Händler warten Datenflut im Juni ab und lassen Devisenmärkte auf der Stelle treten

Enrique Díaz-Álvarez31/May/2016Devisenmarkt

In unserem letzten Wochenbericht schrieben wir, die nun vergangene Woche werde sicherlich die letzte der Ruhe vor dem Sturm im Juni. Und tatsächlich liegen erneut recht ereignislose sieben Tage hinter uns, was Überraschungen bei veröffentlichten Daten, wichtige Neuigkeiten und Währungsbewegungen betrifft. Alle großen Währungen lagen zum Schluss innerhalb einer Spanne von einem Prozent um ihren Wert zum Wochenauftakt, was nicht oft vorkommt. Das britische Pfund setzte mit den schwindenden Ängsten vor einem Ja zum Brexit im anstehenden Referendum seine Aufwertung vom Mehrjahrestief gegenüber dem Euro und dem Dollar fort.

In dieser Woche werden wir die ersten der vielen entscheidenden Wirtschaftsdaten im Juni erhalten. Der Bericht zur Arbeitsmarktlage in den USA am Freitag wird in unseren Augen ausschlaggebend dafür sein, ob die US-Notenbank Fed im späteren Monatsverlauf weitere Zinsanhebungen vollziehen wird. Selbst in dem Fall, dass die Zahlen gerade eben die Erwartungen erfüllen, dürfte dies für grünes Licht für den zweiten Zinsschritt in den USA seit 2006 ausreichen. Maßgeblich wird auch die EZB-Sitzung am Donnerstag sein – wir gehen von behutsam abgestimmten Verlautbarungen aus, die den Märkten wenige Informationen an die Hand geben werden.

Unsere Kunden sichern weiterhin ihr Pfund-Exposure sowohl bei Long- als auch bei Short-Positionen weit vor der Brexit-Abstimmung ab. Bemerkenswert war, dass Schweizer Unternehmen die hohen Notierungen vieler Währungen für Zukäufe nutzten.

Euro

Im Euroraum verzeichnete der wichtigste zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex zum Geschäftsklima in der vergangenen Woche einen kleinen, aber nichtsdestoweniger besorgniserregenden Einbruch. Angesichts der gewaltigen geldpolitischen Anreize zur Ankurbelung der Wirtschaft im Euroraum hätten wir eher Ausschläge in die andere Richtung erwartet.

Dies und die in den zurückliegenden Wochen veröffentlichten Inflationsdaten werden auf dem Treffen des EZB-Rats in der kommenden Woche sicher nicht begrüßt werden. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die EZB mit weiteren Schritten oder Mitteilungen an die Märkte zurückhalten wird, um den bislang umgesetzten Maßnahmen mehr Zeit zu geben, ihre Wirkung zu entfalten. Sollte jedoch ein nachhaltiger Anstieg der Inflation und der Einkaufsmanagerindizes ausbleiben, so sehen wir die Möglichkeit, dass die Wirtschaftsnachrichten für den Euroraum auch im weiteren Verlauf des Sommers von Konjunkturanreizen beherrscht werden.

US-Dollar

Der positive Grundton der jüngsten gesamtwirtschaftlichen Daten und die ungebrochen restriktiven Äußerungen von Mitgliedern des Offenmarktausschusses der Fed haben zu einer kräftigen Erholung des Dollars geführt und die Zinsmärkte verunsichert. Die ‚Datenabhängigkeit‘ einer Zinsanhebung im Juni läuft im Wesentlichen auf den Arbeitsmarktbericht hinaus, der am kommenden Freitag publik wird. Dessen Zahlen dürften vom großangelegten Verizon-Streik belastet werden, in dessen Verlauf rund 40.000 Beschäftigte die Arbeit niederlegten. Um diesen Einmaleffekt bereinigt, gehen wir erneut von einer Zahl um die 200.000 aus, die den Weg für den zweiten Zinsschritt dieses Zyklus seitens der Fed zu einem späteren Zeitpunkt im Monat frei machen und dem Dollar weiterhin gute Schützenhilfe leisten wird.

Britisches Pfund

Mangels neuer wirtschaftlicher Daten oder geldpolitischer Ankündigungen verlief der Pfund-Handel in der vergangenen Woche erneut in Reaktion auf die jüngsten Umfrageergebnisse zum Referendum. Die Nachrichten waren ermutigend, und die Chancen, dass es zu einem EU-Ausstieg kommt, scheinen nunmehr deutlich unter 20 % zu liegen. Wenig überraschend schnitt das Pfund die gesamte Woche über gut ab und wertete gegenüber den meisten der mit ihm vergleichbaren Währungen auf.

Mit der Ebbe an wichtigen Informationen dürfte es kommende Woche vorbei sein. Unser Augenmerk gilt der Rede von Mark Carney, dem Gouverneur der britischen Zentralbank, am Donnerstag, und den entscheidenden konjunkturellen Frühindikatoren des Einkaufsmanagerindex, die am Donnerstag und Freitag veröffentlicht werden, wobei wir bereits erste positive Impulse aufgrund der neuesten Umfragen zum Geschäftsvertrauen erwarten.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.