Düstere Geschäftsklimadaten nach dem Brexit belasten das britische Pfund

Enrique Díaz-Álvarez25/Jul/2016Devisenmarkt

Inzwischen liegen mit den Einkaufsmanagerindizes für Juli die ersten wesentlichen Kennzahlen aus der britischen Wirtschaft vor, die nach dem EU-Referendum über das Geschäftsklima erhoben wurden. Die Zahlen fielen dabei noch schlechter aus als vom Markt erwartet und bewegen sich auf einem Niveau, das in Großbritannien für den Beginn einer Rezession in diesem Quartal spricht.

Diese Zahlen standen in deutlichem Kontrast zu dem stetigen Strom positiver Überraschungen, der uns aus den USA, insbesondere vom dortigen Immobilienmarkt, erreicht. Gleichzeitig unternahm die Europäische Zentralbank (EZB) alles Mögliche, um sich herauszuhalten, indem sie die Geldpolitik unverändert beließ und kaum Informationen über deren zukünftigen Verlauf offenbarte.

Vor diesem Hintergrund gab es bei den Währungen in der vergangenen Woche keine überraschenden Bewegungen. Der US-Dollar legte gegenüber jeder Leitwährung in der Welt zu, während europäische Währungen unter Druck standen. Sie verbuchten Verluste zwischen 0,6% und 1,2% im Verhältnis zum Dollar.

Die Aufmerksamkeit verlagert sich von makroökonomischen Neuigkeiten in der nächsten Woche wieder auf die Zentralbankpolitik. Die Sitzung der Bank of Japan ist (abermals) mit hohen Erwartungen verknüpft. Die überwiegende Mehrheit der Strategen (uns eingeschlossen) rechnet mit einer bedeutenden Lockerung durch eine Senkung der Zinsen vom gegenwärtigen Stand von -0,1% in Kombination mit höheren direkten Ankäufen von Risikoanlagen.

Wichtiger noch ist vielleicht, dass wir klare Hinweise für eine Abstimmung mit der japanischen Regierung bei fiskalischen Fördermaßnahmen erwarten; ob diese Abstimmung zu „Helikoptergeld“ führt oder nicht, ist nach unserer Auffassung weniger von Bedeutung. Für den Yen wird es schwierig werden, seine aktuellen hohen Stände aufrechtzuhalten, wenn die BoJ unseren Erwartungen entsprechend handelt.

Die weitere maßgebliche Sitzung in der nächsten Woche findet auf der anderen Seite des Pazifiks statt, denn die US-Notenbank (Fed) tagt am Mittwoch. Mit einer Änderung an der Geldpolitik wird zwar nicht gerechnet, wir gehen aber davon aus, dass die jüngste Festigung von US-Wirtschaftsindikatoren in der anschließenden Erklärung bestätigt wird. Möglicherweise werden sich die Märkte dazu entscheiden, die klaffende Lücke zwischen dem vorsichtigen Optimismus der Fed und den extrem niedrigen Erwartungen für Zinserhöhungen an den Märkten ins Visier zu nehmen, die den US-Dollar unterstützen würde.

EUR

Vonseiten der Europäischen Zentralbank (EZB) gab es in der letzten Woche keine Überraschungen. Dieses Mal sagte Mario Draghi keine weiteren Stützungsmaßnahmen zu. Die EZB wartet eindeutig erst einmal ab und hat gegenwärtig nahezu keine Informationen über die Auswirkungen nach dem Brexit-Votum.

Allerdings wiederholte Draghi erneut, dass die EZB weiterhin willens und fähig zum Handeln sei und bis September ein deutlich klareres Bild haben werde, wie sich der Brexit im vorangegangenen Monat auf die Wirtschaft der Euro-Zone ausgewirkt habe. Bemerkenswerterweise rief Draghi erneut ausdrücklich zu einer lockereren Fiskalpolitik auf und erklärte abermals, die Banken in der Euro-Zone blieben solvent.

Die EZB muss sicherlich einen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen haben, als die ersten Einkaufsmanagerindizes für die Euro-Zone nach dem Brexit nur etwas niedriger als vorher ausfielen, auch wenn sie immer noch einen Abwärtstrend aufweisen. Der nächste wichtige Test für den Euro wird die Bekanntgabe der ersten Schätzung für die Inflation sein. Negative Überraschungen, insbesondere für die Kerninflation, bei der mit einer Inflation von 0,8% für das Jahr gerechnet wird, würden den Druck auf den Euro zweifellos weiter erheblich erhöhen.

USD

Die Konjunkturdaten aus der US-Wirtschaft stützten in der vergangenen Woche nach wie vor eine Zinserhöhung durch die Fed im Dezember.

Die größte Volkswirtschaft der Welt scheint weiterhin gegen politische Ereignisse in Europa immun zu sein. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe lag im Juli über den Erwartungen und stieg trotz des Brexit-Votums von 51,3 auf 52,9. Außerdem erlebten wir eine weitere Woche, die durch die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung beeindruckte. Gleichzeitig erzielt der Immobilienmarkt immer weitere Erfolge, denn die Zahl der neu begonnenen Bauvorhaben und der Baugenehmigungen erhöhte sich im Vergleich zum Vormonat.

Die Finanzmärkte reagierten nicht überraschend auf diese Reihe solider Daten und preisen nun beinahe ein, dass die Fed noch vor Jahresende die Zinsen zum zweiten Mal seit der Finanzkrise erhöht. Dies sollte für den US-Dollar für den Rest von 2016 eine gute Stütze gegenüber nahezu jeder Leitwährung darstellen.

GBP

Die üblicherweise entscheidende Bekanntgabe der Inflationsrate wurde in der vergangenen Woche von der Veröffentlichung der ersten wesentlichen Daten überschattet, die die Auswirkungen des überraschenden Ausgangs beim EU-Referendum widerspiegeln.

Die Einkaufsmanagerindizes (PMI), die Aufschluss über das Geschäftsklima vermitteln, wiesen allesamt ihren bisher größten Rückgang aller Zeiten auf. Zukunftsgerichtete Komponenten wie neue Aufträge fielen sogar noch stärker. Das derzeitige Niveau des Composite-PMI spricht nun für eine erhebliche Schrumpfung in der britischen Wirtschaft.

Allerdings stellen wir fest, dass PMIs auf Schocks manchmal überreagieren. Die Zahlen für August werden ebenso wichtig wie für Juli sein. Möglich ist, dass wir eine bescheidene Erholung dieser Zahlen erleben, nachdem sich der unmittelbare Schock legt, das Pfund stabilisiert hat und die Aktienmärkte wieder aufwärts entwickeln.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.