Dollar rutscht nach unverbindlichem Offenmarktausschuss und schwachen BIP-Zahlen ab

Enrique Díaz-Álvarez01/Aug/2016Devisenmarkt

Händler nutzten die schwachen BIP-Zahlen aus den USA als Vorwand, um den Dollar gegen jede andere G10-Währung zu verkaufen. In Anbetracht der optimistischen Töne in der Erklärung des Offenmarktausschusses (FOMC) und der Tatsache, dass die BIP-Wachstumsschwäche auf temporäre Faktoren zurückzuführen war, lässt sich der Ausverkauf des Dollars nach dem starken Anstieg im Juli wahrscheinlich als Gewinnmitnahme bei den Händlern erklären.  Am ausgeprägtesten war die Dollar-Schwäche gegenüber dem Yen. Er legte am Freitag früh kräftig zu, nachdem die Bank of Japan die Erwartungen der Märkte enttäuschte, die auf eine radikale geldpolitische Aktion gehofft hatten.

Da die Sitzungen der US-Notenbank und der Bank of Japan nun hinter uns liegen, richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Bank of England, die voraussichtlich am Donnerstag Lockerungsmaßnahmen verkündet, und den überaus wichtigen US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Dünne Liquidität in den Märkten während der Sommerferien kann in den nächsten Wochen durchaus zu übertriebenen Währungsbewegungen führen. Von daher ist zum Wochenende mit Volatilität zu rechnen.

EUR

Der Euro hat sich in einer sehr ruhigen Woche gut behauptet. Gestützt wurde er dabei durch die schwächelnden US-Daten und eine IFO-Umfrage bei Anlegern in Deutschland, wonach die Auswirkungen des britischen Referendums anscheinend abgeschüttelt wurden. Die Nachricht von Freitag Abend, dass die Regulierungsbehörden mit den Stresstests bei europäischen Banken relativ nachsichtig umgehen wollen, hatte ebenfalls keine spürbaren Konsequenzen für die Gemeinschaftswährung.

In der nächsten Woche wird es nur wenig Neues über die Wirtschaft und die Geldpolitik in der Euro-Zone geben. Deswegen gehen wir davon aus, dass der Euro vor allem auf Ereignisse anderswo reagieren wird – insbesondere auf die Sitzung der Bank of England am Donnerstag und den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag.

USD

Eine geschäftige Woche in den USA hat den Dollar belastet, auch wenn wir darin wie bereits erwähnt eher Gewinnmitnahmen zum Monatsende als eine fundamentale Neubewertung der Aussichten für die US-Wirtschaft und -Zinsen sehen. Die Verlautbarung des FOMC am Mittwoch war ziemlich optimistisch. Tatsächlich spiegelte sich in jeder einzelnen Änderung gegenüber der vorhergehenden FOMC-Erklärung größere Zuversicht in die Aussichten wider. Am Freitag blieben die ersten Zahlen für das Wachstum im zweiten Quartal mit 1,2% gegenüber 2,6% hinter den Erwartungen zurück.

Allerdings war die negative Überraschung im Wesentlichen komplett auf vorübergehend niedrigere Lagerbestände zurückzuführen. Von daher ist berechtigterweise zu erwarten, dass dieses Manko in folgenden Quartalen wettgemacht wird. Nach unserer Auffassung wird der US-Dollar seine Rally wieder aufnehmen, nachdem der Ausverkauf zum Monatsende nun vorbei ist.

GBP

Aus Großbritannien kamen zwar kaum neue belastbare Wirtschaftsdaten, doch eine Reihe von Umfragen deuten weiterhin auf eine Verschlechterung der Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern nach dem Referendum hin, was das britische Pfund die gesamte letzte Woche durch belastet hat. Mit Ausnahme des Dollars war das Pfund die G10-Währung, die sich am schlechtesten entwickelte.

Die nächste Woche wird für das Pfund kritische Bedeutung haben, weil am Donnerstag die Bank of England tagt. Mit überwältigender Mehrheit erwartet der Konsens eine Zinssenkung um 25 Basispunkte, was die gemäßigten Äußerungen von Martin Weale in der letzten Woche zu bestätigen schienen. Die Frage ist allerdings, in welchem Umfang weitere Maßnahmen angekündigt werden.

Wir rechnen damit, dass das Anleihenkaufprogramm um mindestens 100 Milliarden GBP aufgestockt wird. Unklar ist, in welchem Maße eine derartige Ausweitung von den Märkten eingepreist ist. Deswegen werden wir nach unserer Einschätzung zum Ende der Woche reichlich Volatilität erleben.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.