US-Dollar wankt nach schwachen Arbeitsmarktzahlen

Enrique Díaz-Álvarez06/Jun/2016Devisenmarkt

Die Rally des US-Dollar kam kurzfristig abrupt ins Stocken, zumindest in der vergangenen Woche. Der schwache Bericht über die Beschäftigtenzahl in den USA vom Mai veranlasste die Märkte dazu, eine mögliche Zinsanhebung im Juni durch die Federal Reserve quasi auszuschließen, weshalb es sehr wahrscheinlich ist, dass es bis Jahresende höchstens zwei Anhebungen geben wird.

Diese Bewegung veranlasste die Trader dazu, den US-Dollar gegen alle anderen großen Währungen zu verkaufen und der Greenback verzeichnete eine seiner schwächsten Wochen in Monaten und beendete sie mit einem Minus von 2% gegenüber dem Euro. Die große Ausnahme war das Pfund, das die ganze Woche unter Druck geriet, da Umfragen darlegten, dass ein Brexit nach wie vor ein möglicher Ausgang des Referendums ist. Es entwickelte sich in der Woche sogar schwächer als der Dollar sowie alle anderen großen Währungen.

Alle Augen richten sich auf die Aussage am heutigen Montag von Janet Yellen über die Geldpolitik. Es wird erwartet, dass sie unter Berücksichtigung der enttäuschenden Arbeitsmarktdaten vom Freitag weitere Informationen über die Zinsanhebungen bis zum Ende des Jahres 2016 liefert. Die Märkte erwarten, dass sie andeuten wird, dass es bis Jahresende lediglich eine Zinsanhebung geben wird. Außerhalb der USA wird die kommende Woche keine bedeutenden Schlagzeilen bieten und die politischen Ereignisse werden im Mittelpunkt stehen. Die Debatten zum Referendum am Dienstag sowie am Donnerstag werden für das Pfund von größter Bedeutung sein.

Außerhalb der G10-Staaten kamen Fragen zum nigerianischen Naira auf. Unseren Kunden mit Ausrichtung auf Schwellenländer bereitet eine mögliche Abwertung immer mehr Sorgen, die sehr hohen Absicherungskosten erschweren jedoch die Entscheidung, dieses Engagement abzusichern.

In der Schweiz stehen nächste Woche zwei Zahlen im Vordergrund. Die am Dienstag veröffentlichten Devisenreserven werden uns Informationen über die Maßnahmen der Zentralbank an den Devisenmärkten in den kommenden Wochen geben. Die Inflationszahlen werden am Mittwoch veröffentlicht und sie dürften aufgrund der jüngst höheren Ölpreise besser ausfallen.

Euro

Wie erwartet hat die EZB ihre Leitzinsen in der vergangenen Woche beibehalten. EZB-Präsident Mario Draghi schlug einen vorsichtigen Ton an und enttäuschte somit einige Marktkommentatoren, die mit einer leicht optimistischen Aussage der EZB gerechnet hatten. Die Inflationserwartungen wurden leicht korrigiert. Mario Draghi erwähnte, dass die Risikobilanz der Prognosen sich leicht verbessert hat, untermauerte jedoch auch, dass die EZB bereit, gewillt und fähig sei, die Konjunkturanreize zu verstärken, sollten die momentanen Maßnahmen nicht die gewünschten Ziele erreichen.

Wir erwarten keine umfassenden Änderungen der Aussagen oder der Politik bis mindestens zur September-Sitzung. Die EZB wird somit von der Bildfläche verschwinden und der Euro wird sich im Einklang mit zwei Faktoren entwickeln. Zunächst sind da die Aussagen der Mitglieder der Federal Reserve und dann die bevorstehenden politischen Risiken. Zu dem Referendum in Großbritannien kommen die Wahlen in Spanien am 26. Juni hinzu. Diese könnten dazu führen, dass eine linke Regierung von Podemos gestellt wird, was wiederum eine Konfrontation mit Brüssel bezüglich der Ausgaben und dem Zeitplan der Senkung des spanischen Defizits zur Folge haben könnte.

US-Dollar

Es wurde der schwächste Bericht des Arbeitsmarkts in beinahe sechs Jahren verzeichnet. Es wurden lediglich 38.000 neue Stellen geschaffen und die Daten der zwei vorherigen Monate wurden nach unten korrigiert. Die Arbeitslosenquote sank stark auf 4,7%, dies ist jedoch hauptsächlich auf die sinkende Zahl der Beschäftigten zurückzuführen und hat somit nur wenige Auswirkungen auf die Prognose der Fed. Der einzige Lichtblick am Horizont war der stabile Lohnanstieg von 2,5% für das Jahr.

Diese enttäuschenden Zahlen schließen eine Zinsanhebung im Juni quasi aus. Eine Anhebung im Juli hängt von einer starken Erholung der Daten im Bericht für den kommenden Monat ab, was die Sorgen über eine schwächelnde Wirtschaft in den USA lindern würde. Wir erwarten, dass dies am Montag das Hauptthema in der Ansprache von Janet Yellen über die Geldpolitik sein wird.

Britisches Pfund

Es war eine sehr harsche Woche für das Pfund. Die aufkommende Euphorie, da die Umfragen auf einen Verbleib hindeuteten, ließ nach, als neue Umfragen der vergangenen Woche einen weitaus ungewisseren Ausgang des Referendums darlegten. Die Buchmacher setzen nun stärker auf ein Brexit als zuvor (Anstieg von 20% auf etwa 27%). Unsere bevorzugte Vorhersage, die durch einen Hochleistungsrechner ermittelt wurde, liegt jedoch bei nicht mehr als 22%, dass ein solches Ereignis eintrifft.

Auch wenn er oftmals von den Märkten nicht berücksichtigt wird, verbesserte sich der Einkaufsmanagerindex als Frühindikator für das Geschäftsklima leicht auf 53, ein Niveau, das im Einklang mit einem BIP-Wachstum von etwa 2% ist. Das ist ein recht ordentliches Ergebnis, wenn man die ganze Unsicherheit rund um das Referendum berücksichtigt. Und wir sind der Meinung, dass das Geschäftsvertrauen stark anziehen könnte, sollte Großbritannien sich, wie wir es vermuten, am 23. Juni für einen Verbleib in der EU äußern.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.