Brexit: Die neusten Updates

Enrique Díaz-Álvarez28/Jun/2016Devisenmarkt

Update Mittwoch 29.06.2016

  • Die Märkte zeigen endlich vorläufige Anzeichen von Stabilisierung. Pfund Sterling hat sich leicht erholt und über 1.33 gegen den Dollar und über 1.20 gegen den Euro geschlossen. Die globalen Aktienindizes haben in großen Teilen zugelegt und zwischen 2-4% höher geschlossen, die grossen Verluste seit dem Referendum aber nicht annähernd gut gemacht. Dafür ist grösstenteils die Befürchtung  von Intervention der Zentralbanken verantwortlich, sollte hohe Volatilität weiterhin vorherrschen. Zudem lässt das (vorübergehende) Ausbleiben von finanziellen Schwierigkeiten von wichtigen globalen Finanzinstituten darauf schliessen, dass das Finanzsystem besser und stärker aufgestellt ist als noch 2008.
  • Die Unsicherheit über den genauen Zeitpunkt der Aktivierung von Artikel 50 ist weiter gestiegen. Weitere respektierte Analysten (z.B. Martin Wolf) suggerieren, dass nur das Parlament den Artikel aktivieren kann. Alles das lässt auf eine signifikante Verzögerung im Austrittprozess schliessen.

  • Die kommenden Tage warten mit keinerlei wichtigen ökonomischen Daten auf. Heute werden Zuversichtsdaten aus der Eurozone für den Monat Juni publiziert, welche aber die Auswirkungen des Brexit noch nicht beinhalten.

  • Nach der Absage des heutigen EZB Forums, an dem Reden von Draghi, Yellen und Carney geplant waren, wird die nächste Kommunikation von einer wichtigen Zentralbank am morgigen Donnerstag kommen. Bullard, Mitglied des Offenmarktausschusses (FOMC), spricht in London.

Update Dienstag 28.06.2016

  • Die Sterling-Märkte sind weiterhin unter Druck, allerdings haben wir am Ende des vergangenen Tagen auch Anzeichen einer Stabilisierung gesehen. Das britische Pfund scheint bei der Marke von 1,32 eine Unterstützung gefunden zu haben, der genau 10% von dem Level entfernt ist, mit dem wir in der vergangenen Woche gestartet sind. Die Banken gerieten ebenfalls stark unter Druck, haben sich aber von den Tiefpunkten erstmal erholt. Da keine der Banken zu sehr ungewöhnlichen Aktionen gegriffen hat, ist davon auszugehen, dass sie aktuell nicht in Turbulenzen stecken. Die italienischen Banken werden als das schwächste Glied angesehen – im Besonderen die Intesa Sao Paolo muss beachtet werden. Der morgige Tag wir daher sehr wichtig sein und zeigen, ob es wieder aufwärts geht. Die Erholung spanischer Staatsanleihen auf dem Rücken der Niederlage des linken Lagers bei den spanischen Wahlen sind ein Anzeichen hierfür.

  • Die politische Unordnung in der UK hat sich heute nicht verbessert. Boris Johnsons halbherziger Versuch Optimismus zu verbreiten wurde von den Märkten abgetan. Die Aktivierung des Artikel 50, der das auf zwei Jahre beschränkte Zeitfenster für den Ausstieg der UK aus der EU in Gang setzt, wird weiter nicht klar angesprochen. Cameron wird es nicht machen und es ist sehr wahrscheinlich, dass am Ende die Erlaubnis des Parlaments gebraucht wird, was ein weiteres Hindernis darstellen würde.

  • Eine Minderheit an Kommentatoren spekuliert mittlerweile darauf, dass der Artikel 50 niemals in Kraft treten wird. Sie führen als Präzendenzfall das dänische Referendum zum Maastricht Vertrag an, das unsprünglich negativ ausfiel. Darauf wurden weitere Zugeständnisse gemacht und der Vertrag wurde in einem weiteren Referendum mit großer Mehrheit bestätigt.

  • Die weitere Reaktion der Bank of England wird eine Schlüsselrolle spielen. Wir rechnen mit Zinssenkungen im nächsten Meeting.

  • Die veröffentlichten Daten der nächsten Woche werden durch den überraschenden Ausgang des Referendums eher bedeutungslos sein. Die ersten relevanten Daten werden mit den CBI Business Optimism Data in der dritten Juli-Woche erscheinen. Weitere exakte Indikationen über die Auswirkungen auf die Unternehmensinvestitionen werden erst in der ersten August-Woche möglich sein, wenn die PMI-Daten von Juli veröffentlicht werden.

  • Bemerkenswert ist die Belastbarkeit der Emerging Markets. Der Index der Emerging Markets Currencies hat seit der letzten Woche um weniger als 2% verloren – eine vergleichsweise beeindruckende Leistung.

 

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.