Deutlicher Anstieg von Dollar und Schwellenländerwährungen infolge robuster US-Daten

Enrique Díaz-Álvarez08/Aug/2016Devisenmarkt

Wir erwarteten in der vergangenen Woche an den Devisenmärkten ein Feuerwerk und wurden von den Märkten nicht enttäuscht. Am Donnerstag senkte die Bank of England die Zinsen und stockte ihr quantitatives Lockerungsprogramm deutlich auf. Ersteres war weitgehend erwartet worden, doch mit Letzterem hatten nur ein paar Strategen – auch wir – gerechnet. Am Freitag kamen dann gute Zahlen vom US-Arbeitsmarkt heraus. Damit ist eine Zinserhöhung im September definitiv eine Möglichkeit. Nicht unwahrscheinlich ist zudem, dass wir 2016 noch zwei Zinsanhebungen erleben.

Abbildung 1: US-Nonfarm-Payrolls (2010 – 2016)

US Nonfarm Payrolls

Quelle: Thomson Reuters Datastream

Der Markt reagierte erwartungsgemäß, indem er den Dollar auf Höhenflug und das britische Pfund auf Talfahrt schickte. Nicht ganz so offensichtlich war die Rally von Risikoanlagen und Schwellenländerwährungen nach dem US-Arbeitsmarktbericht. Optimismus über das weltweite Wachstum überwiegt in den Köpfen der Anleger allmählich die Sorgen über höhere US-Zinsen.

Diese Woche dürfte relativ ruhig werden. Für die Euro-Zone, die USA, Großbritannien oder Japan stehen nur einige wenige Nachrichten aus Wirtschaft oder Politik auf dem Programm, die die Märkte bewegen könnten, und viele Anleger werden versuchen, die Ruhe fernab vom Büro während der Ferien im August zu genießen. Wir gehen davon aus, dass Leitwährungen bis zum Monatsende in engen Bandbreiten gehandelt werden.

Dann wird die jährliche Konferenz der Zentralbanken in Jackson Hole im Rampenlicht stehen, und wir rechnen damit, dass US-Notenbankchefin Janet Yellen klare Äußerungen von sich gibt, wann die nächste Zinserhöhung in den USA zu erwarten ist.

EUR

In der Euro-Zone stellten die schlechten Fabrikaufträge in Deutschland im Juni die einzige erwähnenswerte makroökonomische Nachricht in der vergangenen Woche dar. Auch in dieser Woche wird es ähnlich wenig Neues geben. Allerdings werden die BIP-Wachstumsschätzungen für das 2. Quartal veröffentlicht. Hierbei handelt es sich um eine Kennzahl, die die Vergangenheit betrachtet und damit nur von begrenztem Nutzen ist, um die Reaktion der Euro-Zone auf die Turbulenzen nach dem Brexit zu beurteilen. Wir rechnen daher mit verhaltenen Auswirkungen auf die Devisenmärkte und gehen davon aus, dass der Euro in einer engen Spanne zwischen 1,10 und 1,11 gehandelt wird.

USD

Sorgen über eine Abschwächung der US-Wirtschaft wurden durch sehr solide Zahlen vom Arbeitsmarkt im Juli beschwichtigt. Im Juli wurden 255.000 neue Stellen geschaffen, was sowohl deutlich über den jüngsten Durchschnittswerten als auch den Konsenserwartungen liegt. Die Arbeitszeiten und die Stundenlöhne stiegen alle beide, und die gesamte Lohnsumme erhöhte sich annualisiert um nahezu 10%.

Im Bericht über die privaten Haushalte war nichts zu beanstanden, denn er zeigte, dass sowohl die Zahl der Erwerbstätigen als auch die Erwerbsquote (eine wichtige Kennzahl für die US-Notenbank) in gesunder Weise zulegten. Neuerliches Gerede über eine mögliche Zinserhöhung im September und eine hohe Wahrscheinlichkeit von mindestens einer, möglicherweise sogar von zwei Zinserhöhungen im Rest des Jahres, beflügelten den Dollar.

Die USA stellen einen der wenigen Schwerpunkte im G10-Währungshandel in der nächsten Woche dar, weil die Schätzungen für die Einzelhandelsumsätze im Juli veröffentlicht werden. Durch die gesunden Zuwächse bei den Erwerbseinkommen in den letzten beiden Monaten ist nach unserer Schätzung bei diesem hochvolatilen Indikator mit einem anständigen Plus zu rechnen.

GBP

Die Bank of England hat unsere Erwartungen, dass es eine Zinssenkung *und* eine Aufstockung des Ziels für die quantitative Lockerung geben wird, weitgehend erfüllt. Dabei ist sie sogar noch weiter gegangen. Sie gab bekannt, dass sie in ihr Programm zum Ankauf von Vermögenswerten nun auch Unternehmensanleihen aufnehmen werde. Am wichtigsten war aber das von ihr angekündigte Kreditförderprogramm („Term Funding Scheme“), mit dem Banken und Bausparkassen direkte Kredite erhalten.

Die technischen Details dieses Programms haben maßgebliche Bedeutung. Denn hierdurch können Banken direkt Geld bei der Bank of England borgen und brauchen keine Geldmarktanleihen als Sicherheit zu hinterlegen. Die Bank of England kann auf diese Weise die Bankenfinanzierungskosten von der allgemeinen Höhe der Zinsen trennen und geringfügige Bankenfinanzierungskosten aufrechterhalten, ohne die allgemeinen Zinsen noch tiefer zu drücken.

Das britische Pfund wurde durch dieses umfangreicher als erwartet ausgefallene Konjunkturpaket, aber auch durch den langfristigen Pessimismus erschüttert, den die Prognosen der Bank of England nach dem Brexit durchscheinen ließen. Allerdings schaffte es die Währung, die Woche nahezu unverändert gegenüber dem Euro zu beendet. Wir stellen fest, dass die Handelsspanne von 1,30-1,35 gegen den USD wie nach dem Brexit-Votum immer noch Bestand hat.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.