung verlieren. Stattdessen spielen politische und geldpolitische Unsicherheiten eine dominierende Rolle. Äußerst interessant wird es werden, wie das Geldpolitikkomitee gegebenenfalls auf diese jüngste Schwäche bei den britischen Daten reagieren wird und ob der Inflationsbericht immer noch ein Übertreffen der Inflationszielgröße über den Prognosehorizont der BoE wie im Februar vorhersagen wird.

Erhalten Sie diese Marktupdates per E-Mail.

Print

Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.