Eine weitere harte Woche für das britische Pfund

Enrique Díaz-Álvarez11/Jul/2016Devisenmarkt

Wer nach einem Silberstreif Ausschau hält, mag vielleicht Trost darin finden, dass die wöchentlichen Verluste beim britischen Pfund an Tempo verlieren und die Währung bei einem Niveau von knapp unter 1,30 eine gewisse Unterstützung zu finden scheint. Allerdings lässt sich nicht bestreiten, dass das Umfeld politischer Instabilität in Großbritannien zusammen mit der Nachricht, dass weitere Immobilienfonds Anteilsrücknahmen ausgesetzt haben, dem Pfund im Verhältnis zu den meisten Leitwährungen nicht wohl bekommen ist.

Auf den G10-Devisenmärkten zeichnete sich anderswo das Muster ab, dass sich eine Währung in der vergangenen Woche umso besser entwickelte, je weiter sie von Großbritannien entfernt ist. Der US-Dollar konnte sich gegenüber allen europäischen Währungen gut behaupten, denn er wurde durch robuste Zahlen vom Arbeitsmarkt beflügelt. Die Entwicklung der Löhne im Jahresvergleich gegenüber der Kerninflation in den USA muss die US-Notenbank zweifellos nachdenklich stimmen: Nachhaltiges Reallohnwachstum wurde vom Offenmarktausschuss (FOMC) als eine der wesentlichen Entwicklungen bezeichnet, die er als Voraussetzung für eine Zinserhöhung erwartet.

Die guten Nachrichten aus dem US-Beschäftigungsbericht sind einer der wesentlichen Gründe, warum der Dollar nach unserer Einschätzung seinen Höhenflug im Verhältnis zum Euro wieder aufnehmen wird.

Ebenfalls stark präsentierten sich in der vergangenen Woche der japanische Yen, der australische und der neuseeländische Dollar, die von allen am besten abschnitten. Besonders erwähnenswert ist die Rally beim argentinischen Peso, der unter Spitzenperformern nicht oft zu beobachten ist. Das gegenwärtige Marktumfeld lässt sich am besten mit selektiver Risikobereitschaft beschreiben. Anleger meiden europäische Vermögenswerte – mit Ausnahme von Staatsanleihen – und stürzen sich auf Aktien, die als relativ sicher gegen Brexit-Konsequenzen eingeschätzt werden. Dies betrifft insbesondere US-Aktien, die die letzte Woche mit einem Allzeitrekord beendeten.

In dieser Woche werden wir die ersten belastbaren Anhaltspunkte für die Auswirkungen des Referendums erhalten. Die Juli-Sitzung der Bank of England steht dabei offensichtlich im Mittelpunkt. Genauso wichtig wie die tatsächliche Zinsentscheidung wird das Protokoll der Sitzung sein.

EUR

In der letzten Woche erhielten wir die ersten Anhaltspunkte für die Auswirkungen des Referendums auf das Vertrauen in der Euro-Zone, und die waren keineswegs erfreulich. Der Sentix-Index, der das Vertrauen von Anlegern abbildet, fiel mit 7,2 Punkten sehr viel deutlicher als erwartet. Dies ist zwar nicht ganz so kritisch wie die zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Monat veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes, liefert dennoch aber einen weiteren Beleg dafür, dass die Auswirkungen, die der Ausgang des Referendums in der Euro-Zone mit sich bringt, von den Märkten möglicherweise unterschätzt wurden. Durch die größer werdende Kluft zwischen Wirtschaftsleistung, Anlegervertrauen und Geldpolitik bei US-Notenbank (Fed) und Europäischer Zentralbank (EZB) dürfte der Euro in den kommenden Wochen weiter unter Druck gesetzt werden.

USD

Die soliden Zahlen vom US-Arbeitsmarkt aus der vergangenen Woche dürften Sorgen über die Möglichkeit einer Rezession in den USA ein Ende bereiten.  Unter dem Strich wurden 287.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, so dass sich der 6-Monatsdurchschnitt auf 172.000 Stellen erhöht. Für Beruhigung sorgten aber noch weitere Faktoren. Auch wenn die Arbeitslosenquote um 0,1% auf 4,9% zulegte, war dies ausschließlich auf einen Anstieg der Erwerbsquote auf 62,7% zurückzuführen. Die Unterbeschäftigungsquote sank ebenfalls und erreichte mit 9,6% einen weiteren Tiefstand im Zyklus. 

Die robusten Zahlen führten dazu, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed in 2016 vom Markt wieder mit 22% eingepreist wird. Wir halten dies für viel zu niedrig. Da die Wirtschaft und das Finanzsystem in den USA nicht von den Folgen des Referendums beeinflusst werden, dürfte die Fed in der Lage sein, die Zinsen 2016 zumindest einmal und 2017 weitere zwei- bis dreimal zu erhöhen. Die daraus resultierende Unterstützung dürfte dem Dollar in den kommenden Monaten eine Outperformance im Verhältnis zu mehr oder weniger allen bedeutenden Vergleichswährungen bescheren.

GBP

Da in dieser Woche keine wichtigen Daten veröffentlicht werden, in denen sich die Folgen des Referendums widerspiegeln, sind alle Blicke fest auf die Sitzung der Bank of England am Donnerstag gerichtet. Der Konsens scheint geteilter Meinung zwischen unveränderten Zinsen und einer Zinssenkung von lediglich 0,25% auf 0,25% zu sein. Wir neigen zu Letzterem und wären nicht überrascht, wenn die Zinsen sogar bis auf 0% gesenkt würden. Das Protokoll der Sitzung wird genauso wichtig wie die eigentliche Zinsentscheidung sein; es wird nämlich den ersten detaillierten Blick auf die Reaktion von Politikern auf den Schock nach dem Referendum liefern.

Währungsbewegungen als Reaktion auf dieses Ereignis lassen sich noch schwerer als sonst vorhersagen. Wir haben das Gefühl, dass sich die aggressive geldpolitische Lockerung bereits im Pfund widerspiegelt, und erwarten, dass seiner Talfahrt bei den derzeitigen Ständen gegenüber dem Euro Einhalt geboten wird. Die Tatsache, dass sich die Aussetzung von Anteilsrücknahmen bei Immobilienfonds (bislang) nicht auf andere Anlagenklassen ausgebreitet hat, ist ebenfalls ein willkommenes Signal für eine Stabilisierung auf den britischen Finanzmärkten.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.